Abriss kontra Sanierung

Noch steht nicht fest, ob das Gymnasium Großburgwedel saniert oder komplett neu gebaut wird. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Auf dem alten Sportplatz des Gymnasiums könnte der Neubau errichtet werden. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Wirtschaftlichkeitsprüfung favorisiert Abriss und Neubau des Gymnasiums Großburgwedel

GOSSBURGWEDEL (bgp). Im Zuge des Mammutprojektes „Modernisierung des Gymnasiums“ hatte die Stadt Burgwedel eine Prüfung in Auftrag gegeben, um zu klären, welche Form der baulichen Maßnahmen die wirtschaftlich günstigere sei: Abriss und Neubau oder eine Sanierung mit Anbau unter Beibehaltung einiger Teile aus dem Altbestand. Die Präsentation des Ergebnisses überraschte in der vergangenen Sitzung des Schulausschusses mit der Erkenntnis, dass ein kompletter Neubau auf dem ehemaligen Sportplatz direkt neben dem Gymnasium und der anschließende Abriss des Altbestandes die wirtschaftlich günstigere Variante ist. Die beauftragten Experten favorisierten dieses Modell schon allein auf Grund des weitaus höheren Vermögenswertes, der gegenüber einer Sanierung nach Abschluss des Projektes für die Stadt geschaffen werde.

Energetisch und technisch veraltet

Michael Schultze-Rhonhof, Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens DKC Kommunalberatung, stellte ausführlich die verschiedenen Prüfkomponenten und Rechenmodelle in der Sitzung vor. Zwei Tage hatten Fachingenieure das Gebäude des Gymnasiums Großburgwedel intensiv begutachtet. Dabei habe sich ergeben, dass die Gebäudesubstanz zwar in einem guten Zustand sei, die Technik und energetische Aspekte jedoch völlig veraltet seien: „Die Technik ist völlig abgängig“, bilanzierte Schultze-Rhonhof. Wenn eine Sanierung angestrebt werde, bedeute dieses im Klartext, dass für jede Leitung und die Erneuerung der Installationen auch alle Böden und Wände „angefasst“ werden müssten. Damit sei aber noch nicht offenbar, was sich dahinter verberge und welche Baustellen dadurch noch entstünden, welche mit zusätzlichen Kosten verbunden seien. Vor dem Hintergrund des geplanten pädagogischen Konzeptes sei der Aufwand enorm, die Gebäude entsprechend umzubauen und die Wände in dem Bau aus den Sechzigerjahren zu versetzen.

Der Neubau hat viele Vorteile

Bei der Gegenüberstellung der beiden Varianten ergaben sich viele Vorteile für einen Neubau. Die Bauzeit ist mit zwei Jahren um ein Jahr kürzer als bei der Sanierung. Eine Übergangslösung mit Containern wäre für die Bauzeit nicht notwendig, da zunächst der Neubau errichtet und erst nach Fertigstellung der Altbestand abgerissen werden würde. Für die Sanierung müssten übergangsweise Container bereitgestellt werden, die Beeinträchtigung des Schulbetriebes sei immens, wies Schultze-Rhonhof die Sitzungs-Teilnehmer auf übermäßigen Baulärm hin. In einem Neubau könne man das angestrebte pädagogische Konzept räumlich viel besser umsetzen, als bei einer aufwändigen Sanierung.
Obwohl die Investitionssumme für den Neubau mit Baukosten von rund 30 Millionen Euro plus 3 Millionen Euro für Risikoreserve und finanziellem Aufwand von rund 137.000 Euro für Übergangslösungen zunächst höher ausfällt als bei der Sanierung (24,3 Millionen Euro Baukosten plus ca. 3,8 Millionen Euro Risikoreserven und rund 1,3 Millionen Euro für Interimslösungen) nimmt sich die Perspektive für die nächsten dreißig Jahre anders aus. Das alte Gebäude wäre dann zwar innen saniert, hätte aber an der Fassade immer noch den alten Energiestandard und demzufolge weitaus höhere Betriebskosten als der energetisch aktuelle Neubau. Daher liegt dieser auch im Buchwert nach dreißig Jahren (rd. 18,4 Millionen Euro) auf einem höheren Niveau als die sanierten Gebäude (rd. 15,5 Millionen Euro).
Für den Neubau spricht auch die große Fläche neben dem Gymnasium, die seit langem nicht mehr als Sportplatz genutzt wird und dafür zur Verfügung stünde. Nach dem Abriss des alten Gebäudes könnte die Stadt mit der Vermarktung der dann frei werdenden Flächen wieder Geld in die Kassen bekommen. Die Mitglieder des Schulausschusses baten sich Bedenkzeit angesichts der großen Investitionssummen und der komplexen Materie aus. Eine Abstimmung wurde auf den 1. Juni 2017 vertagt, an dem der Schulausschuss erneut zusammenkommen wird. Danach könnte ein Ratsbeschluss erfolgen, der Baubeginn wäre dann im Sommer 2019 möglich.