Traum oder Wirklichkeit? Die TSV Hannover-Burgdorf ist im Höhenflug

Lars Lehnhoff ist seit 2004 bei der TSV Hannover-Burgdorf und hat den Erfolgsweg mit begleitet. (Foto: Holger Staab)

Ist die TSV Hannover-Burgdorf schon auf dem Weg zu einem Europapokalplatz?

BURGDORF (hs). Es ist schon eine erstaunliche Geschichte, die sich in der Saison 2012/2013 in der DKB Handball-Bundesliga anbahnt. Von der „Grauen Maus“ der Liga, wie Handballexperte Stefan Kretzschmar die TSV oft titulierte, zur Überraschungsmannschaft der Saison. Die TSV Hannover-Burgdorf ist im Jahr 2012 gewachsen, erfolgreich und spielt sich in die Herzen der Handballanhänger. Die beste Saison der Vereinsgeschichte ist es jetzt schon, denn auch im DHB-Pokalwettbewerb haben die Spieler um Trainer Christopher Nordmeyer noch alle Chancen auf das Erreichen des Final-Four in Hamburg.
Ist es ein Traum oder der Lohn harter Arbeit, das mag sich mancher Handballfan der Recken denken, wenn er auf die Tabelle schaut. Schon nach der Hinrunde stellten Kapitän Jan-Fiete Buschmann und seine Mitspieler mit 23:11-Punkten einen Rekord für den Verein auf, der 5. Platz im Zwischenklassement war erreicht und aufgrund des Durchbruchs der 20 Punktemarke auch der Klassenerhalt bereits sichergestellt. Nach den beiden ersten doppelten Punktgewinnen in der Rückrunde noch vor dem Jahreswechsel bei der HBW Balingen-Weilstetten (35:33) und gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke (37:31) stehen jetzt sogar 27:11-Punkte auf dem Konto der Recken. Aber das wird nicht das letzte Ziel für die laufende Spielzeit sein, denn in der Mannschaft steckt eine Menge Potenzial. Das zeigte sie auch in den Spielen gegen die Topteams der Liga.
„Wir machen in dieser Saison weniger leichte Fehler im Angriffsspiel, wodurch die einfachen Gegentore verhindert werden“, meinte Nordmeyer in einem Interview im Dezember 2012 zu den Erfolgen, „zudem sind wir im Abwehrverband deutlich stabiler geworden. Unsere sechs Neuzugänge sind ein wichtiger Teil in diesem Puzzle, das uns bislang gefehlt hat. Sie helfen uns im Angriff und Abwehr oft die richtigen Antworten zu finden.“
Er spricht damit die Transferpolitik der TSV an und bei der hatten Geschäftsführer Benjamin Chatton und Nordmeyer scheinbar das richtige Händchen. Nachdem Asgeir Örn Hallgrimsson, Hannes Jon Jonsson, Nikolas Katsigiannis, Piotr Przybecki und Vignir Svavarsson den Club verließen, wurden mit Juan Andreu, Joakim Hykkerud, Tamás Mocsai, Mait Patrail, Martin Ziemer und Jannis Fauteck sechs Akteure verpflichtet, die sich von Saisonbeginn an in die Mannschaft integrierten und ihr Stabilität und Alternativen gaben.
Die gesamte Mannschaft, jeder einzelne Spieler, hat Spaß am Handball - das merken nicht nur die Zuschauer bei den Heimspielen, sondern das zeigen auch die Ergebnisse in eigener und fremder Halle.
Dennoch ist der Erfolg auch der Lohn harter Arbeit, denn Nordmeyer hat viel Engagement eingesetzt, um das Team dahin zu führen, wo es heute steht. Lars Lehnhoff und Co haben aber auch ein wenig Fortune gehabt und entscheidende Spiele gewonnen. Das ist auch die Aussage von Coach Nordmeyer: „Durch die guten Ergebnisse und knappen Siege zu Saisonbeginn hat die Mannschaft an Selbstvertrauen und Überzeugung gewonnen. Dadurch lassen sich die souveränen Auftritte erklären.“
Dabei war der Höhenflug letztlich nicht ganz zu erklären, denn in den ersten Begegnungen der Saison musste die TSV gerade in den Heimspielen gegen Topmannschaften antreten und musste Niederlagen einstecken. Nach dem 25:20-Auftakterfolg gegen HBW Balingen-Weilstetten folgte beim 28:36 bei TuS Nettelstedt-Lübbecke gleich eine derbe Niederlage und auch die beiden nächsten Heimspiele wurden mit 30:36 gegen den THW Kiel und 26:30 gegen HSV Hamburg abgegeben. Wichtige Erfolge bei TV 1893 Neuhausen (32:31) gegen TV Großwallstadt (31:27) und ein Unentschieden beim MT Melsungen (26:26) hielten die Recken aber in der Spur und sorgten für 7:7-Punkte.
Was dann folgte, war eine Serie von Auftritten, die als erstklassig bezeichnet werden kann. Die beiden Auswärtssiege bei der HSG Wetzlar (31:27) und bei TBV Lemgo (32:30) wurden nur durch die Heimniederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen (26:32) geschmälert, waren aber tolle Vorstellungen, die Mut machten und Selbstvertrauen brachten. Der Durchbruch in höhere Regionen der Tabelle brachte der grandiose 29:28-Sieg gegen das Topteam der SG Flensburg-Handewitt.
Bis auf eine vermeidbare 31:34-Niederlage beim SC Magdeburg zeigten sich Joakim Hykkerud und seine Mitspieler dann aber in guter Verfassung und rückten bis zum Ende der Hinrunde auf den 5.Platz vor. Leistungen, wie beim eindrucksvollen 31:28-Sieg bei Frisch Auf Göppingen oder der 28:27-Sieg bei den Füchsen Berlin, machen Geschmack auf mehr Erfolge in Hannover.
Die Recken der TSV Hannover-Burgdorf machen eine erstaunliche Entwicklung durch und könnten in dieser Serie für weitere Überraschungen sorgen. Wenn die Mannschaft gut aus der WM-Pause, die bis zum Anfang Februar dauert, rauskommt und die Verletzungen von Spielern sich in Grenzen halten, dann ist ein einstelliger Tabellenplatz keine Utopie. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg und die nächsten Aufgaben stehen am 4. Februar beim DHB-Pokalspiel beim HSV Hamburg und am 13. Februar beim Punktspiel in der Sparkassen-Arena bei THW Kiel auf dem Programm. In jedem Fall freuen sich die Handballfans auf die TSV und auf mehr Spitzenhandball in und um Hannover im Jahr 2013.