Bürger sollen die Zukunft ihrer Stadt mit gestalten

Prof. Christian Schonhoff erläuterte die Defizite und die Potentiale des Zentrums Großburgwedels. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Einzig der Domfront-Platz verfüge laut Schonhoff über urbane Gestaltungselemente. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Stadtplaner zeigte Defizite und Potentiale des Zentrums auf

GROSSBURGWEDEL (hhs). Die Innenstadt von Großburgwedel mit der Von-Alten-Straße und den angrenzenden Bereichen Alter Markt, Dr.-Albert-David-Straße und Von-Alten-Karree erfreuen sich nach wie vor eines großen Zuspruchs bei den Burgwedelern und auch bei den Besuchern.
Die Ansprüche der Bevölkerung an öffentliche Flächen unterliegen jedoch einem fortlaufenden Wandel. Ehemals als attraktiv empfundene Straßen können sich zu Problemzonen entwickeln, deren Reaktivierung sich mitunter als sehr schwierig darstellt. Um diesem Problem vorzubeugen und bereits frühzeitig Entscheidungen für eine zukunftsfähige Gestaltung der Innenstadt treffen zu können, hat die Stadt Burgwedel das Büro nsp-landschaftsarchitekten-stadtplaner, vertreten durch Professor Christoph Schonhoff, beauftragt, ein Gestaltungskonzept für den Innenstadtbereich von Großburgwedel zu erstellen.
Es ist hierbei jedoch nicht an eine komplette Neugestaltung gedacht. Vielmehr soll durch Einzelmaßnahmen der Raum aufgewertet werden. Die Umsetzung eines derartigen Konzeptes kann nicht allein durch Maßnahmen der Stadt Burgwedel erfolgen und ist als ein Prozess zu verstehen, der ähnlich eines Masterplanes in den nächsten zehn bis 15 Jahren schrittweise abgearbeitet werden soll. Zur Schaffung einer breiten Akzeptanz sollten die Betroffenen (IGK, Eigentümer u. a.) frühzeitig in die Planung eingebunden, hatte es ein Beschluss des Stadtrats formuliert.
Im ersten Schritt hat der beauftragte Architekt nun in der gemeinsamen Sitzung vom Ausschuss für Gebäude, Umwelt und Städtebau und dem Ortsrat Großburgwedel am Dienstag dieser Woche unter Beteiligung der IGK, der Eigentümer und der Gewerbetreibenden seine ersten Ideenskizzen vorgestellt. Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt begrüßte die politischen Vertreter, den Stadtplaner und die Vertreter von IGK und Anliegern. Er glaube, dass in Großburgwedel eigentlich alles gut sei, aber es gebe auch Schwachpunkte. Von der Veranstaltung erwarte er kein fertiges Konzept, aber eine Bestandsaufnahme und Ideen zur Verbesserung. „Wir wollen schauen, was im Augenblick machbar ist“, endete Hoppenstedt.
Prof. Christian Schonhoff erläuterte sein Vorgehen: Er wolle berichten, was sein Team in Großburgwedel gesehen habe, die Defizite aufzeigen und im letzten Schritt die Potentiale benennen. Die Ankommenssituation für Fremde erweise sich als orientierungslos. Ein Gang vom Parkplatz Dr. Albert-David-Straße zum Alten Markt zeige eine tolle räumliche Situation, die aber bearbeitet werden müsse. Gleiches gelte auch für die Von-Alten-Straße. Der Domfront Platz vermittele ein Gefühl von Urbanität, die Zugangssituation zum Rathaus sei nicht optimal. „Das Rathaus muss ein Teil der Innenstadt sein“, so Schonhoff. Insbesondere seien er und sein Team von den Gassen positiv beeindruckt, die vom Parkplatz zum Alten Markt, zur Von-Alten Straße und zum Domfront-Platz führen. Er bezeichnete den roten Klinker als Großburgwedeler Gestaltungsmerkmal, kritisierte aber, dass es in der Innenstadt etwa 15 unterschiedliche Materialien bei den Bodenbelägen gebe. Auch das „Mobiliar“, Fahrradständer, Papierkörbe, Pflanzenbeete, Baumeinfassungen, müsse überdacht werden. „Weniger wäre hier mehr gewesen“, so Schonhoffs Fazit.
Der Alte Markt müsse wach geküsst werden und hier solle man unbedingt über die Bäume nachdenken, formulierte er mit gebotener Vorsicht. Gleiches gelte für die Von-Alten-Straße. Hier müssten vor allem die Beläge und Übergänge bearbeitet werden. Zunächst müsse man aufräumen, danach die Qualitäten stärken. Ein Konzept für die Zukunft müsse die Verbindung der Strukturelemente Alter Markt, Amtshof, Dr. Albert David-Straße, Domfrontplatz, Rathaus und Von-Alten-Straße beinhalten. Als wichtigstes Potential Burgwedels bezeichnete er die Umgebung. Von hier aus über den Grünen Ring sollten Radwege in die Innenstadt geführt werden.
In der anschließenden Diskussion sagte Martin Vietmeyer von der IGK, sechs Monate im Jahr herrsche in der Von-Alten-Straße Betrieb, die übrigen sechs Monate Starre. „Wie kann man hier auch bei schlechtem Wetter verweilen“, fragte er. Das Entre zur Innenstadt beginne für ihn nicht beim Alten Markt, sondern an der Dammstraße. Karlheinz Schridde, IGK, kritisierte, ihm fehlten Aussagen darüber, wie die Innenstadt funktioniere. Schonhoff sei in seinem Bericht, insbesondere bei der Von-Alten-Straße, ausschließlich gestalterisch vorgegangen. Der Stadtplaner war über diese Kritik etwas erstaunt. Eine Straße wie die Von-Alten-Straße müsse ein Raum für alle Generationen sein. „Das Neben- und Miteinander muss hier funktionieren“, erklärte er den Anliegern und Geschäftsleuten. „Das Neben- und Miteinander wird durch die Gestaltung unterstützt“.
Auf dieser Sitzung aufbauend haben die Bürgerinnen und Bürger sowie die Interessengruppen nun die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen zu entwickeln und in einem Workshop am 13. Juni um 18.00 Uhr im Amtshof mit dem Architekten zu diskutieren. Die Anregungen können bereits im Vorfeld bei Umweltkoordinator Malte Schubert, Stadt Burgwedel, eingereicht werden.