Bücherflohmarkt lockt mit vielen „Nackenbeißern“

Als die Bücherei am Donnerstag öffnete, war das Interesse der Burgwedeler am Bücherflohmarkt groß. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Jutta Busch, die Leiterin der Bücherei in Großburgwedel, kann bei diesem Flohmarkt drei Kisten voller „Nackenbeißer“ bieten. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Erlös des Flohmarkt kommt Neuanschaffungen zugute

GROSSBURGWEDEL (hhs). In der Bücherei in Großburgwedel ist derzeit wieder Bücherflohmarkt. Keine leichte Aufgabe für die Leiterin der Bücherei, Jutta Busch, und ihre Kolleginnen. Ein paar tausend Bücher, hauptsächlich Spenden, stehen in großen Pappkartons verpackt in den Nebenräumen und müssen dann von den Damen in den gläsernen Vorbau gebracht und auf den langen Tischen dort präsentiert werden.
Sogar einige kleine Regale füllt das Sammelsurium, einiges an Literatur bleibt aber in den Kartons und wird einfach so unter den Tisch gestellt. Anderes kommt vor die Eingangstür als Eye-Catcher, aber nur bei schönem Wetter, versteht sich. „So etwa 4.000 bis 5.000 Bücher werden wir wohl heute Morgen bewegt haben“, sagt Jutta Busch im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. „Es können aber auch ein paar Hundert mehr sein“.
Der Bücherflohmarkt beginnt immer an einem Donnerstag, weil sich dieser Wochentag natürlich ganz besonders dazu eignet: Es ist Markt in der Von-Alten-Straße, und dann kommen auch die Burgwedeler aus den anderen Ortsteilen scharenweise zum Einkaufen, und natürlich auch in die Bücherei. Bücherfreunde wissen es: Hier findet man schnell ein lange gesuchtes Buch, mit etwas Glück, für kleines Geld obendrein. Manche Bücher verschenken die Mitarbeiterinnen der Bücherei, vieles gibt es für einen Euro, dann geht es aufwärts mit den Preisen.
Nur antiquarische Bücher liegen über zehn Euro. Und manchmal findet sich Seltenes: Vorläufer des „Guiness Buchs der Rekorde“ aus den frühen Fünfzigern, frühe Zeitschriften der Stiftung Warentest, uralte Kochbücher, Gartenliteratur, Anthologien. Freunde von groß dimensionierten Bildbänden sollten unbedingt zum Bücherflohmarkt kommen, hier findet sich Wunderschönes zu vielen verschiedenen Themen.
Diesmal gebe es deutliche Lücken bei den Kinder- und Jugendbüchern, sagt Jutta Busch. Es sei auffällig, dass zu diesem Bereich nur sehr wenig Bücher gespendet worden sind. Aber es gebe eine Menge an Romanen, insbesondere an Kriminalromanen. Sie und ihre Mitarbeiterinnen haben sich bemüht, diese gleich nach den Autorinnen und Autoren zu sortieren. „Das ist eigentlich von jedem bekannten Krimischreiber etwas dabei“, freut sich die Büchereileiterin. „Manchmal ist es uns sogar gelungen, beinahe vollständige Gesamtausgaben zusammenzustellen“.
Und einen ganz besonderen, heute sehr seltenen und beinahe in Vergessenheit geratenen Schwerpunkt könne sie auch bieten: „Nackenbeißer haben wir diesmal massenweise“, sagt sie. „Drei Kisten haben wir bekommen, und die stehen dort unten unter dem Tisch, gewissermaßen als Geheimtipp“, flachst sie.
Der Griff in die Kartons unter dem Tisch zeigt, was Jutta Busch dort unten deponiert hat: Es handelt sich um diese „berüchtigten“ Machwerke aus den fünfziger und sechziger Jahren, die den Begriff Trivialliteratur geprägt haben und immer nach dem gleichen Schema ablaufen: Hübsches junges Mädchen verliebt sich älteren Mann mit graumelierten Schläfen. Nach einigen Verwicklungen ist die hübsche Maid dann am Ziel ihrer Wünsche. Neben dem trivialen Inhalt eint diese Romane noch ihr Einband. Auf dem Buchdeckel ist häufig ein Motiv zu bestaunen: Der Herr in den besten Jahren steht hinter der jungen Frau und will sie auf die bloße Schulter küssen, daher die Bezeichnung „Nackenbeißer“. Allerdings ist nicht immer eindeutig, ober er ihr nicht doch von hinten ins Dekolleté schaut ...