Burgwedel mit anderen Augen sehen

Die Fotos wurden eingehend begutachtet, bevor die Auswahl für den IKM-Kalender getroffen war (v. l.): Kanaan Ajaj Talab, Rolf Fortmüller, Michael Plümer, Regina Gresbrand, Caroline Hahn und Jürgen Veth. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Jury wählt Fotografien von Flüchtlingen für den IKM-Kalender „Der andere Blicke“ aus

GROSSBURGWEDEL (bgp). Sauber gestutzte Büsche und Hecken vor einem Mehrfamilienhaus oder der einfahrende Zug auf dem Bahnhof sind Ansichten von Burgwedel, die dem einheimischen Betrachter nicht sofort ins Auge fallen.
Für die Geflüchteten, welche am Fotoprojekt „Der andere Blick“ teilnahmen, waren gerade diese Motive besonders charakteristisch. Sie streiften im vergangenen Jahr mit Kameras und einem Handy ausgestattet durch Burgwedel, um ihre Sicht auf die neue Heimat in Fotos festzuhalten.
Professionell unterstützt wurden sie dabei von Fotograf Michael Plümer, der die Teilnehmenden zwar anleitete, sie jedoch nicht mit einem „Korsett“ von Vorgaben einengte. Das Resultat des engagierten Projektes wurde im Herbst 2016 in einer vierwöchigen Fotoausstellung im Foyer der Sparkasse präsentiert. Die Resonanz sei laut Petra Kunkel von der Regionaldirektion Nord der Sparkasse überwältigend gewesen.
Das bestätigte auch Sparkassen Mitarbeiterin Caroline Hahn, die beobachtet hatte, wie häufig Kunden über die Fotos ins Gespräch gekommen seien. „Jeden Tag kamen Menschenmengen, ganze Schulklassen haben die Ausstellung besucht“, berichtete sie erfreut. Was lag da näher, als eine Auswahl der Fotos in einem Kalender zu präsentieren?
Die Sparkasse und die General-Wöhler-Stiftung leisteten einen Beitrag zur finanziellen Unterstützung ebenso wie der Burgwedeler Landmarktverein, welcher mit einer Spendenaktion hundertfünfzig Euro gesammelt und an die Initiative Interkulturelles Miteinander (IKM) übergeben hatte.
Nach der gesicherten Finanzierung stand noch die Auswahl der Motive an. Die Sparkasse hatte dazu eine Jury eingeladen, welche die Fotos für den Kalender aussuchte. Wie sich herausstellte, war dieses ein sehr schweres Unterfangen, denn jedes Motiv hatte seinen Reiz. Der Fahnenmast mit Deutschland-Flagge hinter einem maroden Jägerzaun oder mümmelnde Ziegen waren Favoriten, welche in die engere Auswahl kamen.
Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller, Regina Gresbrand vom IKM, Fotograf Michael Plümer, Jürgen Veth von der General-Wöhler-Stiftung sowie Vertreter der Presse berieten sich rund zwei Stunden, bis die endgültige Auswahl feststand. Mit von der Partie war auch Kanaan Ajaj Talab vom IKM. Talab hatte in seiner Heimatstadt Mossul eine Mädchenschule gegründet und musste vor dem Terror des IS fliehen, da die Schulausbildung von Mädchen nicht geduldet wurde. In Burgwedel habe er viel Unterstützung gefunden, sagte Talab und dankte für das große Interesse an den Geflüchteten.