„Burgwedeler sehen durch hören“

Meinolf Helling (l.) und Margrit Timmann (5. v. l.) haben einige Themen ausgewählt, die für die Runde um Franz Wagenhäuser (r.) interessant sein könnten. Alexander Hoppe (4. v. l.) ist auch im Blindenverein Hannover engagiert und kennt sich mit der Generierung von Fördermitteln aus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Vorlesegruppe in der Begegnungsstätte freut sich über weitere Zuhörer

GROSSBURGWEDEL (bgp). In Burgwedel gibt es eine Gruppe für Menschen, die wegen einer Sehschädigung Probleme haben, selbst eine Zeitung zu lesen.
Manche von ihnen können dieses nur sehr eingeschränkt bewältigen, andere hingegen können die Schrift überhaupt nicht erkennen. Während internationale und überregionale Nachrichten aus Deutschland über das Radio oder Fernsehen gehört werden können, trifft das für die Lokalnachrichten nicht zu.
Die von Dr. Franz Wagenhäuser vor drei Jahren ins Leben gerufene Initiative „Burgwedeler sehen durch hören“ schafft Abhilfe. Zweimal im Monat lesen Ehrenamtliche im Wechsel aktuelle Themen aus dem Lokalteil der Tageszeitung und den Burgwedeler Nachrichten vor. Die Beiträge werden hinterher besprochen, die Teilnehmer tauschen sich gerne über die Themen aus.
Mitte November war es wieder soweit: Die Gruppe um Wagenhäuser macht es sich auf den Stühlen im gemütlichen Gruppenraum der Seniorenbegegnungsstätte bequem, eine Tasse dampfenden Kaffees und knusprige Kekse vor der Nase. Meinolf Helling, der gerne Themen aus Wirtschaft, Politik oder Jagd aussucht, erläutert kurz seine Beweggründe für die Auswahl des anstehenden Textes und beginnt mit einem Beitrag aus der Tageszeitung über eine Veranstaltung der Stadt Burgwedel zur Würdigung lokal aktiver Ehrenamtlicher, die sich um die Integration von Migranten kümmern.
Es folgt eine kurze Diskussion auf den Beitrag und die siebenköpfige Gruppe hört einen Bericht über den Großburgwedeler Laternenumzug ohne Polizeibegleitung, bei dem ein PKW-Fahrer einen Mann verletzte und Fahrerflucht beging. Entrüstung macht sich unter den Zuhörern breit und sie lauschen aufmerksam, als Vorleserin Margrit Timmann sich einen Bericht vornimmt, der unmittelbar an das Thema anknüpft und deutlich macht, dass die Polizei aus personellen Gründen nur noch sehr eingeschränkt Veranstaltungen wie Schützen- oder Laternenumzüge begleiten kann.
Es gebe jedoch private Dienstleister, die ehrenamtlich gegen eine Aufwandsentschädigung solche Veranstaltungen absichern könnten, so der Bericht. Das Thema wird länger kritisch besprochen, bis sich die Teilnehmer entschließen, zum nächsten Punkt überzugehen.
Es folgt ein kurzer Bericht über Einbrüche im Nachbarort Kleinburgwedel. Helling hatte den Beitrag im Vorfeld ausgewählt, um im Zuge der dunklen Monate und steigender Einbruchszahlen auch auf bevorzugte Tatzeiten aufmerksam zu machen. „Es ist doch auffällig, dass die Taten am späten Nachmittag, sobald es dunkel wird, oder am frühen Abend begangen werden“, hält Helling fest. Die Gruppe ist dankbar für den Hinweis und nimmt sich vor, achtsam zu sein.
Am Ende der Vorleserunde stehen die aktuellen Termine an. Die Ehrenamtlichen machen auf Veranstaltungen und Aktivitäten aufmerksam, die in naher Zukunft vor Ort anstehen. Außerdem werfen sie einen Blick nach Isernhagen oder in die Wedemark, denn auch dort gibt es immer wieder mal Themen oder Termine, die für die Runde interessant sein könnten. „Wir haben noch Platz für mehr Zuhörer“, betonen die Gruppenmitglieder einig.
Sie würden sich sehr freuen, wenn weitere Sehgeschädigte zum Zuhören in ihrer Runde säßen. Die Vorlesegruppe „Burgwedeler sehen durch hören“ trifft sich zweimal im Monat jeweils am 1. und 3. Donnerstag in der Seniorenbegegnungsstätte Großburgwedel. Weitere Informationen sind im Büro der Seniorenbegegnungsstätte, Gartenstraße 10, Großburgwedel, unter Tel. 05139-894169 erhältlich.