„Altes Mahnmal nicht mehr Bestandteil des Gedenkraums“

Präsentation im Ortsrat Großburgwedel: Dr. Habbo Knoch, stehend, präsentiert sein Mahnmal-Konzept, Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller hört zu. Davor auf dem Tisch das improvisierte Modell, das zeigen soll, wie es einmal ausschauen könnte. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ortsrat Großburgwedel will erst nach Denkpause entscheiden

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der weitere Umgang mit dem zerstörten Mahnmal auf dem Friedhof war der zentrale Tagesordnungspunkt der Sitzung des Ortsrats Großburgwedel am Donnerstag. Der Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten Dr. Habbo Knoch war angekündigt, um einen gangbaren Weg aus der Mahnmalproblematik vorzustellen.
Das tat er an diesem Abend gleich zweimal, zunächst in einem nicht öffentlichen Teil, zu dem nur der vorherige und der amtierende Ortsrat eingeladen waren. So verwunderte es ein wenig, als Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller zu Beginn des Tagesordnungspunkts im öffentlichen Teil der Sitzung erklärte, man habe zuvor beschlossen, die Gedanken Knochs nicht inhaltlich zu diskutieren an diesem Abend, um genügend Zeit zu haben darüber nachzudenken angesichts der Bedeutung der Problematik für Burgwedel.

Knoch schlug vor, einen Gedenkraum zu schaffen auf der Grünfläche des Mahnmals, nicht gedacht als einen Raum mit Mauern, ein offener Raum offenbar, ein Ambiente. In diesem Gedenkraum sollen unterschiedliche Bereiche des Gedenkens angelegt sein. „Hier geht es um die Frage: Wer gehört in das Ortsgedächtnis hinein?”, stellte Knoch in den Raum. Man müsse eine Vermischung der Namen und der Wahrnehmungen in jedem Fall vermeiden, es gehe hier darum, die symbolische Wiedereingliederung der NS-Opfer sichtbar zu machen. Das müsse auf andere Weise geschehen als beim alten (zerstörten) Mahnmal, das nicht konfliktfrei sei und Spannungen aufgebaut habe.
Die Differenzierung der Opfergruppen in Soldaten, Menschen aus Großburgwedel, Vertriebene und NS-Opfer diene der Unterscheidung und dürfe nicht vermischt werden. Jetzt gehe es um die Selbstfindung eines Ortes in seiner historischen Perspektive. Hierzu könnten weitere Publikationen in Buchform oder im Internet hilfreich sein.
Er sei kein Mahnmal-Gestalter, so Knoch, er stelle sich allerdings eine Gestaltung in eher schlichtem Material ohne Symbolsprache aus und schlug dann doch vier Aluminiumsysteme vor. Zwei Hochkantformate für die Aufnahme von Informationen, neben denen jeweils ein Querformat mit den Namen der Militär- und Zivilopfer, auf der anderen die Namen der NS-Opfer zu stehen haben. Knoch verdeutlichte das an einem improvisierten Modell, das auf einem Tisch in der Ortsratsrunde stand.
Ziemlich zu Beginn der Bürgerfragestunde stellte jemand die Frage, welche Rolle denn in dieser Konzeption dem alten, zerstörten Mahnmal zu komme. Die Antwort fiel eindeutig aus: „Das alte Mahnmal ist in meiner Konzeption nicht mehr Bestandteil des Gedenkraums“. Damit war auch klar geworden, warum der Ortsrat sich zuvor dazu entschlossen hatte, vor einer Diskussion dessen noch eine Denkpause einzulegen. Der Ortsbürgermeister kündigte an, dass der Ortsrat etwa im März kommenden Jahres das Thema weiter bearbeiten werde auf der Grundlage der Ausführungen von Dr. Habbo Knoch.