Ältere Erinnerungen gepaart mit jungen Assoziationen

Mit einer Mischung aus Tanz, Theaterspiel und Gesang faszinierten die Darstellenden ihr Publikum. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

„Das Laub in meinem Garten“ war ein voller Erfolg

GROSSBURGWEDEL (bgp). Über ein voll besetztes Haus konnten sich die Organisatoren von „Das Laub in meinem Garten“ freuen. Das Theaterstück der besonderen Art wurde am Donnerstagabend in der Aula der Pestalozzi-Schule aufgeführt. Sechs Frauen aus der Seniorenbegegnungsstätte hatten sich mit acht Beschäftigten aus der Pestalozzi-Werkstatt zusammengefunden, um ein improvisiertes Theaterstück unter der Leitung von Theaterpädagoge Matthias Bittner zu inszenieren.
Am Abend war der Zuschauerraum bis auf den letzten Stuhl besetzt und das Publikum genoss die ansprechende Atmosphäre, die durch Bühnenbeleuchtung und Videoinstallationen bereichert wurde. Die Vision, welche Bittner bei der Gründung der inklusiven Theatergruppe „Du und ich gleich Wir“ hatte, wurde durch die Darsteller auf anschauliche Weise gezeigt. Das Ziel, mit dem Theaterspiel Barrieren abzubauen, Gemeinsames zu entdecken und Verbindendes auf die Bühne bringen, wurde besonders im Wechselspiel der älteren und jüngeren Darsteller deutlich. Während die einen am Mikrofon über ihre Erinnerungen berichteten, nahmen die Darsteller mitten auf der Bühne diese auf und spannen den Faden weiter, indem sie ihre eigenen Assoziationen äußerten. So manche Äußerung brachte das Publikum zum Lachen und animierte zum Applaus zwischendurch.
Die Darsteller bewiesen dabei sehr viel Improvisationstalent, denn es gab nur wenige Vorgaben im Stück, aus dem alle eine sehr gelungene Inszenierung formten. Ort der Handlung war der Garten einer älteren Dame, die sich an dem Laub in ihrem Garten sehr störte. Sie empfand es nur als Schmutz, der den Garten verunreinigte. Um sich des Schmutzes zu entledigen, bat sie telefonisch um zwei Personen aus der Pestalozzi-Stiftung, die die Gartenarbeit erledigen sollten. Diese fanden sich sehr schnell ein und wollten sich an die Arbeit machen, doch es war ihnen, als spräche das Laub zu ihnen: „Wir sind das Laub in deinem Garten. Wir sind die Erinnerung im Garten deines Lebens. Wir wollen bei dir bleiben.“ Das Credo der Erinnerung zog sich durch das ganze Stück, welches Freude mit Traurigkeit verband, so dass es mit seinen fragmentarischen Charakter einen besonderen Reiz ausübte. Es wurde auch deutlich, dass der Verlust der Erinnerung für manchen nicht besonders schlimm ist, wenn er sich über diese Tatsache nicht im Klaren ist. Wenn jedoch jemand wahrnimmt, dass die Erinnerung schwindet, ist es sehr viel tragischer, gerade wenn es nicht gelingt, diese in irgendeiner Form festzuhalten.
Die Gratwanderung zwischen Tragik und Komik wurde daher mit sensibler Darstellung in einer Mischung aus Theaterspiel, Musik, Tanz und Gesang gelöst. Die verstreuten Blätter im Garten der älteren Dame wurden einzeln aufgenommen und jedes stand für eine Erinnerung, der eine Assoziation gegenüber gestellt wurde. So schwelgte eine Frau in den besten Jahren auf der Bühne in ihren Erinnerungen an die Herbstferien ihrer Kindheit. Sie sprach von Radtouren durch das schöne Laub und die Rückkehr nach Hause. Als Assoziation kam von der Gegenseite „Ich will ein Förstersteak, ich hab´ so einen Kohldampf“.
Betont werden muss die spielerische Leichtigkeit, mit der die Akteure sich gegenseitig zum Spielen animierten und dem Publikum damit einen besonderen Genuss verschafften, der mit frenetischem Applaus belohnt wurde.