400 Flüchtlinge werden an fünf großen Standorten beherbergt

Bürgermeister Arpad Bogya (l.) stellte die Standorte für die Flüchtlingsunterkünfte in Altwarmbüchen vor. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Gemeinde informierte über Unterkünfte in Altwarmbüchen

ALTWARMBÜCHEN (bgp). Die Gemeinde Isernhagen brachte die Bürger in einer Informationsveranstaltung über die geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Altwarmbüchen auf den neuesten Stand. Fünf Großunterkünfte sind in der Ortschaft bis Ende 2017 geplant, eine davon wurde in der Borsigstraße aus einem Gewerbeobjekt bereits bezugsfertig umgerüstet.
„Ich habe den Ratssaal noch nie so voll gesehen“, leitete Bürgermeister Arpad Bogya die Informationsveranstaltung ein. Die Dringlichkeit der Unterbringung von Flüchtlingen spiegelte sich darin ebenso wider wie der Informationsbedarf der Bürgerschaft, denn der zeitliche Druck auf die Kommunen wächst. Die bisherigen dezentralen Unterbringungsmöglichkeiten in Isernhagen sind weitgehend ausgeschöpft oder werden nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen.
Daher sieht die Gemeinde als einzige Alternative den Bau größerer Unterkünfte, um die bis Ende 2016 erwarteten fünfhundert bis sechshundert Flüchtlinge in Isernhagen angemessen zu beherbergen. „Wir wollen immer noch vermeiden, Zelte aufzustellen oder Turnhallen zu schließen“, begründete Bogya die Größe der geplanten Einrichtungen. Neben Daten zur aktuellen Situation sprach er auch die Sicherheitsmaßnahmen an, die im Zusammenhang mit den größeren Unterkünften vorgesehen sind.

Unterkünfte in
Altwarmbüchen

Im Gebiet In den Gärten/Opelstraße ist eine Unterkunft für 60 bis 80 Personen geplant, die von der Region Hannover ausgeschrieben wird und im Herbst 2016 fertiggestellt sein soll. In den mobilen Unterkünften mit kleineren Wohneinheiten sollen vornehmlich Einzelpersonen untergebracht werden, da sich diese Unterkünfte nicht für größere Familien eignen.
In der Borsigstraße wurde ein Büro- und Gewerbekomplex mit mobilen Sanitäreinrichtungen sowie Kabinen ausgestattet, die Platz für bis zu 70 Personen bieten. Ein Massivbau, der in der Nachnutzung als Sozialwohnraum vorgesehen ist, wird im Gebiet Varrelheide entstehen. Das Gebäude wird bis Ende 2016 bezugsfertig sein und bis zu 60 Plätze umfassen.
Eine Unterkunft am ehemaligen Soccerpark an der Seestraße bietet Platz für 80 bis 100 Personen und soll bis Ende Mai/Anfang Juni 2016 fertig für die Aufnahme von Flüchtlingen sein. Diese Einrichtung ist speziell für Familien gedacht und wird in Holzbauart errichtet. Die rund 32 m2 großen Wohneinheiten umfassen ein Schlafzimmer, Kinderzimmer, Abstellraum, Bad sowie einen Koch- und Essbereich.
Als sogenannte „Überlaufeinrichtung“ sind außerdem mobile Wohneinheiten vorgesehen, die bis Mitte/Ende 2017 auf dem Gelände vor dem Bauhof Am Moorgraben aufgestellt werden sollen, wenn alle Kapazitäten nicht ausreichen.

Sicherheits- und
Organisationskonzept

Die Einrichtungen werden durch Sozialarbeiter und Sicherheitsdienste externer Anbieter betreut. Eine diesbezügliche enge Kooperation der Gemeinde Isernhagen sowie der Stadt Burgwedel mit dem Polizeikommissariat Großburgwedel, das im Verbund mit den umliegenden Polizeidienststellen Burgdorf, Langenhagen und Hannover-Lahe arbeitet, habe sich bereits bewährt und werde weiter ausgebaut, versicherten Arpad Bogya und Günter Heller, Leiter des Polizeikommissariats Großburgwedel.
Seitens der Verwaltung wird eine Stabsstelle für Flüchtlingsarbeit eingerichtet, die sich ausschließlich um die Aufnahme und Betreuung der geflüchteten Menschen kümmert. Die damit verbundenen Abrechnungen erfolgen ebenfalls über die Stabsstelle, die ab März vorerst im Ratssaal residieren wird.

Diskussion um
die Standorte

Die vorgestellten Konzepte für die Unterkünfte wurden zum Teil von massiven Protesten aus der Zuhörerschaft begleitet. Zentrales Thema war das Gelände am Altwarmbüchener See, zu dem lautstark Bedenken geäußert wurden. Die meisten Gegner fürchteten vor allem um die Sicherheit von Mädchen und Frauen, die ihrer Meinung nach besonders im Erholungsgebiet rund um den See Belästigungen oder gar Vergewaltigungen ausgesetzt sein könnten.
Andere zweifelten den Integrationswillen der zukünftigen Bewohner an und erhoben den Vorwurf an die Gemeinde, kriminelle Flüchtlinge aus zentralen Aufnahmelagern dezidiert nach Isernhagen holen zu wollen. Dem steht entgegen, dass aus der Statistik des Polizeikommissariates Großburgwedel seit Bestehen der größeren Unterkunft an der Fuhrberger Straße in Großburgwedel kein Anstieg der Kriminalitätsentwicklung zu verzeichnen war.
Einige Bürger entkräfteten die Argumente der Gegner mit positiven Berichten aus der Arbeit und dem Umgang mit den Flüchtlingen, die zeigen sollten, dass Integration möglich ist. Lebenspraktische Anmerkungen, wie der Alltag mit den Flüchtlingen gestaltet werden könnte, trugen etwas zur Beruhigung der Stimmung bei.
Arpad Bogya machte einmal mehr deutlich, dass der Gemeinde wenig Handlungshorizont zur Verfügung stünde und die „Pflicht, diesen Menschen zu helfen“ das Gebot der Stunde sei. Die vielen Flüchtlinge müssten innerhalb kurzer Zeit definitiv untergebracht werden. Ihm gehe es darum, in dieser Situation für alle ein friedliches Miteinander zu schaffen.
Der Beleg für viel Engagement in Isernhagen sei bereits in der Vergangenheit erbracht worden, denn das Helfernetzwerk und die Bürger haben schon großartige Arbeit geleistet. Die ehrenamtlichen Helfer dürften jedoch nicht über Gebühr belastet werden. Das nahm auch eine Teilnehmerin auf und betonte: „Wir müssen alle mithelfen“.