Blumen für die Lebensberatungsstelle

Große Freude bei der Scheckübergabe (v.l.): Dr. Renate Vogelgesang, mit Joachim Wegener, Vorsitzender der Bürgerstiftung Isernhagen, und Hans-Jürgen Herrmann. (Foto: Renate Tiffe)
 
Rosen für die Lebensberater (v.l.): Sigrid Fahrenbach, Reinhard Becker, Beate Menius, Volker Berz, Anne-Katrin Thieme, Gabriele Steinberg, Ingun Kiklas-Volkmann und Hans-Jürgen Herrmann. (Foto: Renate Tiffe)

Feier mit vielen Gästen aus Anlass des 40-jährigen Bestehens

ISERNHAGEN/BURGWEDEL/WEDEMARK (ti). 40 Jahre sind eine lange Zeit für eine soziale Einrichtung, die sich finanziell weitgehend aus den freiwilligen Leistungen dreier Kommunen und von Spenden speist.
Die Lebensberatungsstelle für Isernhagen, Burgwedel und die Wedemark hatte also allen Grund, ihre runde Jahreszahl gebührend zu feiern. Sie tat dies in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Politik und Verwaltung, von befreundeten Institutionen und Fachleuten.
Anfang der 1970er Jahre hatte sich im Bereich Isernhagen/Altwarmbüchen eine Bürgerinitiative für die Errichtung einer Lebensberatungsstelle eingesetzt. Sie nahm am 1. Oktober 1976 ihre Arbeit auf indem sie ihren Einzugsbereich auf Burgwedel und die Wedemark ausdehnte. Zunächst auf dem Haghof ansässig, wechselte die Beratungsstelle im Jahr 2004 an ihren derzeitigen Hauptsitz, Am Lohner Feld in Isernhagen FB. Außenstellen werden in Großburgwedel und Mellendorf unterhalten.
Von Beginn an wurde die „integrierte Lebensberatung“ angestrebt, die keine Problembereiche oder Klientengruppen ausgrenzte. Wurden zunächst nur erwachsene Personen in Einzelgesprächen beraten, so weitete sich das therapeutische Vorgehen Mitte der 80er Jahre auf Familien und Paare aus. Als weiterer Arbeitsbereich kam die Schwangerschaftskonfliktberatung hinzu. Die Einzel- Paar- und Familienberatung steht heute noch an erster Stelle bei den Arbeitsschwerpunkten, dicht gefolgt von der Erziehungsberatung und der Beratung für Kinder und Jugendliche, für die die Isernhagener Einrichtung Anfang dieses Jahres offiziell den Auftrag der Region Hannover erhielt.
Die stark gestiegene Beratungsnachfrage spiegelt sich in den Zahlen von 1977 und 2015 wider. Gab es anfangs 224 Anfragen, so waren es im vergangenen Jahr 734. Früh gehörte auch die Bildung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen zu den selbstgestellten Aufgaben.
Zur Feier im Bissendorfer Bürgerhaus gab es viele Blumen im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Die ersten Rosen verteilte die Vorsitzende des Trägervereins, Dr. Renate Vogelgesang, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensberatungsstelle. Lobend hob Regionsrat Erwin Jordan deren Arbeit in seinem Grußwort hervor. Mit ihrer Verantwortung, die sie im öffentlichem Raum übernommen habe und der Vielfältigkeit der Aufgaben, stehe die Lebensberatungsstelle mitten im Leben. Bei ihr seien die aufgewendeten Steuergelder in guten Händen. Jordan betonte auch die Bedeutung der freien Träger.
Nicht mit Blumen aber mit einer handfesten Überraschung wartete die Bürgerstiftung Isernhagen auf. Um ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen waren der Vorsitzende Joachim Wegener und zwei seiner Vorstandsmitglieder, Ute Schaumann und Andreas Kellner, erschienen. Übergeben wurde ein Scheck in Höhe von 10.000 Euro, der Erlös vom Golfturnier, den die Bürgerstiftung um 2.200 Euro aufgerundet hatte. „Da muss ich erst einmal tief Luft holen“, bemerkte Hans-Jürgen Herrmann, der Geschäftführer.
Zur besonderen Atmosphäre der Feier hatte das Orchester des Gymnasiums Mellendorf und der Musikschule Wedemark mit seinen schwungvollen Einlagen beigetragen. Es folgte das Referat von Kurt Brylla, Fortbildungsleiter am Winicott-Institut in Hannover, von hochgradig fachlicher Qualität, mit amüsanter Gestik vorgetragen: „Erziehung zwischen grenzenloser Liebe und liebevoller Begrenzung“.
22 Prozent der Kinder zeigten heute Auffälligkeiten in Kita und Schule, 10 Prozent gar psychische Erkrankungen, so Brylla. Die Störungsbilder haben ihren Ursprung oft in der frühen Kindheit. Bis zum 4./5. Lebensjahr findet im Gehirn eine stürmische Entwicklung statt. Von Anfang an seien beim Säugling Sinneswahrnehmungen da, die einer frühen Interaktion bedürfen, damit ein klares Bewusstsein dafür entwickelt werden kann. Etwa 15 Prozent der Eltern brauchten Hilfe bei Erziehungsfragen. „Gut, dass es Sie gibt“, so der Experte.