Beispielkommune für Demenz?

Ambulant vor stationär: Die meisten demenzerkrankten Menschen möchten möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Ein starkes lokales Netzwerk und die Sensibilisierung für das Thema könnten einen Beitrag dazu leisten. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Entwickelt sich Burgwedel mit „Demenzsensiblen Strukturen“ zur Modellstadt?

BURGWEDEL (bgp). Der demografische Wandel mit einem höheren Anteil älterer und hochbetagter Menschen zieht auch einen Anstieg der an Demenz erkrankten Personen nach sich. Die Zahl der Menschen, die als demenzkrank gelten, liegt in der Bundesrepublik Deutschland bei über 1,5 Millionen.
Auch die Stadt Burgwedel ist von dieser Entwicklung betroffen und widmet sich seit rund fünf Jahren als Kommune intensiv dem Thema. Dabei steht die Stadt in engem Dialog mit Vertretern aus den medizinisch-pflegerischen Bereichen und Betreuungseinrichtungen. Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung mit über einhundert lokalen und regionalen Akteuren im November 2016 wurden die Schwerpunkte zum Thema Demenz mit sogenannten „Themeninseln“ vorgestellt.
Die Region Hannover hat ihre Aktivitäten im Bereich Demenz stark erhöht und die Lenkungsgruppe der „Gesundheitsregion“ hat die Stadt Burgwedel als Modellstadt ausgewählt, um deren Erfahrungsschatz im Rahmen eines Projektes „demenzsensible Strukturen“ weiterzuentwickeln.
Das Projekt ist geht konform mit den Zielsetzungen der Stadt Burgwedel, die gemeinsam mit den Kooperationspartnern bestrebt ist, eine angemessene Infrastruktur für diesen Bereich zu schaffen. Der Arbeitskreis zum Thema „Demenz“ mit Bürgermeister Axel Düker, der Ersten Stadträtin Christiane Concilio und Elisabeth Geib-Kayser von der Seniorenbegegnungsstätte (SBS), könnte mit dem Aufbau des „Case- und Caremanagements“ als Beispiel für andere Kommunen dienen.
Concilio stellte das geplante Projekt in der Sitzung des Ausschusses für Demografie, Soziales und Kultur der Stadt Burgwedel vor. „Ziel ist die Entwicklung von Unterstützungs- und Begleitkulturen, die auf andere Kommunen übertragbar sind“, erläuterte sie und verwies auf einen „ganzheitlichen Ansatz“, der auch das gesellschaftliche Umfeld und die Familien mit einbinden solle. Betroffene selbst sollen individuell gefördert und in ihren noch vorhandenen Fähigkeiten gestärkt werden.
Das „Case- und Caremanagement“ würde über eine Laufzeit von 20 Monaten finanziert und regelmäßig wissenschaftlich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) evaluiert werden. Ziel ist der Ausbau der professionellen Netzwerkarbeit mit allen Akteuren in Burgwedel und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Demenz.
Axel Düker, der auch als Sprecher der Arbeitsgruppe „Ganzheitliche Versorgung in Pflege, Medizin und Betreuung am Beispiel Demenz“ der Region Hannover tätig ist, begrüßt den Projektantrag. Wenn man in die Umsetzung gehe, könne „auf lange Sicht viel Leid erspart werden“, hob er in der Ausschusssitzung hervor.
Dr. Isa Huelsz (FDP) hofft auf die Genehmigung des Antrages, da sie die Sensibilisierung für das Thema ebenfalls als dringend notwendig ansieht, damit „man früh erkennen kann, wenn Familien Probleme haben“. Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass mit einem niederschwelligen Angebot und einer Zusammenarbeit mit Menschen, „die etwas erfahren“ - wie etwa Pastoren – für die Demenzkranken erreicht werden könne, was sich die meisten wünschen: „In den eigenen vier Wänden bleiben – Ambulant vor stationär“.