Burgwedels Stadtbrandmeister in den Ruhestand verabschiedet

Vom Bürgermeister gab es eine Erinnerung an das einzige Projekt, das Friedhelm Leisenberg mangels Rückhalt in der Politik nicht erfolgreich beenden konnte: ein Drehleiterfahrzeug, an diesem Abend allerdings „en miniature“. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die aktiven Kameraden sind zum Amtshof gekommen, um sich zu verabschieden. Der stellvertretende Stadtbrandmeister Dirk Hemmann meldet die Kolonne an Friedhelm Leisenberg. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Friedhelm Leisenberg hinterlässt große Fußstapfen“

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Freitag wurde Burgwedels Stadtbrandmeister Friedhelm Leisenberg in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Leisenberg hatte zwei Tage zuvor seinen 63. Geburtstag gefeiert. Mit dem Erreichen dieses Datums ist Schluss mit der aktiven Laufbahn in der Freiwilligen Feuerwehr.
Leisenberg ist nun Alterskamerad in der Ortswehr Kleinburgwedel, in die er vor 46 Jahren eingetreten war. In einer bewegenden Feier im Amtshof fand die Verabschiedung statt, im Kreise von Rat und Verwaltung, dem Stadtkommando der Feuerwehr und vielen Freunden und Bekannten, die Leisenberg im Lauf der Jahre kennen und schätzen gelernt hatten.
Der Abschied aus dem Amt traf niemanden unvorbereitet oder überraschend. Die Nachfolge war im Vorfeld geregelt worden: Leisenbergs bisheriger Stellvertreter Ingo Motl ist neuer Stadtbrandmeister in Burgwedel. Als stellvertretender Stadtbrandmeister rückt Dirk Hemmann, zuvor Ortsbrandmeister in Fuhrberg, nach.
Es sei eine schöne Aufgabe, so Ingo Motl, der die Feier im Amtshof moderierte. Friedhelm Leisenberg sei mit 23 Jahren schon als stellvertretender Ortsbrandmeister in Kleinburgwedel Ehrenbeamter geworden. 1991 wurde er Ortsbrandmeister, 2001 schließlich Gemeindebrandmeister und seit Verleihung der Stadtrechte an Burgwedel am 26. August 2003 erster Stadtbrandmeister der Kommune.
Die Feuerwehren seien die mit C-Rohren bewaffneten Bürgerwehren der Bürgermeister, leitete Ingo Motl seine kurze Laudatio für den scheidenden Kameraden ein. Das „Modell Leisenberg“ habe sich in den Jahren für die Kommune gerechnet. Für Friedhelm Leisenberg sei das Feuerwehrwesen immer Herzensangelegenheit gewesen. Loyalität „nach oben und nach unten und umgekehrt“ habe Leisenberg ausgezeichnet. Er sei ein angenehmer Vorgesetzter gewesen.
Bürgermeister Axel Düker bezeichnete Leisenberg als Urgestein, unter dem in Burgwedel viele Beschaffungen getätigt worden seien und der sich zuletzt dafür stark gemacht hat, den Feuerwehrbedarfsplan von einer externen Firma erstellen zu lassen. Er habe viele hohe Ehrungen für seinen Einsatz erhalten. „Sein Engagement sucht Seinesgleichen“, so Düker. Und Leisenberg hinterlasse große Fußspuren. Damit wurde der Stadtbrandmeister aus dem Ehrenamt entlassen. Horst Holderith, Abschnittsleiter der Regionsfeuerwehr, dankte Leisenberg für seine Arbeit. Nach vielen Führungsaufgaben habe Leisenberg als Stadtbrandmeister mit Augenmaß die Freiwillige Feuerwehr Burgwedel geformt. Es sei eine leistungsstarke und moderne Feuerwehr entstanden.
Der Bundestagsabgeordnete und frühere Burgwedeler Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt verwies auf neun Jahre gemeinsamer und erfolgreicher Arbeit am Feuerwehrwesen. Als herausragende Verdienste Leisenbergs nannte er die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls in der Stadtfeuerwehr, Leisenbergs diplomatisches Geschick, er sei ein Sympathieträger, ein Vorbild und er habe seine Werte gelebt mit viel Humor. Geselligkeit bezeichnete Hoppenstedt als wichtige Eigenschaft des Scheidenden. „So bleibt mir eigentlich nur, ganz herzlich danke zu sagen“.
Walter Sonnefeld, Ortsbrandmeister in Kleinburgwedel und Weggefährte Leisenbergs, schilderte einige Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit. Zurückhaltung sei in jungen Jahren nicht Leisenbergs Sache gewesen, flachste er. Leisenberg habe damals einen gelben Manta gefahren ... . Bei der Waldbrandkatastrophe 1975 hätten sie gemeinsam auf einem Trecker Waldränder befeuchtet. Auch habe sich der spätere Stadtbrandmeister mit einem nagelneuen Feuerwehrfahrzeug einmal festgefahren. Ein anderes mal sei ihm der Sprit ausgegangen. „Nach vierzig Jahren bist Du nun nicht mehr mein Vorgesetzter, sondern mein Alterskamerad. Ich hoffe, Du kommst damit klar“, endete Sonnefeld unter großem Applaus der Gäste.
Schließlich gab Friedhelm Leisenberg seinen Dienstausweis zurück. Bürgermeister Düker ergriff noch einmal das Wort. Leisenberg habe während seiner Amtszeit ein wichtige Projekt nicht zu Ende bringen können, erklärte er schmunzelnd. Dabei nestelte er in einen kleinen Kunststoffkorb herum, bis eine kleine Leiter zum Vorschein kam, an der dann auch noch das gesamte Drehleiterfahrzeug en miniature hing. Düker erinnerte daran, dass es im Rat dazu bisher keine Mehrheit gegeben hatte, Leisenberg aber immer wieder insistiert habe, angesichts der veränderten Gefahrenlagen in Burgwedel sei so ein Drehleiterfahrzeug notwendig. Der scheidende Stadtbrandmeister nahm es mit Humor. Es war eins der wenigen Vorhaben, die er in seiner Amtszeit nicht zum Abschluss bringen konnte. Damit war der offizielle Teil der Veranstaltung beendet.
Eine halbe Stunde später ließen es sich die aktiven Kameraden aus allen Ortswehren nicht nehmen, sich selbst von ihrem langjährigen Stadtbrandmeister zu verabschieden. Unter den Klängen des Feuerwehrmusikzuges Großburgwedel marschierten sie zum Amtshof und nahmen Aufstellung.
Unter der Leitung von Piet Sikkema spielten die Musiker einige Märsche und Ingo Motl übergab Geschenke an den scheidenden Ortsbrandmeister. Zunächst überreichte er ein Gemälde, gemalt von der Großburgwedeler Künstlerin Heidi Grotwinkel. Vor einem anscheinend brennendem Hintergrund sind die Feuerwehrhäuser in der Ortschaften dargestellt und der Feuerwehrmann Leisenberg mit koordinierender Geste. Dann gab es noch hochgeistige Getränke für den Privatmann Leisenberg, die er genießen solle, wenn er seiner Leidenschaft der Jagd fröne, wie Motel es ausdrückte. Zum Abschluss ein denkwürdiger Moment: Friedhelm Leisenberg kommandierte letztmalig seine aktiven Kameraden: „Ortsbrandmeister und Stellvertreter nach vorn heraustreten. Aktive wegtreten“, hallte seine Stimme über den Platz vor dem Amtshof.