Bundestagsabgeordnete referierte zum „Ökumenischen Aschermittwoch“ in Großburgwedel

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Maria Flachsbarth schilderte in der St. Paulus-Gemeinde Großburgwedel eindrücklich die schwierige Gratwanderung, christliche Wertvorstellungen und politisches Handeln sinnvoll zu vereinbaren. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
Burgwedel: Kath. St. Paulus-Kirche |

Dr. Maria Flachsbarth: „Die Kooperation zwischen Staat und Kirche ist gut“ - Ein Beitrag von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL (bgp). „Christ sein und politisch aktiv sein, das ist kein Gegensatz“ formulierte Dr. Maria Flachsbarth im Juli 2014 einmal ihren Standpunkt in einem Interview. Ihr Vortrag „Werte kommen nicht vom Staat“ im Rahmen des „Ökumenischen Aschermittwoch“ der Katholischen Pfarrgemeinde St. Paulus Großburgwedel gewährte rund 140 Teilnehmern einen Einblick in die bisweilen schwierige Gratwanderung, politische Entscheidungen mit einer christlichen Werteordnung zu vereinbaren.
Die vielfach kritisierte Verwobenheit des Deutschen Staates mit der Kirche zeige sich positiv in Einrichtungen wie der Diakonie oder der Caritas, Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen, die einen wichtigen Beitrag zum Allgemeinwohl leisteten und denen somit eine starke gesellschaftliche Bedeutung zukäme.
Diese Einrichtungen stünden, ebenso wie die entsprechenden staatlichen, allen Menschen offen, ganz gleich welcher Glaubensrichtung oder Herkunft sie seien. Diese Offenheit bilde das Fundament des in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verankerten Grundrechtes der Glaubensfreiheit. Daher kämen Terrorakte, die im Namen einer Religion gegen Andersgläubige begangen werden, einer Bedrohung eben dieser Glaubensfreiheit gleich.
Dennoch könne die Glaubensfreiheit nicht in jedem Fall über dem demokratischen Prinzip der Rechtsstaatlichkeit stehen. Dieses werde vor allem dann deutlich, wenn Einzelschicksale, wie in der Diskussion um die Abschiebung von Flüchtlingen und Kirchenasyl, im Raum stünden.
Es sei beispielsweise schwer, Flüchtlinge, die sich bereits integriert hätten und Familien gegründet hätten, in ihr Heimatland abzuschieben mit der Begründung, ihr Aufenthalt sei in erster Linie wirtschaftlich motiviert. Aus Sicht der Menschlichkeit sei dieses inakzeptabel, nach dem Asylrecht jedoch völlig legal, wenn nicht nachgewiesen werden könne, dass eine akute Bedrohung im Heimatland vorläge.
Ein weiteres Beispiel sei eine Entscheidung im Parlament zur vorgeburtlichen Diagnostik von Erbkrankheiten (Präimplantationsdiagnostik). Obwohl sie selbst auf Grund ihrer christlichen Wertvorstellungen dagegen sei, habe sie sich der politischen Mehrheit gebeugt und sich dazu durchgerungen, dem Antrag zuzustimmen. Mit diesem und anderen Fallbeispielen beschrieb Flachsbart eindrücklich, dass demokratische Entscheidungen Kompromisse erforderlich machen, die manchmal gegen die eigene Überzeugung verstoßen.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge gegen verschiedene Glaubensrichtungen warb die Abgeordnete vor allem für religiöse Toleranz und begrüßte den Aufbau eines Bildungsnetzes mit Hochschulen für Islamwissenschaften oder jüdische Theologie zur Förderung des Dialogs auf gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene. „Wer sich seiner eigenen Identität sicher ist, kann andere Religionen besser zulassen“ formulierte sie den Auftrag dieser Einrichtungen.
Toleranz und Engagement werden in Zukunft vermehrt vonnöten sein, gab Flachsbarth weiter zu bedenken. Angesichts der Kriegshandlungen in den Krisenregionen der Welt werden vermehrt Flüchtlinge nach Deutschland strömen, derer die Regierung allein nicht mehr Herr werden könne. Schon jetzt fuße die Flüchtlingspolitik auf einem breiten Fundament von ehrenamtlich engagierten Menschen, Vereinen oder Institutionen, die unabhängig und schnell Hilfe leisteten. Es sei wichtig, ganz konkret die Lebenssituation der Menschen zu verbessern und daran mitzuwirken, die Gegenwart gerechter und friedlicher zu machen. Seien sie christlich oder weltlich orientiert: die Regierung wird diese Menschen brauchen und aus ihren Werten sinnvolles politisches Handeln ableiten müssen.