10 Prozent mehr Familienberatungen

Sie führen Gespräche, wenn es schwierig wird (v. l.): Beate Menius, Volker Berz und Hans-Jürgen Herrmann sind drei von insgesamt neun Therapeutinnen und Therapeuten, die sich um die Belange der Ratsuchenden kümmern. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Lebensberatungsstelle befasst sich immer häufiger mit konfliktreichen Trennungen

Von Bettina Garms-Polatschek

ISERNHAGEN FB/BURGWEDEL (bgp). Die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark legte am Dienstag ihren Jahresbericht „LebensZeichen“ für das Jahr 2017 vor, der die Arbeit mit Familien, die sich in einem besonders schweren Trennungsprozess befinden, in den Vordergrund stellt.
So hat es im Vorjahr laut Bericht eine gleichbleibende bis steigende Nachfrage nach Beratung gegeben, die sich zu je einem Drittel auf die drei Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Wedemark verteilt war. Die stärkste Zunahme von über 10 Prozent habe sich im Bereich der Familien- und Erziehungsberatungen mit 403 Fällen (inklusive 94 Fortführungsfälle aus Vorjahr/en, in 2016 waren es 353 Fälle inklusive 74 Fortführungen) abgezeichnet, erklärte Geschäftsführer Hans-Jürgen Herrmann bei der Vorstellung der Daten.
Die drei Kommunen lägen weitgehend im Bundesdurchschnitt was die Trennungs- und Scheidungsrate angehe, die Eskalationsstufen seien jedoch deutlich höher als früher. Diese gelte es bei der Beratung deutlich herunterzufahren, betonte Herrmann und verwies auf ein neunköpfiges Therapeutenteam, das sich um die Belange der Ratsuchenden kümmern.
Therapeutin Beate Menius sieht in neuen gesetzlichen Regelungen zum Sorge- und Kindschaftsrecht viele positive Aspekte, erfährt aber in ihrer Arbeit mit Kindern und Eltern, dass die damit verbundenen Regelungen häufig nicht mehr so eindeutig wie früher seien und zu Unsicherheit führten.
Das berge ein deutlich höheres Konfliktpotenzial in sich, welches die Perspektive der Kinder häufig völlig außen vor ließe. „Diesem Umstand wollen wir vermehrt entgegenwirken, indem wir die Perspektive des Kindes in das Blickfeld rücken“, erklärte Menius das Programm Kind im Blick (KiB), das im Oktober des laufenden Jahres starten wird. Kinder seien durch eine Trennung ohnehin stark belastet, sei das Verhalten der Eltern dann auch noch „hoch konflikthaft“, werde es besonders schwer für sie.
Familien- und Sozialtherapeut Volker Berz sind Streitigkeiten, die im Laufe der Beratung regelrecht eskalieren können, ein vertrautes Arbeitsgebiet. Trennungsberatung und entsprechende Gespräche sollten nach Möglichkeit mit beiden Elternteilen zusammen geführt werden. „Da kann es schon mal lauter werden“, merkt er an. Gerade bei den hochstrittigen Paaren sei der Geräuschpegel manchmal sehr hoch.
Für solche Momente ist die Lebensberatungsstelle nicht nur personell, sondern auch räumlich bestens gerüstet. Eigens dafür gibt es einen schallgedämmten Raum mit Akustikdecke. So werde die nötige Diskretion gewahrt, hob Herrmann die Vorteile der neuen Räumlichkeiten im Erdgeschoss hervor. Letzten Endes stehe aber ein Ziel im Vordergrund der Arbeit: „Wir wollen die Kommunikationswege verbessern.“
Auch die Zahl der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatungen habe mit 161 Fällen (2016: 146) zugenommen. „Es gibt zwei neue Kolleginnen für die allgemeinen Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung“, freut sich Hans-Jürgen Herrmann über die Verstärkung im Team. Rechtsanwaltliche Erstberatungen erhöhten sich von 9 (2016) auf 19 Fälle (2017). 270 Ehe- und Lebensberatungen (2016: 296) führten die Mitarbeiter im Vorjahr durch.
Die Termine für ein Erstgespräch seien relativ kurzfristig einzurichten, erklärte der Geschäftsführer, die Folgetermine könnten auch schon einmal mit etwas Wartezeit verbunden sein. Manchmal werde mit den Beratungen auch die Zeit überbrückt, bis beispielsweise eine Psychotherapie oder eine Kurmaßnahme zur Verfügung stehe, fassten Beate Menius und Reinhard Becker aus dem Therapeutenteam zusammen.
Die Lebensberatungsstelle bietet donnerstags auch in den Außenstellen Sprechstunden an, die ohne Anmeldung aufgesucht werden können: Großburgwedel, Gartenstraße 8 (neben der Seniorenbegegnungsstätte, 1. Etage) von 17.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Altwarmbüchen, Wietzeaue 2, Familienzentrum (Erdgeschoss) von 17.00 bis 18.00 Uhr, Mellendorf, Fritz-Sennheiser-Platz 1, Rathaus (2. Etage, Raum 2.31 A) von 17.00 Uhr bis 18.00 Uhr.
Die Hauptstelle in Isernhagen FB, Am Lohner Hof 7 ist montags bis donnerstags von 08.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr sowie freitags von 08.30 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet (Telefon 0 51 39/89 28 28).