Die Heilkraft aus der Natur wächst vor der Haustür

Diplombiologin Dr. Heidrun Roland (links) beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit Heilpflanzen. (Foto: Renate Tiffe)

Pflanzenexkursion mit dem NABU Burgwedel & isernhagen

GROSSBURGWEDEL (ti). Etwa zwanzig Interessierte, Männer wie Frauen, waren der Einladung des NABU Burgwedel und Isernhagen zu einer Heilpflanzenexkursion gefolgt und hatten sich am Bahnhofsvorplatz in Großburgwedel eingefunden.
Sie brauchten nicht weit zu wandern. Die Pflanzen und Heilpflanzen, die sie an diesem Nachmittag kennenlernen sollten, wachsen in der nächsten Umgebung des Bahnhofsgeländes, am Weg unterhalb der Straße und auf der Brache unmittelbar neben den Gleisen.
Die Diplombiologin Dr. Heidrun Roland hat in der pharmazeutischen Medizin gearbeitet und beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit Heilpflanzen. Die Pflanzen verdienen Respekt, weil sie unsere Lebensgrundlage sind, meint sie. Die Heilpflanzenkunde habe darüber hinaus bis ins 19. Jahrhundert hinein der Heilung von Krankheiten gedient. Erst von da ab gelang es, deren Wirkstoffe zu isolieren und synthetisch herzustellen.
Die Medikamente, die daraus entstanden sind, wirken schneller, haben aber auch ein hohes Nebenwirkungspotential. Zudem wirken in den Pflanzen Stoffe zusammen, die ihr „Geheimnis“ bleiben, die aber dem menschlichen Stoffwechsel nahe sind. Pflanzliche Drogen helfen bei Bagatellerkrankungen und funktionellen Störungen – allerdings nur, wenn man Bescheid weiß und sie richtig dosiert. Es gibt auch hochgiftige Gewächse, die man „nur einmal nimmt“.
Ungeahnt viele der heilkräftigen Pflanzen wachsen an den Wegesrändern oder vor der Haustür. Heidrun Roland begann mit der Himbeere, deren Blätter viel Gerbstoffe enthalten und entzündungshemmend wirken. Zusammen mit Brombeer- und Erdbeerblättern ergeben sie einen Tee, der sehr gut als sog. Haustee geeignet ist, ein Tee also, den man immer trinken kann. Tees, die dagegen zu Heilzwecken genutzt werden, sollten nur solange eingenommen werden, wie die Beschwerden anhalten, höchstens sechs Wochen. Sonst verlieren sie ihre Funktion.
Bei vielen Pflanzen griff die Expertin auch auf die Mythologie und auf die Volksmedizin zurück, zurück - bei der Eiche zum Beispiel, der stärksten Gerbstoffdroge. Der unscheinbar weiße und gelbe Steinklee dagegen enthält Cumarine, die in Traumkissen enthalten, aber auch als Tee und Salbe zu verwenden sind und die Durchblutung fördern. Bei dem in Gärten allgegenwärtigen Giersch, ebenfalls eine Heilpflanze, riet sie, die Blätter als Gemüse zu dünsten.
Zu fast jeder Pflanze, ob Kraut, Baum oder Strauch - auch auf dem Brachgelände -hatte die Biologin etwas zu sagen. Alle Drogen, so erwähnte sie, sind auch in der Apotheke zu haben, wo es sich um untersuchte Pflanzenteile handelt. Und die Forschung schreitet immer weiter fort.