Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest

Der Lichterbaum in der Kirche – am zweiten Weihnachtstag hat er noch lange nicht ausgedient. (Foto: Andrea Hesse/Kirchenkreis)

Gedanken zum Weihnachtsfest von Superintendent Holger Grünjes

„Wissen Sie eigentlich, dass der Advent eine Fastenzeit ist?“ In diesen Tagen erinnere ich mich wieder an den weisen alten Mann aus meiner ersten Gemeinde. Nach einem sehr fröhlichen Gottesdienst am 1. Advent sagte er mir genau diesen Satz. Und ich habe etwas ärgerlich reagiert: „Ja, Sie haben Recht. Früher war das so. Aber heute feiern wir halt ganz anders. Und das ist auch gut.“
Heute würde ich mich gern bei ihm entschuldigen. Er hatte ja Recht! Früher gab es drei, in manchen Gegenden auch vier Weihnachstage. Heiligabend war der Auftakt für die fröhliche Weihnachtszeit. Und heute? Eine Pastorin erzählte mir, dass sie sich am zweiten Feiertag morgens um neun mit der neuen Küsterin in der Kirche verabredet hatte.
Sie wollten gemeinsam den Gottesdienst vorbereiten. Als sie die Kirche betrat, traute sie ihren Augen nicht: Der Weihnachtsbaum war weg. Die Küsterin kam ihr freudestrahlend entgegen: „Ist schon alles fertig, Frau Pastorin!“ Sie hatte den Baum abgeschmückt und nach draußen gebracht. Und sie konnte gar nicht begreifen, warum die Pastorin so entsetzt war: „Wieso? Weihnachten ist doch vorbei.“
Ja, die Menschen freuen sich auf Weihnachten – und dann kann es ihnen gar nicht schnell genug vorbei gehen. Woran liegt das?
Unser Problem mit der Advents- und Weihnachtszeit hat genau an dieser Stelle seine Wurzeln. Wir feiern heute wirklich ganz anders als die Alten: Von Fastenzeit kann keine Rede mehr sein, im Gegenteil – im Advent jagt eine Feier die andere und Anfang Januar, wenn alles vorbei ist, fangen wir an zu fasten. Ich frage mich, woher das kommt. Warum haben wir den Feierrhythmus gerade in der Advents- und Weihnachtszeit umgedreht? Kein Mensch würde auf die Idee kommen, vier Wochen vor einem runden Geburtstag zu feiern. Im Gegenteil, er würde sich zurückhalten, alles für den großen Tag vorbereiten und sich die Freude für diesen Tag aufheben – fasten eben.
Ja, der alte Mann aus meiner ersten Gemeinde hatte Recht und es berührt mich bis heute, dass ich ihn so abgekanzelt habe. Doch wie kommen wir da wieder raus? So ganz wird uns das sicher nicht gelingen, aber es ist ja möglich, die eine oder andere Feier in den Januar zu verlegen, in die alte weihnachtliche Freudenzeit. Ich weiß von einer Kirchengemeinde, in der die Weihnachtsfeier für die Mitarbeitenden der Kinderkirche immer Mitte Januar stattfindet. Zuerst fanden die Jugendlichen das vor allem witzig, doch inzwischen genießen sie es sehr. Ich denke, das ist eine gute Anregung für uns Christinnen und Christen und auch für unsere Kirchengemeinden.
Verlegen wir doch die eine oder andere Feier in den Januar. Dann kommt auch die Adventszeit (wieder) mehr zu ihrem Recht – und wir können uns so richtig freuen an der weihnachtlichen Freudenzeit.

Ich wünsche Ihnen weiterhin einen besinnliche Advent, gesegnete Weihnachten und viel Gutes für das Jahr 2015.

Ihr
Holger Grünjes
Superintendent des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen