Das Kirchensiegel aus dem Jahr 1618 trägt das Bild des Heiligen Petrus

Die bezeichnete „Flotwiese“ am Bruchholz des Wiesenkaufbriefes vom 18. Juni 1618 könnte sich in etwa hier befunden haben, wo die Straßen „Am Flöth“ und „Bruchholzwiesen“ aufeinander zu laufen. (Foto: Anna Kentrath)
 
Der Wiesenkaufbrief vom 18. Juni 1618 verhandelt im Kern den Verkauf eines Stückes Land für den damals ungewöhnlich hohen Geldbetrag von 227 Thalern. Die Größe der dort bezeichneten „Flotwiese“ am Bruchholz ist nicht angegeben. (Foto: Manfred Hulacz)

400 Jahre altes Kirchensiegel aus Bissendorf an St. Petri Kirchenarchiv übergeben

GROSSBURGWEDEL (ak). Das Kirchenarchiv der St. Petri Kirche in Großburgwedel ist um ein außergewöhnliches Dokument bereichert worden: Einen 400 Jahre alten Kaufvertrag einer Großburgwedeler Wiese, der mit einem Kirchensiegel versehen ist – dem einzigen bekannten der St. Petri des 17. Jahrhunderts.
Die zwar verschwommene Darstellung des heiligen Petrus mit seinem Schlüssel, unverkennbar jedoch durch die Inschrift „Sanctus Petrus“ identifizierbar, liefert einen weiteren Beweis für den Namen der Kirche, die sonst in Dokumenten dieser Zeit nicht namentlich ausgewiesen wurde. Dass dieser Heilige bereits 300 Jahre vorher als Namenspatron für die Kirche auszumachen ist, beweist das Petrusrelief auf einer noch bis 1906 existierenden Turmglocke aus dem 14. Jahrhundert.

Kirchenarchiv 1625/26 geplündert

Das Jahr 1618 war ein geschichtsträchtiges Jahr, denn der zweite Prager Fenstersturz, der sich am 23. Mai 1618 ereignete, mündete im Dreißigjähriger Krieg, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung: Der Krieg selbst, aber auch Seuchen und Hungernöte entvölkerten ganze Landstriche. Im Zuge dieses Krieges hätten die Dänen 1625/26 das Kirchenarchiv der St. Petri geplündert, vieles verbrannt, sodass kaum Zeugnisse aus der Zeit davor erhalten seien, erläuterte Ulrich von Stackelberg, der sich ehrenamtlich intensiv mit der Großburgwedeler Kirchengeschichte auseinandersetzt, gegenüber den Burgwedeler Nachrichten.
Der Bissendorfer Heimatforscher und Ortschronisten Dr. Hellmuth Hahn konnte durch seine Vermittlung diese Geschichtslücke nun mit einem außergewöhnlichen Stück füllen, einem Wiesenkaufbrief vom 18. Juni 1618, der von der Bauernfamilie Krüger dem Archiv gestiftet wurde. Die Vorfahren dieser Familie stammen ursprünglich aus Burgwedel und erwarben ein Stück Land, das im Vertragstext als „Flotwiese“ bezeichnet wird.

„Flotwiese“ für 227 Thaler verkauft

Der umfangreiche Vertragstext besagt im Kern, dass eine Familie Meppen die am Bruchholz gelegene „Flotwiese“ für 227 Thaler an Hans Dusche in Burgwedel verkaufte, einen für damalige Verhältnisse beträchtlichen Preis. Ulrich von Stackelberg vermutet, dass dieses Stück Land, dessen Größe im Vertragstext nicht angeben ist, dort zu verorten sein könnte, wo die Straßen „Bruchholzwiesen“ und „Am Flöth“ in Großburgwedel aufeinandertreffen. Heute trennt diese Wege die „Thönser Straße“ voneinander.
Der Kaufvertrag wurde unter der Linde nach Burgwedeler Recht öffentlich kundgetan. Alte Linden kennzeichneten schon im Mittelalter den Ort, an dem Gericht gehalten wurde, ein zentraler Punkt im Dorfgeschehen, eine Versammlungsstätte. Die Bezeichnung im Vertragstext, vermutet Ulrich von Stackelberg, könnte sich auf den alten Marktplatz beziehen, da der Markt neben dem Kirchgang die Möglichkeiten im Alltag der Bürger darstellte, zusammenzukommen.

