Das zähe Ringen um die Lebensmittelversorgung in Fuhrberg hat ein Ende

Alles für den täglichen Bedarf findet sich in dem neuen Fuhrberger Frischmarkt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Heiner Neddermeyer ist zufrieden. Der Frischmarkt Fuhrberg wird am Donnerstag endlich eröffnet. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Initiatoren blicken auf schwierige aber erfolgreiche Planungsphase zurück

FUHRBERG (hhs). Vor ungefähr 40 Jahren arbeiteten in der Ortschaft Fuhrberg drei alteingesessene Lebensmittelgeschäfte. Zwei von diesen schlossen ihre Türen in den achtziger Jahren, übrig blieb das Geschäft Klütz. Hier fiel die Entscheidung zur Veränderung des Geschäftsfeldes später.
Der Lebensmittelmarkt wurde zunächst verkleinert zugunsten der Einrichtung eines Restaurants. Vor knapp neun Jahren wurde es endgültig: Das inzwischen erfolgreich arbeitende Restaurant musste um einen Saal vergrößert werden. Da es keine anderen Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Grundstück gab, wurde das unterdessen unwirtschaftlich arbeitende Lebensmittelgeschäft endgültig geschlossen. Seitdem verfügte die Ortschaft über keinen Lebensmittelversorger mehr. Jetzt ist die Vakanz beendet, nach knapp neun Jahren. Am Donnerstag um 9.00 Uhr wird die Eröffnung des Frischmarktes Fuhrberg offiziell gefeiert.
Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer und seine Kollegen vom Ortsrat können auf eine wechselvolle Geschichte in Sachen Lebensmittelversorgung in Fuhrberg zurückblicken. Auch im politischen Bereich sei diese Entwicklung immer bedauert worden.
Riesig gefreut habe man sich, als dann ein Investor aus Schwarmstedt sein Interesse bekundet hat. Die Stadt Burgwedel habe schnell für die Bauleitplanung gesorgt, aber das Vorhaben sei gescheitert, weil der Finanzierungsbedarf für den Investor zu hoch war. Dann geschah einige Jahre nichts.
Erst 2010 kam wieder Bewegung in die Sache. Ortsratsherr Andreas Witte hatte im privaten Bereich Kontakte zu dem Architektenbüro Krumwiede, das einen Lebensmittelmarkt in Mellendorf errichtet hatte. Witte sorgte für den Kontakt zwischen Neddermeyer und Krumwiede. Dabei stellte der Architekt klar, dass die geltende Bauleitplanung für einen Lebensmittelversorger geändert werden muss.
Anstelle eines aufwändigen Fachwerkbaus mit Ziegeleindeckung müsse eine günstigere Lösung möglich sein, damit der spätere Betreiber wirtschaftlich arbeiten kann.
Der Ortsrat sah sich den Frischmarkt in Resse an, der von seiner Konzeption her in jeder Beziehung als vorbildlich galt. Damit war die Entscheidung gefallen, was in Fuhrberg entstehen sollte. Erste Überlegungen zur Geschäftsform entstanden.
Ein genossenschaftliches Konzept wurde allgemein verworfen, schließlich sorgte Steuerberater Heiko Drangmeister dafür, dass man sich für die „GmbH & Co. KG“ entschied.
In dieser Phase fielen auch die Beschlüsse zur Betriebsform des Markts: Ehrenamtliche Formen wie die damals entstehende Dorfladenbewegung wurden verworfen. „Wenn wir das machen, dann sollte es auch richtig professionell geschehen“, so Neddermeyer und sein damaliger Stellvertreter Sigmar Tacke.
Es folgte die Konkretisierungsphase im politischen Raum. Der Flächennutzungsplan wurde so geändert, dass eine kostengünstige Fertighalle gebaut werden konnte.
Beide vermissten in dieser Zeit die ideelle Unterstützung im politischen Raum. Sie hätten zu häufig gehört, sie würden das niemals hinbekommen.
„Die Zahl der Bedenkenträger war groß“, erinnerten sie sich. Schließlich wurde gegen Ende 2010 zu einer Bürgerversammlung zur Vorstellung der Pläne und später zur Zeichnung der Anteile der Kommanditisten geladen. Der Zuspruch der Fuhrbergerinnen und Fuhrberger überraschte damals selbst die Initiatoren. Bei diesem Termin zeichneten schon knapp 150 Interessierte ihre Anteile, im weiteren stießen noch knapp 100 hinzu. „Damit sind es jetzt etwa 250 Anteilseigner“, so die erfolgreiche Bilanz. Es bestehe allerdings jetzt noch Finanzierungsbedarf. „Wer sich nun noch gern als Kommanditist beteiligen möchte, melde sich bitte bei mir“, so Neddermeyer.
Die Gesellschaft konnte nun daran gehen, das Grundstück für den Lebensmittelmarkt zu erwerben, was eine Voraussetzung für die Baufinanzierung durch die Hannoversche Volksbank war. Damit war der Lebensmittelmarkt nicht mehr im politischen Raum. Die Vorbereitungen des Baus konnten beginnen. Die Stadt Burgwedel hat dieses Projekt mit einem Investitionskostenzuschuss in Höhe von 80.000 Euro unterstützt.
In dieser Zeit fiel auch die Entscheidung über den Betreiber des Lebensmittelmarkts. Torsten Pagel, der damals seit etwa einem Jahr den vergleichbaren Markt in Resse mit Erfolg betrieb, konnte gewonnen werden. Insofern war es auch eine Entscheidung für ein gemeinsames Konzept, Fuhrberg und Resse werden gemeinsam über den Lebensmittelgroßhändler Lüning aus dem Sauerland versorgt. Das Unternehmen hat mehr als 150 Jahre Erfahrung im Großhandel mit Lebensmitteln.
Das Sortiment ist in Teilen deckungsgleich zur EDEKA, entspricht aber in anderen Teilen auch den Bedürfnissen von Einzelhändlern, die ungebunden wirtschaften möchten und sich durch eine eigene Sortiments- und Marketingpolitik gegenüber Discountern und Filialisten abgrenzen wollen. Damit sollen neue Zielgruppen und Wachstumsfelder erschlossen und angesprochen werden.
Die Gründung der GmbH & Co. KG fand im Frühjahr 2011 statt. Geschäftsführer der Gesellschaft, die die Aufgabe hat, das Grundstück zu erwerben und den Markt zu bauen und zu vermieten und schließlich die erwirtschaftete Rendite an die Kommanditisten auszuzahlen, ist Heiner Neddermeyer, sein Stellvertreter Sigmar Tacke.