Die Flügel der Wettmarer Mühle drehen sich wieder

Welch ein majestätischer Anblick: Die großen Flügel der Bockwindmühle drehen sich wieder nach der Winterpause. An jedem 2. Sonntag im Monat können Besucher nun wieder die Mühle und ihre Müller besuchen, die für Fragen gern bereitstehen. (Foto: Anna Kentrath)
 
Im sogenannten Sichter wird aus dem grob geschroteten Korn ein Teil des feinen Mehls gesiebt, ehe es wieder gemahlen wird. (Foto: Anna Kentrath)

Heimatverein eröffnet bei Schneetreiben die Mühlensaison

WETTMAR (ak). Schnee und Eis schreckten die Müller der Wettmarer Bockwindmühle vergangenen Sonntagnachmittag keineswegs. Hauptsache genug Wind, lautete ihr einziger Wunsch an das Wetter, schließlich sollten sich die gewaltigen Flügel bei der Eröffnung der Mühlensaison anständig drehen.
Nach der Winterpause, die zwar kalendarisch angezeigt wird, derzeit jedoch noch auf sich warten lässt, legen die fleißigen, freiwilligen Müller des Heimatvereins für das Kirchspiel Engensen, Thönse und Wettmar nun wieder los. An jedem 2. Sonntag im Monat besteht die Möglichkeit, ihnen über die Schulter zu schauen.
Was für eine außergewöhnliche Geräusch-Kulisse: Die Besucher der Bockwindmühle erlebten im Inneren des Gebäudes das Rumpeln und Rumoren der sich drehenden Mühlenflügel und des mahlenden Mühlsteins. In eine längst vergessene Zeit fühlte man sich zurück versetzt, in der der Müller körperlich hart arbeiten musste, um den Mahlvorgang am Laufen zu halten.
In der ersten Etage der Bockwindmühle, dem sogenannten Mehlboden, erfuhren interessierte Besucher einiges über die verschiedenen Stufen des Mahlens. So muss das helle Weißmehl, Typ 405, wie man es aus dem Supermarkt kennt, ganz 6 bis 7 Mal gemahlen und gefiltert werden. Der Weizen konnte in Gläser abgefüllt, in den unterschiedlichen Mahlstufen in Augenschein genommen werden: Stufe 1 – grob geschrotet, Stufe 2 – Kleie, Stufe 3 – Gries, Stufe 4 – Auszugsmehl.
Mit einmal Korn einfüllen und dann Warten, bis das pulvrige Mehl daraus hervor geht, ist es für die Müller also längst nicht getan. Mehrmals müssen sie die Stufen in den nächst höheren Stock erklimmen, dort anfangs Korn, später dann die verschiedenen Schrotstufen einfüllen. Durch eine Rutsche zwischen den Stockwerken wird das Gemahlene dann auf den Mehlboden transportiert und im Sichter gesiebt. Der Mehlstaub fällt hier durch das filigrane Sieb, Gröberes wird gesammelt und im 2. Stock wieder in den Mahlbetrieb gegeben.
Das obere Stockwerk bot nicht nur einen atemberaubenden Blick über die verschneiten Felder Wettmars, hier konnte man im Innern auch das gigantische Räderwerk begutachten, wie die Zähne des Kammrades perfekt in die des Stockrades griffen und beständig die Bewegung weiter gaben, die draußen durch die Mühlenflügel in Gang gesetzt worden war. Nicht nur Besucher konnten so einiges rund um das Thema des Mehlmahlens lernen, auch einige angehende Müller nahmen an diesem Tag an einem Lehrgang teil.
Die Arbeit der Müller war nach dem Tag der offenen Tür noch nicht getan, denn abschließend stand noch das aufwändige Reinigen auf dem Programm: die Mehlreste müssen raus, aus hygienischen Gründen, aber auch, um gar nicht erst ein Problem mit Mäusen oder dergleichen aufkommen zu lassen. Früher haben sich die Müller keine Katzen gehalten, wie man das so schön aus den Märchen kennt, da diese zu sehr haaren und nicht so reinlich abzurichten sind. Alte Bilder zeigen den Müller mit kleinen Terriern, wie Besucher vor Ort erfahren konnten, da diese auch fleißig auf Mäusejagd gingen. Zusätzlich konnte man sich mit entsprechenden Fallen den Nagern zur Wehr setzen, wie der Klotzfalle, die bereits im 13. Jahrhundert Verwendung fand und ebenfalls in der Wettmarer Bockwindmühle in Augenschein zu nehmen war.
24 Müllerinnen und Müller kümmern sich mittlerweile um die Bockwindmühle. So ist das historische Bauwerk in besten Händen, wird instand gehalten und regelmäßig ihrer ursprünglichen Verwendung, dem Mahlen des Korns, zugeführt. Jeder, der sich davon selbst ein Bild machen und vom profunden Wissen der Müller des Heimatvereins profitieren möchte, der kann dies nun an jedem 2. Sonntag im Monat, denn für die Müller der Bockwindmühle ist eines klar: Die Winterpause ist vorbei!