„Das ist gewiss und kein Gedicht“

Sopranistin Ina Siedlaczek (r.) und Markus Gotthard am Klavier vermochten das Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern brillant musikalisch auszudrücken. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Liederabend „Ladies First“ begeisterte im St. Petri Gemeindehaus

GROSSBURGWEDEL (bgp). Der Liederabend „Ladies first“ lockte am vergangenen Sonntag rund siebzig Gäste in den neu gestalteten Saal des Gemeindehauses der St. Petri Kirchengemeinde.
Kreiskantor Christian Conradi war es gelungen, die Sopranistin Ina Siedlaczek und ihren Klavierbegleiter Markus Gotthard für ein Konzert mit „Liedern über Frauen und Männern“ zu gewinnen. Im Laufe des Abends wurde das Spannungsfeld zwischen den Geschlechtern über verschiedene Musikepochen hinweg gesanglich unterhaltsam aufgearbeitet. Conradi erläuterte in einer kurzen Einführung das Repertoire von barocken Liedern, die „kein Blatt vor den Mund nehmen“ bis hin zu Werken mit romantischen Texten.
Die Zuhörer erfuhren in humorvollen Stücken wie „In dem Dunckeln ist gut munckeln“ (Johann Philipp Krieger, 1649 – 1725) etwas über angewandte Liebespraxis oder „Die Kunst des Küssens“ (Andreas Hammerschmidt, 1611 – 1675). Die Weisheiten des Liedes „Von den Weibsbildern“ (Valentin Rathgeber, 1682 – 1750) trugen selbst die Frauen im Publikum mit Humor: „Das ist gewiss und kein Gedicht, traue nur keinem Weibsbild nicht“.
„Das Veilchen“ (Wolfgang Amadeus Mozart, 1756 – 1791, KV 476, Johann Wolfgang von Goethe) hingegen entbehrte nicht einer gewissen Dramatik, da sich das zarte Pflänzchen in die schöne Schäferin verliebte und am Fußtritt der Angebeteten schließlich sein florales Leben aushauchte. Ein trauriges Schicksal, das vom Publikum mit einem bedauernden „Ooch“ quittiert wurde. Das Konzert begeisterte im zweiten Teil mit Stücken von John Dowland (1563 – 1626), Henry Purcell (1659 – 1695) und Franz Schubert (1797 – 1828).
Ina Siedlaczek, die ebenso wie Markus Gotthard bereits zahlreiche renommierte Musikpreise gewonnen hat, sorgte mit ihrer klaren Intonation sowie wohlgesetzter Mimik und Gestik für einen hochklassigen Konzertabend, der das Publikum von der ersten Minute an mitnahm.