Artgerecht soll das Essen sein

Großes Interesses an der Veranstaltung mit Dr. Riedl. Aus diesem Grund plant die Bücherei Großburgwedel eine weitere Auflage im Frühjahr 2018. (Foto: Renate Tiffe)
 
Das Wort Kalorien fand kaum Erwähnung in Riedels Vortrag. (Foto: Renate Tiffe)

Ernährungs-Doc Matthias Riedl zu Gast im Amtshof

GROSSBURGWEDEL (ti). Artgerechte Ernährung? Der Begriff hatte bislang seine Bedeutung in der Haltung von Nutztieren. Dem Gerücht nach sollen diejenigen, die mit ihnen umgehen, weitaus besser über deren Nährstoffbedarf Bescheid wissen als über den in der eigenen Ernährung.
Der Ernährungsexperte Dr. Matthias Riedl, bekannt aus Kochbuchveröffentlichungen und mehreren Fernsehstaffeln, bestand auf diesem Begriff. Auf Einladung der Bücherei Großburgwedel sprach er im bis auf den letzten Platz besetzten Saal im Burgwedeler Amtshof.
Nun also artgerecht. Riedl, Diabetologe, Internist und Ernährungsmediziner seit 20 Jahren, ging davon aus, dass der Mensch dem Tier gleich sei und sich noch vor seiner Zeit als Jäger und Sammler ausschließlich von Pflanzen ernährt hatte. Sehr viele der bei uns vorkommenden Krankheiten beruhen auf einer falschen Ernährung. Vergleiche mit den Essgewohnheiten in anderen Ländern lassen darauf schließen, dass bestimmte Krankheiten entweder ganz vermieden oder doch zum mindesten verringert werden könnten. 80 Prozent aller Krankheiten seien ernährungsbedingt, betonte er.
Damit war also die Richtung für ein gesünderes Essen vorgegeben: weg vom Fleisch, hin zu mehr Gemüse. Riedl zeigte und erläuterte Beispiele aus den Fernsehsendungen der Ernährungs-Docs, bei denen eine konsequente Ernährungsumstellung zum Erfolg geführt hatte. Heilungschancen ergeben sich u. a. bei Diabetes, Migräne, Osteoporose, bei Reflux und Gicht, wie auch bei erhöhten Blutfetten, Bluthochdruck, Verstopfung, Fettleber und Übergewicht. Andere chronische Erkrankungen könnten gelindert werden, wie Arthrose oder Neurodermitis. Leider seien die Strukturen der Krankenkassen auf andere, meist sehr viel teurere Methoden eingestellt.
Das Besondere an den Empfehlungen der Ernährungs-Docs ist, dass sie ohne Hungergefühl und Verbote umgesetzt werden sollen. Das bedarf nicht zu geringer Kenntnisse in Bezug auf die Nährstoffgehalte in den Lebensmitteln und Ihre Wirkungen für den Stoffwechsel. Von den drei Grundnährstoffen – Eiweiß, Kohlehydrate und Fette – muss man wissen, dass der Organismus vor allem Eiweiß braucht, das auch satt macht.
Enthalten ist es in Eiern und Milchprodukten, von denen aber nicht zu viel konsumiert werden sollten. Wertvoll sind vor allem auch Hülsenfrüchte und Nusskerne, letztere von Riedl besonders hervorgehoben. Bei den Kohlehydraten, vor allem aus pflanzlichen Produkten, sind die Ballaststoffe unverzichtbar während die verdaulichen Anteile, Zucker und Stärke, zwar als Energielieferanten benötigt, aber - besonders bei zu wenig Bewegung - mit Vorsicht genossen werden sollten.
Wer abnehmen möchte, sollte weniger Obst essen weil es zuviel Zucker enthält. „Zucker ist Gift“, sagte Riedl und wies darauf hin, dass er in zuvielen Nahrungsmittel unerkannt enthalten ist. Bei den Fetten kommt es auf tierische Herkünfte an und auf pflanzliche, bei denen zum Beispiel vom Olivenöl in Salaten mehr verwendet werden könnte. Falsch ist die Ansicht „Fett macht fett“. Wichtig ist, dass genügend Wasser getrunken wird, mindestens 1,5 l pro Tag von Frauen und bis zu 2,5 von Männern.
Das Wort Kalorien fand kaum Erwähnung in dem Vortrag. Für die Ernährungsumstellung zum Abnehmen, empfehlen die Ernährungs-Docs das Prinzip 20 : 80. 80 Prozent der bisherigen Eßgewonheiten sollten beibehalten werden. Schließlich soll Essen immer noch Spaß machen.
Ein weiterer Vortrag mit Dr. Riedl ist wegen des großen Interesses im Frühjahr 2018 geplant.