„Ein wenig reden kann manchmal viel helfen...“

Die Auszubildenden der Hebammenschule, Physiotherapie und Krankenpflege musizieren für die Patienten. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Ursula Thomas genießt die Handmassage von Stephanie Weinert. (Foto: Svenja Steinseifer)

Weihnachtsverwöhn-Aktion im Klinikum Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL (svs). Für Ursula Thomas ist es der vierte Krankenhausaufenthalt innerhalb eines halben Jahres. Während sie sich von Stephanie Weinert die Hände mit Granatapfel-Öl massieren lässt, erzählt die Schmerzpatientin über sich und dass sie darauf hofft, an Weihnachten wieder zu Hause zu sein. „Handmassagen sind Türöffner“, weiß Heike Hennig vom Ausbildungszentrum Großburgwedel, „für ein Gespräch“. Und manchmal hilft ein bisschen reden schon sehr viel.
„Es ist Ablenkung – die Patienten kommen kurz raus aus ihrem Krankenhausalltag“. Zusammen mit den anderen 17 Auszubildenden der Krankenpflege-, Physiotherapie- und Hebammenschule arbeitet sich Stephanie Weinert von Station zu Station durch das Klinikum Großburgwedel. Mit Handmassagen, selbstgebackenen Keksen, Waffeln, Punsch und Weihnachtsliedern. Auf dem Rücken trägt die Schülerin weiße Engelsflügel. Als Engel sieht sie sich aber nicht. „Für die Patienten ist es total wichtig und ich mach es gern“, sagt sie, „ein bisschen quatschen hilft“.
Ursula Thomas genießt das Weihnachts-Wellness-Programm. „Ich fühle mich jetzt besser, freier“, sagt sie nach der Verwöhn-Aktion. Während auf der inneren Station massiert wird, singt Maren Werner mit ihren Mitschülern für eine Patientin „Alle Jahre wieder“. Das kennt sie, freut sich die alte Dame und steigt textsicher mit ein. „Unsere Weihnachtsaktion ist wichtig für die Patienten“, weiß Maren Werner, „aber es soll auch keine Zwangsvorstellung sein“. Denn nicht alle können sich über das Weihnachts-Wohlfühl-Paket der Auszubildenden freuen.
„Weihnachten ist so eine zwiespältige Sache“, findet die Schülerin, „wenn jemand nicht möchte, sei es aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen, dann akzeptieren wir das.“ Zum fünften Mal startet das KRH Ausbildungszentrum die „Weihnachtswellness“. Aufgrund der guten Resonanz bei den Patienten läuft das Projekt in diesem Jahr zum ersten Mal flächendeckend in allen KRH-Krankenhäusern. „Niemand liegt freiwillig über Weihnachten im Krankenhaus“, sagt Heike Hennig, „wir tun einfach etwas für das Wohlbefinden der Patienten“. Abgelöst vom Stress der Station und nicht unter medizinischen Gesichtspunkten.
„Der Schwerpunkt unserer Aktion soll auf Weihnachten liegen“, betont Maren Werner, „nicht auf dem Wellness Programm“. Finanzielle Unterstützung erhält das Ausbildungszentrum vom Bildungszentrum und vom Klinikum. „Das ist auch nicht selbstverständlich“, betont Heike Hennig. Ursula Thomas jedenfalls findet die Weihnachtsaktion gut. „Ganz bestimmt“, sagt die Patientin, „das lenkt ab“. Stephanie Weinert weiß, dass das nicht jeder Patient so sieht. „Manche lehnen ab, weil sie es nicht kennen oder weil sie sich nicht wohlfühlen“, sagt Weinert.
„Es kann auch passieren, dass einige an ihre Familien denken, bei der sie lieber sein würden anstatt hier liegen zu müssen“, weiß auch Schülerin Jana Olesen, „aber wir müssen es wenigstens versuchen und auch ein Nein akzeptieren.“ Ursula Thomas und auch die textsichere Dame freuen sich über den weihnachtlichen Besuch. Maren Werner und ihre Mitschüler geben mit „Kling Glöckchen“ noch eine Zugabe. Die Patientin singt munter mit und erzählt, dass sie Zuhause die gleichen Tapeten hat wie im Krankenhaus.
Stephanie Weinert zieht mit ihrem Körbchen voller Pflegeöle und ihren Flügeln ein Zimmer weiter und verabschiedet sich von Ursula Thomas, für die sie vielleicht doch mehr von einem Engel hat, als sie selber denkt.