Auch in Burgwedel wird der Wohnraum für Flüchtlinge knapp

Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker und Christian Möhring, für die Finanzen in der Stadt zuständig, erläuterten das „Sorglos-Paket“ der Stadt Burgwedel. (Foto: Renate Tiffe)

Bürgermeister Düker ruft Bürger zu mehr Entgegenkommen auf

GROSSBURGWEDEL (ti). 120 Flüchtlinge hat die Stadt Burgwedel in der letzten Zeit aufgenommen. Nach den Kontingenten, die jeder Kommune in der Region zugeteilt werden, ist in den nächsten Tagen und Wochen mit der Aufnahme von 36 weiteren Personen zu rechnen. Bisher habe es geklappt, dass wir jedem gerecht werden konnten, sagt Bürgermeister Axel Düker. „Jetzt kommen wir aber an die Grenzen unserer Kapazitäten. Das Thema brennt uns auf den Nägeln“.
Noch ließe sich die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden organisieren. In Burgwedel geschehe dies dezentral auf die Ortschaften verteilt in kleinen Sammelunterkünften, in Häusern und Zimmern. Das Bestreben sei, die Menschen hier zu integrieren. Das ist offenbar ein anderer Anspruch, als bei der Flüchtlingswelle vor zwanzig Jahren als es vor allem um die Unterbringung ging.
Düker ruft die Bürger auf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, auch zeitlich begrenzt. Ohnehin ist der Anteil von bezahlbarem Mietwohnraum in Burgwedel knapp bemessen. Ein zurzeit nicht bewohntes Haus an die Stadt zu vermieten sei ein doppelter Gewinn, so der Bürgermeister. Es bringe nicht nur Mieteinnahmen, sondern sei zugleich eine humanitäre Tat. Christian Möhring, für die Finanzen in der Stadt zuständig, ergänzt: Die Stadt biete eine Art Sorglos-Paket. Neben der Mietzahlung komme sie auch für die Renovierung und evtl. Schäden auf. „Wir nehmen alles, bevorzugt aber Wohnraum in zentraler Lage, wegen der kurzen Wege zum Arzt, zu Kitas und Schulen“.
Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker schildert, wie die Aufnahme konkret vor sich geht. Etwa sieben bis zehn Tage vorher komme die Meldung von der Region. „Dann wissen wir aber nicht, ob es sich um eine Familienzusammenführung handelt oder um Selbsteinreiser“. Es sei schwierig, da etwas zu organisieren. Die sechsköpfig syrische Familie, die am Mittwoch in das Haus in Wettmar eingezogen ist, sei durch Verwandte angekündigt worden. Der Familienverband von 32 Personen sei schon länger in Burgwedel ansässig.
Bei der ersten Flüchtlingswelle sind in den Ortsteilen mehrere Asylbewohnerheime entstanden, die in der Zwischenzeit aber anderweitig genutzt werden. Nur in Wettmar und in Fuhrberg stehen diese Häuser noch zur Verfügung. Sie werden meist von alleinstehenden jungen Männern bewohnt. An die Anschaffung von Wohncontainern, die anderenorts schon als Ausweg angesehen werden, denken die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung nicht gern. „Wir wollen möglichst eine Ghettobildung vermeiden“, sagt Möhring. Außerdem seien solche Container mittlerweile schwer zu beschaffen und werden immer teurer.
Für die Betreuung der Asylsuchenden ist in Burgwedel Otto Krull als Sozialarbeiter tätig. Ab September soll eine zweite Kraft hinzukommen. Es gebe in Burgwedel schon ein breites Netzwerk von ehrenamtlich Engagierten, die sich um die Ankommenden kümmerten, lobt Axel Düker. Ohne sie ginge es nicht. Das sei nicht überall so. Ehemalige Flüchtlinge, die schon lange hier wohnen, helfen beim Dolmetschen aus. Am leichtesten ginge das Einleben und das Lernen der Sprache in der Schule, so der Vater zweier Kinder. „Wir bringen denen schon Deutsch bei“, habe sein Sohn unlängst versichert.