„Der Tod ist ein ganz wichtiges Thema im Leben“

Zum Engagement bereit (v. l.): Ute Rot, Grit Lahmann und Marianne Meier sowie Robert Schoevaart und Ute Rodehorst, die Leitende Koordinatorin. (Foto: Renate Tiffe)

Ambulanter Hospizdienst schult Kräfte für die Sterbebegleitung

GROSSBURGWEDEL (ti). 14 Frauen lassen sich seit März dieses Jahres für den anspruchsvollen Dienst der ehrenamtlichen Sterbebegleitung ausbilden. Es ist der fünfte Schulungskurs, den der Ambulante Hospizdienst durchführt, eine Einrichtung des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen für die Kommunen Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark.
Drei der Teilnehmerinnen berichteten jetzt über ihre Erfahrungen. Im November wird der Kurs abgeschlossen sein. Die Ausbildung findet alle zwei Jahre statt. Es ist ein reiner Frauenkurs diesmal und die drei künftigen Sterbebegleiterinnen strahlen Lebensfreude aus und bersten geradezu vor guten Erfahrungen in der Gruppe.
Sie habe noch keine Frauengruppe erlebt, die so entspannt und positiv in ihrem Zusammensein wirke, sagt Marianne Meier aus Hellendorf. Die 53-Jährige hatte jahrelang eine Pflegesituation in der Familie.
Ganz anders Grit Lahmann aus Neuwarmbüchen, deren Familie vor acht Jahren mit dem Unfalltod ihres Sohnes konfrontiert wurde. Man dürfe den Tod nicht totschweigen, meint sie. Aber das Leben gehe weiter. Uta Rot aus Großburgwedel kommt aus der stationären Hospizarbeit und engagiert sich bereits seit 2014 als Mitarbeiterin im Ambulanten Hospizdienst.
Die Ausbildung macht die 70-Jährige trotzdem und sieht, dass die Ehrenamtlichkeit ihr mehr Möglichkeiten bietet. Sie schwärmt beinahe von der Offenheit im Kurs, in dem Frauen aus verschiedenen Altersstufen – von 45 bis 77 Jahren - ihre Erfahrungen einbringen und in dem auch gelacht werde. Der Kurs bereichere das Lebensgefühl sind sich alle einig.
Das Miteinander verändere die Teilnehmerinnen im Kurs, die immer wieder ihr eigenes Empfinden überprüfen und sich seelisch freimachen müssen, weiß Robert Schoevaart, der Ansprechpartner für die Wedemark, der auch dem geschäftsführenden Ausschuss angehört. „Der Tod ist ein wichtiges Thema im Leben“.
Vom Miteinander lebe die Arbeit im Hospizdienst betont die Leitende Koordinatorin Ute Rodehorst. Die Haltung aus dem Gruppengeschehen fließe auch in die Begleitung mit ein. Sie sei froh über jüngere Teilnehmerinnen. Der Ambulante Hospizdienst erlange immer mehr Aufmerksamkeit und erfahre auch Unterstützung durch die Politik. 41 Kräfte stehen aktuell für das Ehrenamt zur Verfügung.
25 Menschen in der Endphase ihres Lebens werden derzeit betreut, 38 waren es im vergangenen Jahr. Und die Nachfrage wachse, wie auch der Wunsch, zu Hause zu sterben. Bisher habe noch keine Absage erteilt werden müssen.
Innerhalb der Ausbildung läuft seit Juli die Praktikumsphase, in welcher die Teilnehmerinnen erste Erfahrungen in der Begleitung im häuslichen Bereich oder in stationären Einrichtungen sammeln können. Es folgt die Schulung im Vertiefungskurs. Erst nach dem Abschluss im November werden die Frauen sich aktiv für die begleitende Tätigkeit entscheiden.
Von dem Unkostenbeitrag von 130 Euro für den Kurs können nach zwei Jahren 80 Euro zurückerstattet werden. Unterstützt werden die ehrenamtlich Mitarbeitenden bei ihren Einsätzen durch Supervision und weitere Fortbildungen.
Unterschiedlich lang kann die Dauer der Begleitung sein. In einem Extremfall hat sie sieben Jahre gedauert. Es können Tage oder Wochen sein, in denen den Familien mit schwerkranken und sterbenden Angehörigen durch den Ambulenten Hospizdienst menschliche Zuwendung und ein Netzwerk von Hilfsangeboten zuteil wird. „Wir wissen nicht, wann die Zeit ist“, so Ute Rodehorst.