Beginn eines Abenteuers: Mit dem Rad nach St. Petersburg

Treffen am Dienstag auf dem Domfront-Platz in Großburgwedel: Wolfram Anders (links) und sein Freund Carlo Mielke starteten hier ihre Langstreckentour nach St. Petersburg in Russland. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
„Den hole ich schon wieder ein“, rief Carlo Mielke beim Überqueren der Ampel. Sein Freund Wolfram hatte da knapp zwei Minuten Vorsprung. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Wolfram Anders und Carlo Mielke starteten vom Domfront-Platz

GROSSBURGWEDEL (hhs). Dienstagmorgen um 8.00 Uhr begann ein kleines Abenteuer von der Öffentlichkeit kaum bemerkt auf dem Domfrontplatz in Großburgwedel.
Zwei ältere Herren, beide 72 Jahre alt, schlank und durchtrainiert wirkend, erschienen auf dem Platz mit Fahrrädern. Auf dem Gepäckträger Fahrradtaschen, Wasserflaschen an beiden Rädern im Dosenhalter am Rahmen.
Die Räder ganz normale Tourenfahrräder mit Gangschaltung und etwas Technik dran, Tacho mit Kilometerzähler und einer Halterung für das GPS-Handy, neue Reifen aufgezogen und eine Deutschlandfahne am Gepäckträger. Die beiden Radfahrer heißen Wolfram Anders und Carlo Mielke. Sie haben gestern Morgen nur wenige Minuten später eine Radtour nach St. Petersburg in Russland begonnen.
2500 Kilometer wollen sie bis zum Ziel St. Petersburg hinter sich gebracht haben. Sie waren trotz der gewaltigen Strecke, die vor ihnen liegt, gelassen. Carlo Mielke ist Mitglied im Laufclub Burgwedel, Abteilung Radfahren, und hat im vergangenen Jahr den Highway 66 in ganzer Länge mit dem Rad bewältigt. Er habe nicht eine Panne dabei gehabt, alles sei prima gelaufen. Wolfram Anders begleitet seinen besten Freund Carlo, wenn dieser hier aufs Fahrrad steigt. Er selbst habe schon den Oder-Radweg in voller Länge geschafft.
Am Ende des Oder-Radweges im ehemaligen Stettin habe er damals vor einem Hinweisschild auf den Radweg „R 1“ gestanden. „Der führt weit über St. Petersburg angeblich bis Moskau“, sagte er. „Damals habe ich mir vorgenommen, diesen Weg einmal auszuprobieren“.
Nun begann das Abenteuer. In drei Tagen wollen die beiden die gut 500 Kilometer lange Strecke bis an die polnische Grenze schaffen. „Das sind täglich etwa 140 Kilometer“, sagt Anders. Dann führe die Strecke durch Polen auf Danzig zu. „Danzig liegt etwas abseits unserer Strecke, aber wir werden einen Abstecher dorthin machen“, kündigte Mielke an.
Von Danzig aus geht es weiter über die Frische und die Kurische Nehrung nach Litauen und Lettland. Hier wollen die beiden Langstreckenradfahrer dann die Route an der Ostsee verlassen und vom südlichen Estland aus den geraden Weg nach St. Petersburg aufnehmen.
Einige Unwägbarkeiten sind trotz aller Planung vorhanden: Bis nach Polen hinein sind die Übernachtungsquartiere gebucht. „Und wir gehen davon aus, dass die Radwege, die wir uns gesucht haben, auch relativ gut befahrbar sind“, sagte Wolfram Anders.
Für den Rest der Strecke in Russland gebe es allerdings keine verlässlichen Informationen. Dennoch sind die beiden fest davon überzeugt, dass sie dort jeden Tag um die hundert Kilometer schaffen werden. Einige freie Tage wollen sie sich auch gönnen, wenn das Wetter schlecht ist oder neue Quartiere gebucht werden müssen ...
Dann war genug geredet. Die beiden Männer gaben ihren Liebsten noch einen Abschiedskuss. „Wir melden uns dann immer von unterwegs“, rief Wolfram Anders und strampelte los, während seine Frau das weiße Taschentuch zum Abschiedswinken hervorholte. Über die Ampel schlug er den Weg nach Thönse ein, während sein Freund Carlo die Grünphase verpasst hatte. Als der dann auch auf der anderen Seite angekommen war, schmunzelte er. „Den hole ich schon wieder ein“, rief er den Beobachtern zu.