Trotz vieler Verletzungen reichte es zum 7. Platz

Beim Spiel gegen Serienmeister THW Kiel schafften die Recken um Mait Patrail und Joakim Hykkerud ein überraschendes Unentschieden. (Foto: st)

TSV Hannover-Burgdorf könnte in der nächsten Spielzeit angreifen

BURGDORF (st). Die Rückrunde war besser als die Hinrunde und die Heimbilanz war besser als die Auswärtsergebnisaufstellung. So könnte die Saison 2015/2016 der TSV Hannover-Burgdorf in der DKB Handball-Bundesliga in aller Kürze zusammengefasst werden. Die Spielzeit hat von den Recken allerdings viele Facetten gezeigt und letztlich ist der 7.Platz im Endklassement aller Ehren wert und eine besondere Beachtung verdient die Zuschauergunst, denn die Anzahl der Anhänger, die Handball als publikumsnahe Sportart erkannt haben, ist erheblich gewachsen.
Die Mannschaft um ihren neuen Trainer Jens Bürkle, der von den Rimpar Wölfen verpflichtet wurde und Christopher Nordmeyer ablöste, startete mit Siegen und Niederlagen in die Spielzeit. Gegen die Topteams der Liga mussten Punktverluste hingenommen werden, aber bei lösbaren Aufgaben, wie im Auswärtsspiel bei der HBW Balingen-Weilstetten (30:27), machten die Recken ihre Hausaufgaben. Einen Tiefpunkt erwischte die Mannschaft um Keeper Martin Ziemer im Oktober 2015 im Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig. Der Aufsteiger überraschte die TSV in der Swiss Life Hall und nahm nach einem katastrophale Spiel von Ziemer und Co, beim 31:25-Erfolg beide Punkte mit.
Das anschließende 28:28-Unentschieden bei den Füchsen Berlin entschädigte etwas, aber die bittere Niederlage sollte noch lange ein Gesprächsthema bleiben, denn es blieb die letzte Heimniederlage der Serie. In der Folge stabilisierten sich die Leistungen der Hannoveraner und zum Ende der Hinrunde konnte die Mannschaft mit 18:16-Punkten den 10. Platz sichern. Das Ziel einen Platz unter den ersten zehn Teams der Liga zu schaffen wurde realistisch. Allerdings hatten Lars Lehnhoff und seine Mitspieler auch mit vielen verletzten Spielern zu kämpfen und Bürkle stand zu selten der volle Kader zur Verfügung. Das setzte sich leider aus der Saison 2014/2015 fort und Spieler wie Mait Patrail, Lars Lehnhoff, Torge Johannsen, Morten Olsen, Erik Schmidt und zuletzt Kai Häfner und Runar Karason sind in einem überschaubaren Kader nur schwer zu ersetzen. Die Recken schafften es über weite Strecken aber eindrucksvoll, die Kaderschrumpfung zu kompensieren, das sollten die Ergebnisse der Rückrunde zeigen.
Aufgrund der Insolvenz des HSV Hamburg im Januar wurden die Ergebnisse gegen den HSV gestrichen, das traf auch die TSV, die ein Remis in Hamburg erreichte. Positiv machte sich dann aber der Europameistertitel der Nationalmannschaft Deutschlands bemerkbar und besonders die beiden Europameister Erik Schmidt und Kai Häfner sorgten nicht nur für ansteigende Zuschauerzahlen, sondern auch für viel Interesse an den Handballern in Hannover und Umgebung. Gerade diese beiden Akteure verletzten sich dann aber und konnten ganz starke Vorstellung ihres Teams nur von der Tribüne aus verfolgen.
Die Recken hatten schon mit fünf siegreichen Spielen im Dezember vergangenen Jahres auf sich aufmerksam gemacht und dabei auch das Topteam des MT Melsungen auswärts mit 28:25-Toren bezwungen. Nach der EM war das 29:29-Remis beim späteren Absteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke keine gute Vorstellung, aber die Bürkle-Schützlinge sorgten danach mit dem 25:25 gegen den Meisterschaftskandidaten SG Flensburg-Handewitt für einen starken Heimauftritt. Auch das 30:30-Unentschieden gegen den THW Kiel in der mit 10.000 Zuschauern voll besetzten TUI-Arena sorgte für Euphorie im Lager der TSV. Die Mannschaft blieb dann trotz der vermeidbaren 21:24-Pleite beim Bergischen HC in der Spur und sorgte besonders in den Heimspielen weiter für starke Auftritte, wie beim 25:22-Sieg gegen die Füchse Berlin. Mit dem 28:23-Erfolg gegen TBV Lemgo und der 23:27-Niederlage beim späteren Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen endete die Saison und der angestrebte einstellige Tabellenplatz wurde mit 36:28-Punkten geschafft.
Während die Hinrunde nach der Korrektur der HSV-Ergebnisse mit 17:15-Punkten abgeschlossen wurde, erreichten Sven-Sören Christophersen und seine Mitspieler in der Rückrunde 19:13-Zähler. Die Heimbilanz kann sich mit 24:8-Punkten durchaus sehen lassen, während auswärts mit 12:20-Punkten noch ein wenig die Konstanz fehlt, um eine bessere Platzierung im Endklassement zu erreichen. Das Zuschauerinteresse mit 4155 Zuschauern im Schnitt erhöhte sich im Vergleich zur vorangegangenen Saison um mehr als 600 Besuchern. Eine tolle Bilanz und die TSV hofft, dass eine Steigerung im nächsten Jahr ebenfalls möglich sein wird. Die Dauerkarten für die Spielzeit 2016/2017 sind bereits erhältlich. Hannover-Burgdorf wird fünf Saisonspiele in der TUI-Arena austragen. In elf Spielen blieben die Recken zuletzt in Heimspielen ohne Niederlage und diese Serie soll ausgebaut werden und ist auch den tollen Fans zu verdanken.
Personell wird sich nicht viel ändern. Mit Fabian Böhm kommt ein neuer Spieler vom Konkurrenten HBW Balingen-Weilstetten neu ins Bürkle-Team, das dann noch weitere Alternativen im Rückraum hat. Die Mannschaft bleibt ohne Abgang, denn alle Akteure fühlen sich in Hannover wohl und haben einen bestehenden Vertrag oder ihren Kontrakt verlängert. Damit hat Coach Bürkle einen eingespielten Kader und das könnte in der nächsten Serie ein großer Vorteil sein. Wenn sich kein Spieler ernsthaft verletzt, dann könnte der Blick der Recken sogar auf einen Europapokalplatz gerichtet sein.