Absage an Wasserskianlage am Kirchhorster See

Ingrid Zöllner, Joachim Springer, Jochen Schrader übergeben Bürgermeister Arpad Bogya die gesammelten 800 Unterschriften gegen die Wasserski-Anlage auf dem Kirchhorster See. (Foto: Renate Tiffe)
 
Eine Ansicht des geplanten zweigeschossigen Vier-Sterne-Hotels, das am Kirchhorster See entstehen soll. (Foto: Renate Tiffe)

Projekt nach der Bürgerversammlung zurückgezogen

KIRCHHORST (ti). Die Stimmung bei der vom Ortsrat einberufenen Bürgerversammlung war eindeutig. Sie zeigte, dass den Kirchhorstern der See wichtig ist. Eine Wasserskianlage wollte aber keiner der Redner. Die Übergabe von über 800 Unterschriften gegen das Projekt von einer spontan gegründeten Bürgerinitiative tat ein Übriges. Tags darauf zog der Anbieter die Konsequenzen und gab das Vorhaben auf.
Sowohl Bürgermeister Arpad Bogya, der die Versammlung moderierte, als auch die Ortsbürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang hoben die Disziplin aller Beteiligten hervor. Etwa 80 bis 100 Bürgerinnen und Bürger hatten sich im überfüllten Saal der Gaststätte „Zum Maikäfer“ eingefunden. Als Richtung hatte Bogya vorgegeben, dass es sich an diesem Abend um die Präsentation zweier Konzepte handele, die dem See mehr Attraktivität verleihen sollen – ein Vorhaben, das seit mehr als zehn Jahren auf der Agenda der Gemeinde steht. Der Bebauungsplan muss dazu geändert werden. Im Vorfeld aller Entscheidungen gehe es also neben der Information um einen Meinungsaustausch.
Zuerst hatte Philip Gutschke die Gelegenheit, seine Planung vorzustellen, wie er es bereits im Juni in einer Ortsratssitzung getan hatte. Kernstück des Konzepts des Diplom-Kaufmanns, selbst Wassersportler, dem der See von Kindheitstagen an bekannt ist, war besagte Wasserski- (auch Wakeboard-) Anlage. Im Betrieb würde die Anlage etwa 2/3 der Wasserfläche beanspruchen, war aus den Zeichnungen zu ersehen.
Außerhalb dieser Zeiten sollte es aber keine Einschränkungen für die Badenden geben. Um dieses Projekt herum hatten Gutschke und sein Partner ein wohldurchdachtes Freizeitangebot für Familien entwickelt, das einer der Diskussionsredner als „charmant“ bezeichnete und das im Verlauf des Abends noch öfter hervorgehoben wurde.
Ganz anders dagegen das Konzept der Dreiergruppe um Christian Kluwe. Es drehte sich um den Bau eines zweigeschossigen Vier-Sterne-Hotels auf einem Grundstück von 8.000 Quadratmetern. Die vor Ort ansässige „kleine, feine Investorengruppe“ wie Kluwe sie nannte, versprach, aus dem See ein ganzjähriges Ausflugsziel zu machen, das die ökologische Qualität des Gewässers erhält. Fester Teil solle die Versorgung der Badenden sein. Das Hotel werde Tagungsmöglichkeiten bieten und für „Festivitäten im naturbezogenen Rahmen“ da sein.
Die Redebeiträge in der Versammlung konzentrierten sich im wesentlichen auf die Ablehnung des Wasserskisports. Der Erholungswert werde damit aufgegeben und die Frage stelle sich an die Gemeinde, ob sie den See an einen hochspezialisierten Kundenkreis verkaufen wolle, brachte ein Neukirchhorster die vielen Gegenargumente der Bürgerinnen und Bürger auf den Punkt. Er sehe das Hotel als Bereicherung an, fragte aber auch nach einem eventuellen Privatstrand.
Gegen Ende der Veranstaltung spielte das Thema Sicherheit die größte Rolle.
Die DLRG hatte es abgelehnt, den Kirchhorster See weiter als Badestelle zu beaufsichtigen. Dieses Anliegen in ein künftiges Konzept mit einzubringen werde einer der wichtigen Verhandlungspunkte sein, kündigte Bogya an.
Gutschke zog schon am nächsten Tag die Konsequenzen. Er habe deutlich gemerkt, dass die Stimmung sich gegen sein Projekt wandte, teilte er der Ortsbürgermeisterin mit. Er würde sich freuen, wenn ein Teil seiner übrigen Freizeitangebote bei der künftigen Planung als Anregung mit berücksichtigt würden.
In der Ortsratsitzung am Mittwoch werde diese Aussage bestätigt, sagte Renate Vogelgesang. Alle seien ganz damit einverstanden. Sie gehe davon aus, dass die Baumaßnahmen jetzt zügig in Gang kommen könnten. Der Aufstellungsbeschluss sei bereits 2011 von der Gemeinde gefasst worden.