Das drittes Zuckerfest stand unter keinem guten Stern

Neue Todesnachrichten überschatteten das 3. Zuckerfestes in Burgwedel. (Foto: Renate Tiffe)

„Jetzt wollen sie uns auch noch das Lachen klauen“

GROSSBURGWEDEL (ti). Unter keinem guten Stern stand das dritte Zuckerfest, das die Muslime in Burgwedel in diesen Jahr im Amtspark in Großburgwedel begingen. Nicht nur, dass sich bis zuletzt das Wetter launisch zeigte und Regen nicht auszuschließen war. Es hatte gerade in Al Hasaka, dem Ort, aus dem einige Syrer aus Burgwedel stammen, wieder einen Terroranschlag gegeben, bei dem auch zwei Angehörige zu Tode gekommen sind.
Raida Mohammed, die schon so vieles für die Integration in Burgwedel bewegt hat, und die auch die Zuckerfeste mit initiierte und organisierte, erklärte zu Beginn, was vorgefallen war. Die Menschen hatten vor einer Bäckerei angestanden, um Süßes für das Zuckerfest zu kaufen, als die Attentäter ihre verheerende Tat begingen. „Wie sollen wir da feiern können“, fragte die kurdische Muslimin.
Das Programm für das Burgwedeler Zuckerfest wurde geändert. Es gab keine Musik und keinen Tanz. Dennoch hatten sich viele Muslime im Amtspark eingefunden, Familien mit ihren Kindern und junge Männer. Und auch viele ortsansässige Burgwedeler hatten sich auf den Weg gemacht. Meist waren es Mitglieder aus dem Helfernetzwerk.
Bei Gelegenheiten wie einem solchen Fest zeigt sich, wie weitverzweigt die Hilfestellung für die Zuwanderer vor Ort ist - und wie erfolgreich. Bärbel und Peter Mühlenberg von der Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche freuten sich, viele ihrer Schützlinge aus den Sprachkursen anzutreffen. Sie berichteten stolz, dass einige von ihnen schon über Halbtagsjobs verfügten und weitere Gespräche mit Firmen geführt werden.
Teilweise wechselten die jungen Männer auch in die Integrationskurse der Volkshochschule oder der Region. Begeistert schilderten das Ehepaar, was gerade jetzt in den sechs Wochen der Sommerferien, alles zusätzlich stattfindet - an Sprachunterricht und weiteren Kursen bis hin zu Schwimmkursen.
Ein üppiges Bufet mit orientalischen Speisen und Getränken hatten Raida Mohammed und Julieta Beine aufgebaut, mit ganz viel Süßigkeiten, von denen vor allem auch die Kinder sich reichlich bedienten. Das Zuckerfest steht von seinem Ursprung her am Ende des Ramadans, der sechswöchigen Fastenzeit, in der gläubige Muslime tagsüber nichts essen und trinken dürfen und erst bei Sonnenuntergang zum gemeinsamen Speisen zusammenkommen.
„Ich habe einige unserer jungen Männer bewundert, die sich daran gehalten haben“, sagt Bärbel Mühlenberg. „In den heißen Sommertagen nichts zu trinken, verlangt schon etwas. Gerade jetzt, wo auch die Tage so lang sind. In Syrien wird es bereits um 18.00 Uhr dunkel“.
Im Verlauf des Festes stellte sich dann doch eine entsprechende Stimmung ein. Man freute sich, in schöner Umgebung beieinander zu sein. Und Raida Mohammed entschloss sich dann doch, zum Singen und zu einem Rundtanz aufzufordern. Die Lieder kenne jedes arabische Kind von Kleinauf, bemerkte eine Zuschauerin. So recht in Gang kommen wollte dann aber doch nichts. „Sie haben uns alles genommen. Jetzt wollen sie uns auch das Lachen klauen“ bemerkte Raida Mohammed bitter im Hinblick auf das jüngste IS-Attentat.