Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest

Gedanken zum Weihnachtsfest von Superintendent Martin Bergau

Kaum zu glauben: Abgeschlossen war die Haustür nie. Das ist lange her. Dort, in dem kleinen Dorf meiner Kindheit, waren die Türen nicht verschlossen. Wer das Haus betreten wollte, kam hinein. Lediglich eine allerdings recht durchdringende Klingel machte darauf aufmerksam, dass Besuch gekommen ist.
Die Tür war grundsätzlich offen. Unvorstellbar für heutige Zeiten und wohl auch nicht zu empfehlen. Die Zeiten haben sich geändert, auch auf dem Dorf natürlich. Doch das Bild bleibt: Die Tür ist offen für den, der kommen will. Und erst, wenn die Tür geöffnet ist, kann jemand hinein.
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ heißt es in einem alten und schönen Adventslied. Es steht in unserem Gesangbuch sogar an erster Stelle. Es wurde gedichtet zur Einweihung einer Kirche. Die Türen hoch. Das Tor weit. So soll es sein. Das Lied wird so richtig schön erklungen sein.
Wer kommt? Gleich wird es gesagt im Lied, es ist der Gottessohn, das Kind aus der Heimatstadt Nazareth. „Es kommt der Herr der Herrlichkeit“. Und dann wird vom König gesungen, alle Attribute der Herrschaft genannt.
Sie werden aber anders gedeutet. „Sein Zepter ist Barmherzigkeit“, heißt es etwa. Der König kommt, doch anders als erwartet. Es ist ein Kind in der Krippe. Es ist nicht im bergenden Zuhause geboren worden. Seine Eltern brachen zuvor zur großen Volkszählung aus ihrer Heimat auf. Bald sollte das Kleine schließlich ein Flüchtlingskind werden. Wieder und wieder erzählen wir diese Geschichte an Weihnachten, und ein Leben lang reicht nicht, mit ihr zu ende zu sein.
Sie waren ja nicht allein, Maria, Josef, das Kind. Auch nicht im Abseits der Welt. Die wachenden Hirten zuerst waren längst aufgebrochen, um es bald schauen zu dürfen. Schon bald sollte der Himmel sich öffnen. Über ihnen viele Stimmen, ein verändertes Licht in der Nacht. Als öffneten sich die Tore der Welt, in dieser Nacht am unsicheren Ort.
Damit beginnt die Weihnachtsbotschaft. Das ist die Weihnachtsgeschichte Gottes mit uns.
„Meins Herzens Tür dir offen ist“, heißt es dann am Schluss des Liedes. Das bleibt entscheidend. Die Herzenstür. Nur wenn ich mich innerlich öffne, wird mich dies auch in diesem Jahr berühren lassen. Gott kommt in die Welt, und er kommt zuerst im Schatten der Mächtigen, in der Not der Aufgescheuchten, in das Wissen der Ohnmächtigen. Er blieb nicht für sich allein.
Er kommt, auch zu mir, zu uns. Weihnachten weckt die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, die auch in den Gefährdungen dieser Zeiten beharrlich wirkt und arbeitet. Und diese kann nicht für sich allein bleiben, schon gar nicht nur im eigenen Haus. Sie drängt nach draußen, zueinander. Nicht zuletzt, sondern ganz zuerst zu den Menschen in Not.
Macht hoch die Tür! Damit beginnt alles. Dann aber wird auch das wieder spürbar, was christlicher Glaube sagt und hofft. So heißt es im Lied, am Schluss, und das ist das helle Licht der Weihnacht: „Dein Freundlichkeit auch uns erschein.“ Die Türen hoch. Das Tor weit.

Ein frohes Weihnachtsfest

Ihr Martin Bergau