Deutsche Bahn legte Varianten für die umstrittene Y-Trasse vor

Ulrich Bischoping stellte am Freitag in Hannover die Alternativvarianten zur Y-Trasse vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Der Güterverkehr kommt über Celle und Burgdorf nach Lehrte

BURGWEDEL/BURGDORF/LEHRTE (hhs). Die Y-Trasse, die Gleisverbindung zwischen den Seehäfen und Lehrte, ist weitgehend vom Tisch. Die seit 1992 hart umkämpfte Bahnstrecke zwischen Hamburg, Bremen und Hannover wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so umgesetzt, wie sie bisher geplant war.
Proteste der Anwohner und die Explosion der Kosten haben die weiteren Planungen dieses immer als wichtigstes Infrastrukturprojekt bezeichnete Bauvorhaben zunächst einmal beendet. Die Deutsche Bahn hat nach Alternativen gesucht und sie gefunden. Am Donnerstag wurden sie in Berlin vorgestellt, gestern in Hannover. Der Konzernbevollmächtigte der DB, Ulrich Bischoping, stellte sie vor.
Es handele sich bisher nur um Machbarkeitsstudien, führte Bischoping aus. Die alte Y-Trasse habe man immer kritisch gesehen. Schließlich habe der Bund den Streckenausbau vor den Neubau gesetzt und die Bahn habe Alternativen weiter östlich gesucht. „So sehr hängen wir nicht an der Y-Trasse“, sagte er. Der Bund habe schließlich Varianten gefordert. Herausgekommen sind dabei einige Streckenführungen, deren Endpunkt immer Celle ist.
Geprüft habe man die Kosten, im Bereich der „Machbarkeit“ die baubetriebliche Umsetzbarkeit, Risiken aus Schutzgebieten, Schallschutz und Risiken der Trassenführung. Schließlich auch die Fahrzeitverkürzung Hannover-Hamburg, die Streckenlänge und die mögliche Geschwindigkeit.
Die bekannte Konzeption der klassischen Y-Trasse koste 2,7 Milliarden Euro. Ihr Vorteil läge darin, dass nur 2.000 Wohneinheiten betroffen wären, 55 Kilometer Lärmschutzwände würden notwendig und ebenfalls 55 Kilometer der Trasse berührten Schutzgebiete.
Die erste neue Variante wäre die Konzeption des Ausbaus der Y-Trasse für Güterverkehr. Die Strecke beginnt in Maschen und Langwedel bei Bremen. Die beiden Abschnitte träfen sich in Soltau und führen weiter nach Celle: Kostenpunkt 2,5 Milliarden Euro.
Die zweite neue Variante: „Ausbau der Bestandsstrecke“. Hier werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen über die Verlagerung des Güterverkehrs von Hamburg über Lüneburg nach Uelzen bis Celle. Ein Teil des Güterverkehrs soll von Uelzen über Stendal nach Süden abgeführt werden. Gleichzeitig muss die Strecke Hannover-Bremen im Bereich von Wunstorf nach Nienburg optimiert werden. Die Kosten dafür betragen 2,5 Milliarden Euro.
Schließlich der reduzierte Ausbau: Dabei wird der Abschnitt von Maschen bis Uelzen optimiert. Diese Maßnahme gilt als schwer umsetzbar. Die Kosten liegen bei 1,7 Milliarden Euro. Die Bahnstrecke Hannover-Bremen muss auch optimiert werden.
Auch zwei Neubaustrecken von Ashausen bei Maschen nach Unterlüß wurden geprüft. Damit wäre die Verbindung nach Celle deutlich kürzer. Aber die Kosten sind hoch: 2 Milliarden Euro. Die zweite Variante endet in Suderburg und läge bei 1,4 Milliarden Euro.
Letzte Variante wäre der Ausbau der sogenannten Amerikalinie von Langwedel/Bremen nach Uelzen. Auch hier lägen die Kosten bei 1,4 Millionen Euro. Der Vorteil läge in der Entlastung des Knotens Hannover und dem Effekt der Anbindung des Hafenhinterlandverkehrs. Diese Maßnahme gilt nicht als vollständige Engpassauflösung. Sie ist nur als zusätzliche Maßnahme denkbar. Kostenpunkt 1,4 Milliarden Euro.
Der Wille zu gestalten sei riesengroß, sagte Ulrich Bischoping. „Ich möchte eines deutlich machen: Die einzelnen Varianten tragen unterschiedlich dazu bei, Probleme zum lösen. Und es ist nicht zwingend, sich für die billigste Lösung zu entscheiden. Das bedeutet auch, dass die klassische Y-Trasse noch nicht ganz vom Tisch ist. Aber sie hat starke Konkurrenz bekommen“, fuhr er fort. Einen Zeitrahmen gebe es noch nicht. Die Entscheidung, welche Variante realisiert werden soll, falle Ende 2015/Anfang 2016. Dann müsse ein Raumordnungsverfahren durchgeführt werden, was drei bis fünf Jahre dauern könne. Schließlich folge das Planfeststellungsverfahren, was noch einmal drei bis fünf Jahre den Baubeginn hinziehen könne. Ulrich Bischoping versprach eine umfassende Bürgerbeteiligung.
Auf Nachfrage des Marktspiegels erklärte der Konzernbevollmächtigte, von Celle aus werden die Güterzüge über Burgdorf nach Lehrte geleitet. „Dafür fallen nur im Bereich Celle Kosten an. Hier muss eine Überquerung gebaut werden, damit die Züge nicht über mehrere Weichen abbiegen müssen. Die Strecke ist zweigleisig und elektrifiziert und kann noch Kapazitäten aufnehmen“, erläuterte er das Procedere. Es seien auch keine Planverfahren notwendig. Und so viele Züge werden auch nicht über Burgdorf fahren, denn ein großer Teil des Verkehrs werde vor Celle schließlich nach Osten abgeleitet.