Chöre beschreiten neue Wege

Der Vorsitzende Jason Johnson (stehend) musste über eine Beitragserhöhung des Kreischorverbandes auf 7 Euro pro aktives Mitglied abstimmen lassen. Diese wurde von den Stimmberechtigten einhellig durchgewunken, da der Burgdorfer Verband immer noch den günstigsten Beitrag in der Region erhebt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Der Chorjugendbeauftragte Frank Binner hofft auf mehr Gesangnachwuchs durch das Förderprogramm KITAMUSICA. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Sängertag des Kreischorverbandes Burgdorf ist wegweisend für neue Strategien vor Ort

Von Bettina Garms-Polatschek

FUHRBERG/ALTKREIS BURGDORF (bgp). Nachwuchsgewinnung und der Austritt des Landes-Chorverbandes Niedersachsen Bremen (CVNB) aus dem Deutschen Chorverband (DCV) auf Bundesebene waren die bestimmenden Themen des 57. Sängertages des Kreischorverbandes Burgdorf.
In diesem Jahr war der MGV Liederkranz Fuhrberg – Cellensia Celle Gastgeber der Veranstaltung im Evangelischen Gemeindehaus Fuhrberg. Bei Kaffee und leckerem Kuchen hörten die Vorstände der Mitgliederchöre den Ausführungen des Kreisverbandsvorsitzenden Jason Johnson konzentriert zu.
Angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen im Kreischorverband müssten die Chöre neue Strategien zur Nachwuchsgewinnung im Kinder- und Jugendbereich entwickeln. „Die Zahl ist erschreckend“ betonte Johnson und dokumentierte in seiner Präsentation einen Mitgliederschwund von rund 1100 Mitgliedern im Zeitraum von 2006 bis 2017. Der Schwund in den Mitgliedschören der Ortschaften spiegelte sich in diesen Zahlen wider.
Viele schieden durch das Alter oder aus beruflichen Gründen aus den Chören aus. Zwei Chöre seien im Einzugsbereich bereits aufgelöst worden, ein weiterer befinde sich gerade im Auflösungsprozess. „Jeder Vorstand, jeder Verein ist gestraft“, hielt Johnson mit Blick auf das gesamte Chor- und Vereinswesen fest.
Insbesondere das Förderprogramm „KITAMUSICA“ des Chorverbandes Niedersachsen Bremen solle nun Abhilfe schaffen, unterstrich der Beauftragte für die Chorjugend, Frank Binner, dessen Bericht. Kindertagesstätten können sich demnach als KITAMUSICA anerkennen lassen. Jede Tagesstätte, die sich an dem Programm beteiligen möchte, wird von Beratern besucht und bekommt eine Analyse, wie sich Gesang in kindgerechter Tonlage in den täglichen Ablauf einbauen lässt.
Unter dem Leitsatz „Wird bei Ihnen täglich gesungen?“ werden gemeinsam Konzepte erarbeitet, die im Kita-Alltag umgesetzt werden können. Ist die Umsetzung erfolgt, werden eine Plakette und die dazugehörige Urkunde an die Kindertagesstätte im Rahmen einer öffentlichen Feier überreicht. Die Beratung, Begutachtung und Verleihung von KITAMUSICA durch den CVNB ist für die Kindertagesstätte kostenfrei. „Singende Kinder sind fröhliche Kinder und haben Lust auf Bewegung“ warb Johnson für das Programm und hob auch die pädagogischen Vorteile wie Kreativität, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsfähigkeiten hervor.
Eine gewisse Unsicherheit habe der Schritt des CVNB verursacht, als er mit überwältigender Zustimmung der Mitglieder aus dem DCV ausgetreten sei, berichtete Johnson. Die Vertretung der Chorinteressen vor Ort sei nicht mehr so erfolgt, wie man sich das gewünscht habe. Vor allem die massive Erhöhung der Jahresbeitragsanteile des DCV für aktive erwachsene Mitglieder von 1,80 Euro auf 3,30 Euro und die Erhöhung des Sockelbetrages für die Zeitschrift „Chorzeit“ von 27 Euro auf 40 bis 60 Euro sei negativ aufgefallen.
In Zeiten des Mitgliederschwunds sei auch die Erhöhung des Beitrages für Aktive in Kinder- und Jugendchören von 70 Cent auf 1,50 Euro nicht hilfreich, so Jason Johnson. Zusätzliche Kosten, die noch auf die Landesverbände zugekommen wären, wurden durch den Austritt ebenfalls vermieden.
Die Frage „Wie geht es nun weiter?“ habe sich schnell geklärt, da neben dem CVNB mittlerweile acht Landesverbände aus dem Bundesverband ausgetreten seien und sich zwar nicht verbandsrechtlich aber organisatorisch zusammengetan hätten, berichtete Johnson. Versicherungsleistungen, GEMA und die Mitgliedererfassung seien nur einige der Punkte gewesen, die neu geregelt werden mussten.
Gemeinsam habe man bessere Konditionen insbesondere bei den Versicherungen aushandeln können. So verfügten die Landesverbände nun über wesentlich bessere Versicherungsleistungen ohne Kostensteigerung. Mit einem alltagstauglichen Modulsystem ließen sich Zusatzversicherungen, die von den Vereinen individuell gewünscht werden, besser buchen und bezahlen.