Dialog zur Agrarwende

Andreas Schröder (v. l.) erläutert die Vorteile der längeren Haltbarkeit ungewaschener Kartoffeln: Felix Schünemann, Eike Lengemann, Dr. Simone Peter.
 
Eike Lengemann, Dr. Simone Peter und Siegfried Lemke (Bündnis90/Die Grünen Isernhagen) vor der Solaranlage des Biohofes Wöhler. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Bundesvorsitzende der Grünen besuchte den Biohof Wöhler in Fuhrberg

FUHRBER/BURGWEDEL/ISERNHAGEN  (bgp). Die Bundeschefin von Bündnis90/Die Grünen und ehemalige Agrarministerin im Saarland, Dr. Simone Peter, besuchte auf ihrer Sommertour den Biohof Wöhler in Fuhrberg, um über die Agrarwende und Chancen der ökologisch-nachhaltigen Landwirtschaft zu sprechen.
Bei einer Hofbegehung informierte sie sich gemeinsam mit Eike Lengemann (Direktkandidat von Bündnis90/Die Grünen für den Wahlkreis Hannover-Land I) und Felix Schünemann (hiesiger Direktkandidat von Bündnis90/Die Grünen für die Landtagswahl) zu dem Thema bei Andreas Schröder, der seit 1999 gemeinsam mit Ehefrau Christa den elterlichen Hof Wöhler bewirtschaftet und im Jahr 2006 auf den ökologischen Landbau umgestellt hat.
Sämtliche Flächen des Betriebes liegen im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Feld, das ohnehin zahlreichen Nutzungsbeschränkungen unterliegt. Das habe gewisse Zwänge, aber auch Chancen, betonte Schröder. Da lag es nahe, den Anbau sämtlicher Erzeugnisse des Hofes ohne Anwendung von chemischen Pflanzenschutz- oder Düngemitteln vorzunehmen. Der Biohof Wöhler baut auf seinen Flächen Kartoffeln, Spargel und Getreide sowie Gras an und ist der einzige Betrieb im Ort, der sich dem ökologischen Landbau verschrieben hat.
Die Speisekartoffelernte sei in diesem Jahr besonders schwierig, teilte der Biolandwirt der Besuchergruppe mit. Zwar seien die leichteren Flächen schon abgeerntet, auf feuchteren Äckern jedoch noch nicht. „Wir kämpfen mit jedem Schauer Regen“, fasste Schröder die schlechten Bedingungen im diesjährigen nassen Sommer zusammen und führte die Delegation in eine Scheune mit Lüftungsanlage und Packstation.
Dort werden die Kartoffeln von Hand verpackt, der konstante Luftstrom sorgt für trockenes Klima in der Scheune. Ein Kistenkippgerät, das eigens vom Neffen des Landwirts konstruiert wurde, ermöglicht eine schonende Entnahme der Kartoffeln. Schröder legt Wert darauf, dass die Kartoffeln vor dem Verpacken nicht gewaschen werden: „Sie sind dann länger haltbar.“
Anfangs habe er in den Märkten, die der Hof beliefert, sehr dafür kämpfen müssen. Dort seien stets die Scanner Kassen angeführt worden, die durch den Staub der ungewaschenen Kartoffeln wohl nicht richtig funktionierten, erzählt er. In vielen Gesprächen sei dann eine für beide Seiten tragbare Lösung gefunden worden: Die ungewaschenen Kartoffeln werden in staubdichte Papiertüten mit Klarsichtfenster verpackt.
Schröder ist Mitbegründer der Biokartoffel-Erzeuger-Vereinigung, die an verschiedenen Projekten zur Agrarwende arbeitet. Das erste „gebohrte Brett“ sei die Maßgabe „365 Tage im Jahr Biokartoffeln“. Mittlerweile sei es gelungen, den Handel davon zu überzeugen, deutsche Bio-Kartoffeln im Frühjahr nicht automatisch aus dem Sortiment zu nehmen, nur weil importierte Frühkartoffeln aus Ägypten erhältlich seien.
Während noch deutsches Kontingent vorhanden gewesen sei, habe der Handel in der Vergangenheit bereits auf die Ware zurückgegriffen, die in der nordafrikanischen Wüste mit einem Verbrauch von 350 bis 400 Litern Wasser pro Kilo Kartoffeln angebaut werde, wohingegen hiesige Kartoffeln mit rund 10 Litern Wasser pro Kilogramm auskämen.
Nun arbeite man daran, die Kartoffeln ungewaschen mit der natürlichen Schutzschicht durch die leichten Bodenanhaftungen breitflächig im Handel zu etablieren.
„Die ersten Packbetriebe knicken schon ein“, berichtet Andreas Schröder begeistert von einem Erfolg der Strategie. Einig ist er sich mit Simone Peter, dass es nicht darum gehe, konventionellen Anbau zu verteufeln. Im Gegenteil, beide wünschen sich Dialogbereitschaft aller Betriebe und eine gute Zusammenarbeit.
Der Biohof Wöhler ist Mitglied in einer Maschinengemeinschaft, in der sich mehrere Betriebe große Geräte teilen. Gerade bei Maschinen für die Bodenbearbeitung sei eine mögliche Kontamination kein Problem, da im Boden bei sorgfältiger Arbeit der konventionellen Betriebe keine Rückstände zu verzeichnen seien. Lediglich die Maschinen zum Pflanzenschutz müssten intensiv gereinigt oder selbst vorgehalten werden, erklärte Schröder.
Simone Peter betrachtete gegen Ende ihrer „Zukunft-wird-aus-Mut-gemacht-Tour“ in Fuhrberg die Solaranlage auf der betriebseigenen Scheune, die den Strombedarf des Biohofes deckt. Anerkennend schweifte ihr Blick auch auf die südlich des Hofes gelegene Windkraftanlage „Calendula“ im Fuhrberger Feld, die laut Heinz Visel, Vorsitzender der Grünen in Burgwedel, seit 17 Jahren Strom für das ganze Dorf produziert.