Außergewöhnliches Adventskonzert mit der St. Petri-Kantorei

Es waren gut 300 Besucher zum Adventskonzert in St. Petri zu kommen, um ihrer Kantorei, der Sopranistin Annegret Schönbeck und dem Johann-Rosenmüller-Ensemble lauschen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Rosenmüller-Ensemble schuf historisch authentische Klänge

GROSSBURGWEDEL (hhs). „Nun komm, der Heiden Heiland“, war das Konzert der Sopranistin Annegret Schönbeck in Kooperation mit der St. Petri Kantorei und dem Rosenmüller Ensemble überschrieben und es versprach adventliche und weihnachtliche Musik des 17. Jahrhunderts.
„Nun komm. Der Heiden Heiland“, das ist der Titel des wohl wichtigsten Adventsliedes Luthers. Es galt jahrhundertelang als Hauptlied und wurde insbesondere im Barock unzählige Male musikalisch bearbeitet für Orgel, Chor und andere Besetzungen. Allein im Werksverzeichnis von Johann Sebastian Bach finden sich fünf Bearbeitungen. Martin Luther folgte in seinem Lied eng einer Reimübertragung des Hymnus des Ambrosius aus dem vierten Jahrhundert. Fünf der ehemals acht Strophen Luthers finden sich, inzwischen sprachlich überarbeitet, heute noch im evangelischen Kirchengesangbuch.
Es ist für den modernen Menschen nicht einfach, dieses Lied zu verstehen. Die Sprachbilder Luthers sind uns weitgehend unbekannt, seine Sprache ist „deftig“ und damit in ihrer Entstehungszeit deutlich. Wir verstehen die Metaphern Luthers nicht beim ersten Lesen, weil er damit einen Rückschritt zum vierten Jahrhundert vollzog, einen Bogen zurück zu der Zeit des frühen Christentums. Warum tat er das? Weil er nicht nur Reformator, sondern - gewissermaßen - auch Lobbyist in eigener Sache und damit ein politisch denkender Mensch war. Luther beobachtete sehr kritisch auch die anderen reformatorischen Strömungen seiner Zeit und wollte mit diesem Lied, musikalisch gesprochen, einen ganz Kontrapunkt setzen gegen alles Schwärmertum, das damals gerade Konjunktur hatte.
Für Luther bedeutete Kirchenmusik immer auch Vorfreude auf das, was kommen wird. Sie ist Ausdruck dieser Freude. Das Konzert hatte seinen Schwerpunkt bei den Werken von Michael Prätorius, einem deutschen Komponisten, Organisten und Hofkapellmeister, der in der Übergangszeit von Renaissance zu Barock lebte und unter anderen im Dienst des Fürstenhauses Braunschweig-Wolfenbüttel stand. Prätorius hatte 1605 in einem umfassenden Sammelwerk mit 1244 eigenen Liedbearbeitungen das musikalische Erbe der Reformation in seine Zeit tradiert. Besondere Bekanntheit hat sein vierstimmiger Satz des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“ erlangt.
Kreiskantor Christian Conradi hatte sich eingedenk dieses Schwerpunktes dazu entschlossen, neun Musikerinnen und Musiker des Johann-Rosenmüller-Ensembles dazu einzuladen. Dieses Ensemble ist in St. Petri keinesfalls unbekannt. Die Damen und Herren mit ihren historischen Instrumenten waren schon mehrmals zu Konzerten in Burgwedels Hauptkirche. Man hätte sich auch für andere Ensembles entscheiden können, aber die Musiker, die sich unter dem Namen Rosenmüller zusammenfanden, haben ihren Arbeitsschwerpunkt auf der authentischen Interpretation unbekannter Musik des 17. und 18. Jahrhunderts auf Kopien von Originalinstrumenten aus dieser Zeit. So wurde dieses Konzert zu einem ganz besonderen Erlebnis. Am Ende gab es tosenden Beifall von den gut 300 Besuchern. Sie hatten wieder einen ganz besonderen Musikabend in St. Petri erlebt.