Arpad Bogya: „Wir haben keinen ideologischen Nagel im Kopf“

Silvia Voltmer erläutert die geplante Elternbefragung. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Aus der Zuhörerschaft kamen interessierte Fragen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Gemeinde informiert über Schullandschaft in Isernhagen

ISERNHAGEN (bgp). „Viel Politik und wenig Eltern" fasste eine Teilnehmerin im Vorfeld der ersten Informationsveranstaltung "Unsere Schulen in der Zukunft" zusammen, denn eine Viertelstunde vor Beginn hatten sich nur wenige Interessierte eingefunden.
Unmittelbar danach kamen doch noch etwa hundert Personen in der Aula des Schulzentrums Isernhagen zusammen, darunter zahlreiche Vertreter des Bündnisses IGS für Isernhagen/Burgwedel und verschiedener Schulen. Gemeindebürgermeister Arpad Bogya äußerte sich ebenfalls enttäuscht über die geringe Resonanz, denn die Gemeinde möchte die Bürger an drei Terminen über die aktuelle Situation der weiterführenden Schulen informieren und für die Zukunft mögliche Änderungen des bestehenden Angebots aufzeigen.
Seit mehreren Jahren wird in Isernhagen die Debatte um das Schulangebot vor Ort kontrovers geführt. Nachdem 2005 der Rat den Ausbau des klassischen dreigliedrigen Schulsystems beschlossen und entsprechende Neubauten errichtet hatte, erfolgte im Dezember 2011 der Vorstoß einer Elterninitiative zur Gründung einer Integrierten Gesamtschule.
Die SPD-Fraktion stellte daraufhin einen Antrag auf Elternbefragung zum Thema IGS, der vom Rat abgelehnt wurde. Als Begründung für die Ablehnung wurden die gesetzlichen Vorgaben für eine IGS angeführt, die in Isernhagen zu der Zeit nicht erfüllt werden konnten. Mit dem Wechsel der Landesregierung reduzierten sich die gesetzlichen Vorgaben zur Mindestzügigkeit, welche nun die Gründung einer IGS erleichtern und zu einer Wiederbelebung des Dialogs führt. Immerhin besuchen 26 % der Schüler aus Isernhagen eine Schule außerhalb der Heimatkommune, von denen wiederum 47 % eine IGS besuchen (Stand September 2012).
Die Gemeinde beauftragte eine externe Planungsgruppe, um eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung bis 2038 zu erhalten. Die errechnete durchschnittliche Zahl von 231 Schülern pro Jahrgang in Isernhagen würde auf Dauer für die Gründung einer IGS nur reichen, wenn diese im Verbund mit der Nachbarkommune Burgwedel erfolgt. Gemeindebürgermeister Arpad Bogya betonte ausdrücklich, dass man bezüglich einer Zusammenarbeit mit Burgwedel „keinen ideologischen Nagel im Kopf“ habe.
Silvia Voltmer, Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung und Sport, stellte drei mögliche Varianten vor, die in Zukunft für Isernhagen denkbar wären. Die erste Variante behielte die vorhandenen Schulen mit dem klassischen dreigliedrigen System Haupt- u. Realschule sowie Gymnasium bei.
Als zweite Möglichkeit böte sich an, das Gymnasium weiter bestehen zu lassen und eine Oberschule zu gründen, welche die Haupt- und Realschule ersetzen würde. Im dritten Fall könnte eine IGS ohne Oberstufe gegründet werden, das Gymnasium bliebe bestehen, Haupt- und Realschule würden dann abgeschafft werden.
Nach Abschluss der drei Veranstaltungen, die laut Arpad Bogya „nach allen Seiten offen sind“, ist für den März 2014 eine Befragung der Eltern geplant, die Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren haben. Der vorgesehene Fragebogen wird derzeit von der Landesschulbehörde geprüft. Nach Freigabe werden die Eltern dann nach der von ihnen bevorzugten Schulform gefragt werden.
Dabei wird weniger die Frage „Wollen wir die IGS oder nicht?“ im Vordergrund stehen, sondern vielmehr „Wie soll die Schullandschaft in Zukunft aussehen?". Die Elternbefragung bietet den Bürgern Isernhagens die Chance zur aktiven Mitbestimmung am Schulangebot, auch wenn die Entscheidungen letztlich von den politischen Gremien getroffen werden. Die Gemeinde erhofft sich eine hohe Rücklaufquote für die geplante Befragung.
Für die Gemeinde könnte eine Modernisierung des Schulangebotes von großem Wert sein und positive Synergie-Effekte nach sich ziehen. Einerseits ließen sich herkunftsgebundene Bildungsungleichheiten minimieren, andererseits könnte vor dem Hintergrund des demographischen Wandels der Anteil jüngerer Bürger in der Gemeinde erhöht werden. Ein zeitgemäßes Schulangebot fungiert als „weicher Standortfaktor“, der - im Verbund mit einer optimalen Nahversorgung an Kinderbetreuung, medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten - attraktiv für die Wohnortwahl junger Familien ist. Der Trend, als junge Familie auf das Land zu ziehen, hatte sich im Laufe der Jahre auf Grund der Arbeitswege der Eltern und Betreuungsbedingungen für deren Kinder umgekehrt und Hannover aus den Umlandkommunen eine „Verjüngung“ der Bevölkerung beschert. Ein zukunftsträchtiges Schulkonzept könnte die Entscheidung von Familien, sich in Isernhagen niederzulassen, positiv beeinflussen.