Ältestes Siegel der Petrus-Kirche

Die Einwohnerzahlen zu dieser Zeit waren überschaubar. Anlässlich einer Sammlung für die Erweiterung des Nordanbaus der St. Petri-Kirche sowie die Umsetzung und Restaurierung der Orgel ist für 1640 festgehalten, dass es 120 Häuser mit 452 Personen in Großburgwedel gegeben hat, dazu 10 Häuser der abgabefreien Leute wie unter anderem dem Amtsvogt, Pastor und Organist gekommen. Aus dieser Aufzeichnung ergibt sich auch ein interessanter Vergleich für die Summe der 227 Thaler, die die „Flotwiese“ 1618 kostete: Die Sammlung in allen 6 Dörfern für die Umbaumaßnahmen der Kirche, ergab zusammen 464 Thaler und 18 Mariengroschen.
Auch wenn aus dem 17. Jahrhundert einige Dokumente erhalten sind, handelt es sich bei diesem Wiesenkaufvertrag doch um das älteste mit einem Siegel der St. Petrus Kirche. Die Kirche war in dieser Zeit Garant für die Gültigkeit vertraglicher Vereinbarungen. Bestätigt durch den Hauptmann und Amtsvogt zu Burgwedel Ludolf von Eltz wurde der Wiesenkaufvertrag am 18. Juni im Jahr 1618 „nach der Geburt unseres Erlösers Christi“, „zu wahrer Versicherung“ mit dem Kirchensiegel des Kirchspiels Burgwedel versehen.

Dokument nun im Kirchenarchiv

Dieses Siegel sei, wie Ulrich von Stackelberg aus dem Kirchenarchiv entnehmen konnte, vor allem zum Signieren von Eheverträgen gebraucht worden.
Das historische Dokument befindet sich nun im Kirchenarchiv in Großburgwedel, eine mögliche Ausstellung des Stücks wird derzeit nicht möglich sein. Das zusammengefaltete Pergament hat die vergangenen 400 Jahre, so vermutet von Stackelberg, an einen trockenen, dunklen Ort, vielleicht ein Wäscheschrank, unter guten klimatischen Bedingungen erhalten bleiben können. Ein adäquater Umgang mit diesem Schriftstück sei nun unabdingbar. Das Berühren mit bloßen Händen etwa würde das Pergament auf Dauer schädigen.
Setze man die Schrift dem Licht aus, vielleicht in einer Vitrine zu Ausstellungszwecken, bleiche die Tinte aus. Vorerst plant Ulrich von Stackelberg Kontakt mit der Landeskirche aufzunehmen, die das bisher älteste Schriftstück des Kirchenarchivs vom 15. Juni 1618, einem Streitschlichtungsdokument zwischen der Kirche und einem Bürger, professionell restaurieren ließen. Dies erhoffe er sich nun auch für den Wiesenkaufbrief.
Elisabeth Krüger aus Bissendorf hat dem Kirchenarchiv der St. Petri Kirche mit dem Überlassen dieses Dokuments einen besonderen Dienst erwiesen, wofür sich der Kirchenvorstand bei ihr persönlich bereits bedankte. Die Familie gab diesen Wiesenkaufvertrag 400 Jahre lang von Generation an Generation weiter und nun an das St. Petri-Kirchenarchiv, wo eine historische Wissenslücke der örtlichen Kirchengeschichte geschlossen werden konnte.