Anwohner lehnen vorgesehenen Standort für Biogasanlage ab

Der Vorsitzende der Realgemeinde Großburgwedel Hans-Jürgen Laes erklärte, es werde keine Genehmigung zur Nutzung der landwirtschaftlichen Wirtschaftswege für die Biogasanlage geben. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Wärme- und Stromproduktion schon 2014 ist nicht zu halten

GROSSBURGWEDEL (hhs). Zwei Fachausschüsse des Stadtrats Burgwedel haben am Mittwochabend gemeinsam getagt, um einen Sachstandsbericht zu hören über die aktuellen Entwicklungen des Bebauungsplans Nr. 153 „Sondergebiet Biogasanlage Großburgwedel“.
Diese Biogasanlage soll zwischen Kokenhorststraße und Bundesautobahn nahe am Kreisel Schulzentrum entstehen, auf der Wiese hinter der Fläche an der Kokenhorststraße, auf der gegenwärtig in Straßennähe Rindenmulch abgekippt wurde.
Zu nahe an unseren Häusern, schimpfen viele Anlieger aus dem Neubaugebiet Mühlenfeld, wo eine große Anzahl schicker Wohnhäuser in den vergangenen Jahren gebaut worden ist, ohne dass damals der Bau einer Biogasanlage im Gespräch gewesen wäre.
Niclas Gutzler, Chef des Bauamtes in Burgwedel, und Stadtkämmerer Christian Möhring hatten die undankbare Aufgabe, diesen Sachstand vor einer unerwartet großen Gruppe betroffener Anlieger. Insgesamt 57 waren in die Grundschule Großburgwedel gekommen, aber das, was sie an diesem Abend zu hören bekamen, konnte niemanden zufriedenstellen.
Gutzler führte zunächst aus, Sinn der Biogasanlage sei es, Freibad und Schulzentrum mit Wärme zu versorgen. Das Biogas aus der Anlage soll den Generator im Blockheizkraftwerk der Stadt antreiben und für die Wärme sorgen. Der Strom aus der Anlage sei gewissermaßen ein Nebenprodukt und werde gegen Geld ins Netz eingespeist.
Es gebe allerdings nur sehr wenige Flächen im Gebiet zwischen Kokenhorststraße und A7, auf denen man eine Biogasanlage bauen könne, weil der größte Teil Wasserschutzgebiet sei und da habe die Landesregierung dafür gesorgt, dass in Wasserschutzgebieten keine Biogasanlagen gebaut werden dürfen.
Die Verwaltung habe die Biogasanlage europaweit ausschreiben müssen, aber keinerlei Resonanz feststellen können. Man sei nur mit einer am Mittwoch nicht näher personifizierten Bietergemeinschaft im Gespräch. Das Ziel der Stadt, schon 2014 Wärme im eigenen Blockheizkraftwerk mit Biogas aus der neuen Anlage zu produzieren, könne man schon jetzt nicht mehr halten.
Damit gehen auch die jährlichen Einsparerwartungen von 300.000 Euro weitgehend den Bach runter, weil bei der Verzögerung weniger Geld aus der Einspeisung von Strom ins Netz gezahlt wird. Auch der Preisvorteil vor der Nutzung von Erdgas schrumpfe.
Darüber hinaus handele es sich um eine gewerbliche Biogasanlage, für die Gewerbe- und Kapitalertragsteuer zu zahlen sei. Als der Stadtkämmerer keine konkreten Aussagen über die Wirtschaftlichkeit des Projekts machen konnte, waren eigentlich noch keine vernünftigen Gründe genannt, warum ausgerechnet an diesem Standort eine Biogasanlage entstehen soll.
Das wurde schließlich kurz diskutiert: Baue man die Biogasanlage nicht, dann müsse das Schulzentrum von Grund auf energetisch saniert werden: Kostenpunkt etwa sechs Millionen Euro.
In der anschließenden Bürgerfragestunde zum Thema drückten die potentiellen Anlieger der Biogasanlage ihr Unbehagen über die Nähe zur Bebauung des Mühlenfeldes aus. Die Anlage werde in Hauptwindrichtung Südwest vor der Wohnbebauung liegen, und es gebe keine Biogasanlage, die vollkommen ohne Emissionen arbeite. Außerdem werden durch den Bau die Landschaft und die angrenzenden Wohngebiete entwertet und jede Weiterentwicklung der Wohnbebauung am Mühlenfeld unmöglich gemacht.
Auf Nachfrage musste der Bauamtsleiter einräumen, dass es neben dem nun ins Auge gefassten Grundstück noch eine Alternative gebe, östlich des Kreisels Richtung Ramhorst. Das Gelände sei gegenwärtig aber der Entwicklung von Sportflächen vorbehalten. Dieser Standort habe den Vorteil, dass er viel näher an Schulzentrum und Freibad liege als der an der Kokenhorststraße.
Jürgen Schodder, Vorsitzender des Planungs- und Tiefbauausschusses, erklärte, man sei erst am Anfang der Diskussion und er werde dafür Sorge tragen, dass weiter ergebnisoffen diskutiert werde. Und man habe auch noch nicht alle Einwendungen aus der ersten Phase der Beteiligung der Öffentlichkeit ausgewertet. Allerdings musste Schodder auch eine schlechte Nachricht aus dieser Einwohnerfragestunde mitnehmen: Die Realgemeinde Großburgwedel hatte an diesem Abend in Zusammenhang mit Bau und Betrieb der Biogasanlage erklärt, sie werde keinerlei Erlaubnis geben zur Befahrung ihrer Wirtschaftswege.