TSV Burgdorf greift in eine Wundertüte

Wie stark ist Ricklingen nach dem Exodus?

BURGDORF (mj). An und für sich wäre die Rückrundenpartie zwischen den Sportfreunden Ricklingen und der TSV Burgdorf eines der Topspiele der Fußball-Bezirksoberliga, wie bereits das Hinspiel zeigte, das die Burgdorfer glücklich mit 2:1 gewannen. So treffen am Sonntag mit dem Tabellensechsten aus Ricklingen, der über die drittbeste Heimbilanz verfügt, und dem Zweiten TSV Burgdorf als zweitbesten Auswärtself zwei Teams aufeinander, die zu den spielstärksten Mannschaften gehören. Diese Behauptung hatte noch bis zum Jahresende Gültigkeit, obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt der langjährige Trainer Rainer Behrends den Glauben an eine bessere Zukunft in Ricklingen verloren hatte und dem finanziell arg gebeutelten Verein den Rücken gekehrt hatte.
Was zum Jahresende folgte, glich einem Exodus. Nach der mit Mühe abgewendeten Insolvenz machten bis auf Torhüter Benjamin Schimmel und Ufuk Yildizadoymaz alle Spieler von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch und verließen den Verein. Sie hatten sich aufgrund ausbleibender Aufwands- und Fahrtkostenentschädigung vom Verein schriftlich bestätigen lassen, dass sie die Sportfreunde in der Winterpause verlassen konnten. Es grenzt an ein Wunder, dass es den Sportfreunden in kurzer Zeit gelang, mit Spielern aus der in der 3. Kreisklasse spielenden Reserve sowie A-Junioren und zwölf Neuzugängen aus unteren Klassen überhaupt einen Kader zusammenzustellen.
Mit Wilfried Bergmann, der früher unter anderem den TSV Isernhagen trainierte, gelang es dem finanziell schwer angeschlagenen Klub sogar, einen Trainer zu finden und zu verpflichten. Doch braucht man keine Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass zu den bereits auf dem Konto stehenden 26 Punkten der Ricklinger nicht all zu viele Punkte hinzukommen werden. Als zu leistungsschwach wird die „neue Ricklinger Mannschaft“ eingestuft. „Doch muss jedes Spiel erst einmal gespielt werden“, warnte Burgdorfs Coach Uli Pigulla seine Spieler vor all zu großen Übermut.
„Wir haben nichts zu verlieren. Es gibt nichts interessanteres, als komplett aufzubauen“, verriet Wilfried Bergmann interessierten Fragestellern. Man darf gespannt sein, ob es den Ricklingern gelingen wird, die zu erwartenden Torflut des Tabellenzweiten einzudämmen. „Ich jedenfalls nehme den Gegner ernst. Noch weiß keiner, was die Ricklinger können“, betonte noch einmal der TSV-Trainer.