Bewegender Abschiedsgottesdienst in der St. Marcus-Kirche

„Mein Schirm und mein Schild“ - diese Kraft wollte Pastor Karneboge an die Kirchengemeinde weitergeben. (Foto: Renate Tiffe)
 
Gelöster war die Stimmung beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus: Pastor Karneboge freute sich riesig über die Geschenke des Kirchenvorstandes. (Foto: Renate Tiffe)

Pastor Wilfried Karneboge verlässt die Kirchengemeinde nach zehn Jahren

WETTMAR (ti). Viele bewegende Momente, auch Tränen, gab es im und nach dem Gottesdienst am Sonntag in der St. Marcus-Kirche, der aus besonderem Anlass am Nachmittag stattfand. Nach zehn Jahren verabschiedete sich Pastor Wilfried Karneboge von seiner Kirchengemeinde, um nach seiner über ein Jahr währenden schweren Erkrankung eine neue, seelsorgerische Aufgabe in Garbsen zu übernehmen.
Die Kirche war vollbesetzt, als Karneboge nach langer Zeit wieder den Altarraum betrat und einen Schirm aufspannte - das Ganze überwölbt von einem großen blauen Fallschirm mit einer Puppe in den Tragegurten. Die Schirme spielten eine große Rolle in diesem vorerst letzten Gottesdienst des außerordentlich beliebten Pastors. Sollte der eine, der blaue, die Begleitung versinnbildlichen, die Karneboge in der schweren Zeit von seinen Kollegen und Freunden gewährt worden war, so sollte der selbstaufgespannte Schirm etwas wiedergeben, von der Kraft, die im vergangenen Jahr über ihm gewaltet habe („mein Schirm und mein Schild“), und die er gern an die Kirchengemeinde weitergeben wolle, so Karneboge. Schirme seien in Mode gekommen, meinte er in der Predigt, und zog Vergleiche, mit dem riesigen Rettungsschirm, den der Apostel Paulus einst im Namen Jesu über Europa gespannt hatte, und den derzeitigen Rettungsschirmen auf der politischen Ebene, die vielen Menschen hierzulande Angst machen.
Vor der Aussegnung hob Superintendent Martin Bergau die Verdienste hervor, die Karneboge sich um die Dorfkultur im Kirchspiel Wettmar, Engensen, Thönse erworben hatte. Für den künftigen Neubau des Gemeindezentrums von St. Markus habe er sich zuerst starkgemacht. Bei der Umsetzung der Pläne werde er nun nicht mehr dabei sein. Er werde aber die Früchte dessen in Augenschein nehmen können, was in seiner Zeit begonnen wurde.
In den Abkündigungen dankte Karneboge allen, die während der Zeit seiner Krankheit an ihn gedacht und ihn durch Gebete getragen haben. Er verlasse ihm liebgewordene Menschen, nehme aber die neue Aufgabe dankbar an, sagte er. Und dann tat er etwas, was nicht üblich ist bei solchen Anlässen. Er bat jene um Vergebung, die er in seinem Amt verletzt haben könnte, und vergab denen, die ihn verletzt haben „Wir Menschen leben aus der Kraft der Vergebung“.
Nach dem Gottesdienst hatte jeder die Gelegenheit, sich vor der Kirche persönlich zu verabschieden, mit einem Händedruck oder oftmals einer Umarmung. Es schloss sich ein Empfang im Gemeindehaus an, bei dem sich nach dem Kirchenvorstand die Vereine und Gruppierungen bedankten, denen Karneboge angehört hatte. Für den ganzen Ort erinnerte Ortsbürgermeister Rainer Fredermann noch einmal an persönliche Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen.
Drei Jahre lang wird Karneboge keine Vertretung in St. Marcus übernehmen. So hat der scheidende Pastor es mit dem Kirchenvorstand abgesprochen, auch um seiner Nachfolgerin den Anfang zu erleichtern. Wie der Superintendent bereits nach der Visitation bekanntgegeben hatte, wird eine junge Pastorin das Amt übernehmen. Der Termin wird voraussichtlich der 1. September sein. Zurzeit sucht der Kirchenvorstand nach einer passenden Wohnung.
Auch die Zeit von Pastorin Borchers-Schmidt neigt ihrem Ende zu. Sie werde am kommenden Sonntag ihren letzten Gottesdienst in St. Marcus halten und dann im kleinen Kreis verabschiedet werden, teilte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Günter Hennigs mit. Die Zwischenzeit werde von Pastor Grundert überbrückt.