Das Weihnachtsfest in der Vielfalt der Kulturen

Der Abend endete vorweihnachtlich mit dem gemeinsam angestimmten Lied „Feliz Navidad“. (Foto: Renate Tiffe)

Spannender Diskussionsabend im St. Petri-Forum

GROSSBURGWEDEL (ti). Wie erleben Menschen aus verschiedenen Kulturen, die schon länger in Burgwedel leben, das Weihnachtsfest hier? Mit diesem Thema befasste sich das St. Petri-Forum und lud bekannte und weniger bekannte Zugezogene in der Vorweihnachtszeit zu einem Diskussionsabend im evangelischen Gemeindehaus ein. Der kurze Film „Fröhliche Weihnachten, Rachid“ rundete das Treffen ab.
Die Spanne reichte von Erinnerungen aus Afghanistan, wo der Geologe Dr. Klaus Fesefeld – allerdings aus den sechziger Jahren – von der Ödnis des islamischen Landes im Winter berichtete, ganz ohne Weihnachten.
Anders die Schilderungen aus Ceylon, Mexiko und den Philippinen mit dem christlichen Hintergrund. „Es fängt an wie hier, meinte die gebürtige Ceylonesin Mary Michaelis. Die Häuser werden geputzt und geschmückt, es wird gebacken und gekocht. Die Familien ziehen von Dorf zu Dorf, jedes Dorf möchte schöner sein als das andere mit seiner Krippenschau.
Nach der Christmesse kommt die Familie zusammen und das große Essen beginnt. Geschenke untereinander gibt es nicht. Alles wartet dann auf den besonderen Gast, der mit einer Ochsenkutsche vorfährt und Geschenke einsammelt, „so wie die Sternsinger hierzulande“.
Geschenke für die Kinder gibt es in Mexiko am Tag der Heiligen Drei Könige. Zu Weihnachten trifft sich die ganze Familie beim Truthahn-Essen. Das sei jetzt nicht mehr so, erzählt Julietta Beine. Sie habe sich schnell an die Gewohnheiten in Deutschland gewöhnt, mit den Vorbereitungen in der Adventszeit und dem Wunsch etwas Gutes zu tun.
„Wir schenken nichts, aber wir kochen und lassen die Kinder auch Essen in der Nachbarschaft verteilen, berichtet Flora Collin. Auf den Philippinen freue man sich schon ab Oktober auf Weihnachten. Hier habe sich ihre Familie angepasst, was die Adventszeit und Weihnachten betrifft. Sie wünscht sich mehr Offenheit. „Wir wollen gern eine Brücke bauen“.
Einen Einblick in islamische Gewohnheiten und Denkweisen vermittelte der Film mit den beiden Jungen, die versuchen, sich im Weihnachtswunderland Deutschland zurechtzufinden und beschließen, auch Weihnachten zu feiern – was sie komisch finden, zum Beispiel im katholischen Gottesdienst, und womit sie bei ihren Eltern nicht gerade Verständnis finden.
Wer Kinder hat, die zur Schule gehen, feiert Weihnachten in etwa so wie hier erläutert Bedri Özdemir als Jezide. Es gibt Geschenke und einen Tannenbaum und seine Frau freue sich auch über ein Geschenk. Christentum und Islam wie auch der Glaube der Jeziden seien monotheistische Religionen. Das Zuckerfest gibt es bei den Jeziden nicht, bemerkt Mazlum Tuzum, der demnächst hier sein Abitur macht.
Mohammed Zafran aus Pakistan hat vermutlich zum ersten Mal in Fuhrberg ein vorweihnachtlichen Fest erlebt (wir berichteten).
Unterhaltungen untereinander und Nachfragen gab es an weihnachtlich dekorierten Tischen bei Keksen und Glühwein und – wer wollte – beim Basteln von transparenten Sternen, die hinterher die Fenster schmückten. Dafür, dass der Abend dann in einer Art vorweihnachtlicher Feier endete, sorgte Pastor Dieter Rodekohr am Klavier. Bei „Feliz Navidad“ sangen viele mit, gleich welcher Herkunft.