30 Jahre Eine-Welt-Laden in Großburgwedel

Der Vorstand des Vereins Eine Welt: Helmut Neddermeyer, Heidrun Schümer und Dr. Arndt Müller. (Foto: RenateTiffe)

Unterstützt wird ein Kleinbauernprojekt in Senegal

GROSSBURGWEDEL (ti). Seit 30 Jahren werden im Eine-Welt-Laden in Großburgwedel Waren aus fairem Handel verkauft - eine lange Zeit für eine Einrichtung, die sich aus der Jugendarbeit der evangelischen St. Petri Kirche heraus entwickelt hat.
Und die mittlerweile – inklusive Spenden – mehr als 60.000 Euro aufgebracht hat für einzelne Projekte, u.a. in Vietnam und derzeit in Senegal in Afrika.
Das beachtliche Jubiläum und die erfolgreiche Arbeit waren Anlass für eine Feier, zu der sich die Mitglieder des Vereins im Gemeindehaus trafen.
Zu den ersten Gratulanten zählte Burgwedels Bürgermeister Axel Düker. Er erinnerte sich aus seinen frühen Jahren, dass es in der St. Petri-Kirche eine Jugendgruppe gab, die aus Betroffenheit über die Armut in der Welt damit begonnen hatte, Kaffee und Nahrungsmittel zu verkaufen, die „anders produziert“ worden waren.
Kein Projekt, das überall Begeisterung fand, so Düker. Umso erfreulicher sei der lange Atem, mit dem es über die Jahre betrieben wurde. Der Eine Welt Laden gehöre heute fest zum Stadtleben in Großburgwedel und er hoffe, dass dies nicht der letzte runde Geburtstag sei, den es zu feiern gebe. Den Glückwunsch vom Kirchenvorstand überbrachte Friedrich Engeling.
Zur Unterstützung besagter Jugendgruppe waren bald Erwachsene hinzugekommen, die 1984 den Verein gründen konnten. Dessen Vorstand besteht heute aus Dr. Arndt Müller, Helmut Neddermeyer und Heidrun Schümer, die sozusagen die Seele des Vorhabens ist. Ihre Tochter Meike hatte ursprünglich den Einkauf der Waren in die Hand genommen, erzählt die frühere Lehrerin, eine Aufgabe, in die sie nach ihrer Pensionierung eingestiegen ist.
Im vergangenen Jahr war der Verein mit einer Unterschriftenaktion gegen Landraub an die Öffentlichkeit getreten. Sie war in Burgwedel sehr positiv aufgenommen worden, wie Müller sagte. Das trübe Kapitel - nicht nur - westlicher Investitionen in Afrika war dann auch Thema des Vortrags von Helge Swars vom Weltfriedensdienst in Berlin. Der Kontinent „arm über der Erde, aber reich unter der Erde“, bietet sich für Industrienationen und solche, die es werden wollen, als Rohstofflager an, deren Ausbeutung verhängnisvolle Folgen für die Menschen dort hat.
Der Bergbau erfordert einen extrem hohen Wasserbedarf, Wasser, das der Landbevölkerung zur Bewirtschaftung ihrer Äcker fehlt. Das Gleiche trifft bei der industriell betriebenen Landwirtschaft zu. Im Grunde handele es sich in erster Linie um Wasserraub, meinte der Referent. Er berichtete detailliert über die mühselige Arbeit der Kleinbauern, auch innerhalb des Projekts in Ngnith, einer ländlichen Gemeinde am Senegalfluss, das von den Burgwedelern finanziell unterstützt wird. 4000 Euro sind im vergangenen Jahr dorthin geflossen. Vorrang bei der Entwicklungshilfe in diesem Bereich haben die alten Erfahrungen und Anbautechniken der Einwohner gegenüber denkbaren europäischen Konzepten. Eine besondere Rolle spielt dabei die Organisation der Landfrauen vor Ort. Swars betonte, wie wichtig auch die Hilfe aus Burgwedel ist, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Der Staat fördert solche Projekte nur zu 80 Prozent und jeweils nur für den Zeitraum von 3 bis 4 Jahren.