Erdverkabelung die bessere Lösung für den SuedLink?

Anhand von Statistiken und Grafiken versuchte Claus Rennert die Zuhörer für die Kabelverlegung zu gewinnen. (Foto: Renate Tiffe)

Informationsveranstaltung der „Grünen“ im Rathaus

ALTWARMBÜCHEN (ti). Die Starkstromleitung SuedLink mit den 70 Meter hohen Masten, die vom Jahr 2022 ab Deutschland von Norden nach Süden durchziehen soll, ist eine Horrorvorstellung in den angrenzenden Kommunen.
Immer häufiger wird die Frage gestellt, ob nicht eine Erdverkabelung die bessere Lösung sei. Kurz bevor die Gemeinde Isernhagen mit einer Resolution zum Planungsstand des SuedLink hervortritt, hat die Partei von Bündnis 90/ Die Grünen in Altwarmbüchen zu einer Informationsveranstaltung über die Erdverkabelung eingeladen.
Angekündigt war ein Vortrag von Claus Rennert vom Planungsbüro Infranetz aus Müden, das nach eigenem Bekunden über ausreichende Erfahrungen in dem betreffenden Bereich verfügt. Eine ähnliche Veranstaltung hatte bereits im vergangenen Jahr in Großburgwedel stattgefunden.
Das Interesse der Isernhagener war groß. Außer etwa 70 Zuhörerinnen und Zuhörern hatten sich im Rathaus viele Mitglieder aus den Ortsräten und vom Planungs- und Bauausschuss eingefunden, die in der anschließenden Sondersitzung über die Stellungnahme der Gemeinde zum SuedLink beraten wollten.
Von Infranetz vorgeschlagen wird eine 700 Kilometer lange Trasse entlang der A 7, die außerdem den Vorteil hat, dass sie nur 70 cm breit ist. Die etwas 2000 Hektar Waldverlust, die sich durch Schneisen für die Freileitungen ergeben, erübrigten sich dadurch, wie Rennert ausführte. Eine Bodenerwärmung sei nicht zu befürchten, weil die Gleichstromleitungen nur sehr geringe Verluste mit sich bringen.
Der Mehrkostenfaktor betrage nur 1,7 gegenüber den Verlautbarungen des vorgesehenen Netzbetreibers TenneT, die das Achtfache errechnet hatten. Das habe eine Studie zum Kostenvergleich der hannoverschen Leibnitz-Akademie ergeben. Dabei seien die Nebenkosten bei den Freileitungen noch nicht einmal mit berücksichtigt worden.
Das alles hätte zunächst für die Zuhörer nach der besseren Lösung aussehen können. Der Sprecher der Isernhagner Bürgerinitiative Stromtrasse-Isernhagen-vor-Ort, Jochen Schrader, brachte aber die Bedenken vieler auf den Punkt: zu Rennert gewandt sagte er, dass dessen Argumente überzeugend wirkten.
Das Problem sei jedoch, dass Infranetz sich nicht im Entscheidungsumfeld bewege. D. h. dass der Müdener Ingenieur nach wie vor als Einzelkämpfer agiere. Rennert verteidigte sich, dass seine Verfassungsbeschwerde abgelehnt worden sei, dass Briefe an den Wirtschaftsminister und den bayrischen Ministerpräsidenten nicht beantwortet wurden.
Zwar lasse, wie in der Presse berichtet, Gabriels Absicht, in seinem Wahlkreis die Kabel zu verlegen, wieder hoffen. Am Ende müsse aber das Gesetz über die Beschleunigung des Netzausbaus geändert werden.
Zweifel sind also angebracht angesichts des Zeitraums, bis zu dem die Atomkraftwerke abgeschaltet werden und der im Norden erzeugte Strom nach Bayern geleitet werden soll. Zweifel meldete auch Fabian Peters von den „Grünen“ später in der Sitzung an, als er sagte, dass die aufgezählten technischen Möglichkeiten nicht zu überprüfen seien.