Dann hieß es Adieu „House of Wind“

Das illuminierte "House of Wind" von Jan Philip Scheibe schien im Abendwind zu schweben. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Jan Philip Scheibe (l.) teilte zum Abschluss der IntraRegionale Würstchen und wärmende Getränke an die Gäste des kühlen Märzabends aus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

IntraRegionale endete mit Lichtinstallationen vor dem orangeroten Abendhimmel

GROSSBURGWEDEL (bgp). Der frühe Abend schien wie gemacht für den Abschluss der regionsweiten Kunstausstellung IntraRegionale. Am Nachmittag hatte es noch in Strömen geregnet, gegen Abend klarte es auf und verwandelte die Weide am Mühlenbruchdamm mit dem erleuchteten Landschaftskunstobjekt "House of Wind" in ein beeindruckendes Farbenspiel vor dem Hintergrund des Sonnenunterganges.
Der Licht- und Landschaftskünstler Jan Philip Scheibe teilte Würstchen und Getränke an die Gäste des strahlenden aber kühlen Abschlussabends der IntraRegionale aus.
Die grüne Weide an der Peripherie Großburgwedels war seit rund neun Monaten Ausstellungsfläche für seine Installation aus Stahl und PVC, an der er zu dem besonderen Anlass Neonröhren befestigt hatte, um diese im Abendrot erstrahlen zu lassen. Der solide quadratische Stahlrahmen aus T-Trägern wirkte auf den vier stählernen Eckpfosten statisch und schien doch im nächsten Moment zu schweben, als der Abendwind die daran befestigten "Wände" aus PVC-Streifen in Bewegung setzte.
Trotz der niedrigen Temperaturen entstand der Eindruck des Sommerwindes, den der Künstler mit seinem Objekt einzufangen suchte. Die Intention von Jan Philip Scheibe, die heißen südlichen Wüstenwinde, den eiskalten Ostwind oder den kühlen Nordwind in dieser Installation zusammenzufassen, war mehr als gelungen.
Das "House of Wind" entstand in Assoziation mit seiner Kindheit und deren Lebensgefühl in den siebziger Jahren, so Scheibe. Bei der Nachbarin im Ort habe es im Sommer Eis zu kaufen gegeben, der Weg zur Eistruhe habe immer durch den Vorhang aus PVC-Streifen geführt. Die Erinnerung daran habe ihn zu dem Werk inspiriert.
Die Installation wurde von Passanten viel beachtet und bestaunt, gelegentlich auch kritisch beurteilt. Die meisten Spaziergänger aber, die sich regelmäßig in der Gegend um den Großburgwedeler Mühlenbruchdamm einfanden, waren fasziniert von dem eindrucksvollen Kunstwerk mitten in der Landschaft.
Für das Ehepaar Schramm, das gegenüber der Weide vom Haus aus das Landschaftskunst-Objekt stets im Blick hatte, hatte dieses neben dem ästhetischen auch einen praktischen Reiz. Am House of Wind ließ sich immer ablesen, aus welcher Richtung und wie stark der Wind wehte.
Eine Teilnehmerin des Abschlussfestes berichtete, dass sie regelmäßig vorbei gekommen sei und die Installation zu verschiedenen Tageszeiten sowie bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen fotografiert habe. Die Wandlungsfähigkeit des Objektes habe sie beeindruckt. Sie werde das House of Wind wohl ein wenig vermissen.
Die Arbeit von Jan Philip Scheibe war als Beitrag zu einer Landschaftskunst-Ausstellung von zehn Kunstvereinen an zehn verschiedenen Orten in der Region Hannover entstanden. Die Installation wurde im Anschluss abgebaut, die Stahlkonstruktion wird einer weiteren Nutzung zugeführt. Die PVC-Streifen wurden durch den Wind am unteren Ende fransig und Teile davon fielen schon ab, sodass diese nicht mehr verwendet werden können. Doch das ist wohl das Wesen der Landschaftskunst: Wandlungsfähig und vergänglich, in jedem Moment einzigartig.