Trauer um Winfried Hanschke

Winfried Hanschke (rechts) als Schiedsrichter im Gespräch mit Berti Vogts: Der Burgdorfer machte Karriere als Schiedsrichter und Sportrichter. (Foto: Imago)
 
Winfried Hanschke ist im Alter von 84 Jahren gestorben. (Foto: Friedrich-Wilhelm Schiller)

Der ehemalige Bundesligaschiedsrichter und Sportrichter ist im Alter von 84 Jahren gestorben

Von Klaus Depenau

Die niedersächsische Fußballgemeinde trauert um ihr Ehrenmitglied Winfried „Winni“ Hanschke. Der Burgdorfer Fußballfunktionär und ehemalige Bundesligaschiedsrichter verstarb am Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.
„Ich habe mir immer vorgenommen, mich um eine objektive Sichtweise der Dinge zu bemühen“ – diesen Anspruch hat Hanschke Zeit seines Lebens an sich selbst gestellt. Das machte ihn zu einem hervorragenden Schiedsrichter und zeichnete ihn auch später bei seiner Karriere als Sportrichter aus.
Von 1967 bis 1977 wirkte er auf Ebene des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als Schiedsrichter. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erlebte er 1977 als Assistent im Gespann des Hamburger Klaus Ohmsen beim Länderspiel zwischen der Schweiz und der damaligen Tschechoslowakei. Parallel begann er ab 1970 auf Kreisebene eine Karriere in der Sportgerichtsbarkeit. Von 1990 bis 2008 übte er den Vorsitz im Obersten Verbandssportgericht aus. Auch auf Ebene des Norddeutschen Fußballverbandes und des DFB engagierte er sich im Sportgericht.
Seinem Verein TSV Burgdorf hat er sich immer eng verbunden gefühlt. Von 1975 bis 1983 leitete er dort die Fußballabteilung. „Wenn sich Winni Hanschke etwas vorgenommen hatte, dann zog er das durch. Wenn er etwas gesagt hat, dann war das ein Wort“, erinnert sich der stellvertretende Abteilungsleiter der TSV-Fußballer, Walter Eckhoff. Auf seinen Vorschlag hin wurde Winfried Hanschke zum Ehrenvorsitzenden der Abteilung gewählt.
Dass er stets um eine objektive Sichtweise und Gerechtigkeit bemüht war, kommt auch in einer ganz persönlichen Erinnerung aus dem Jahr 1983 zum Ausdruck. Ich selbst war damals Abteilungsleiter beim Rivalen TSV Friesen Hänigsen. Mein Verein hatte Ärger wegen eines Spielausfalls gegen den SV 06 Lehrte. Nach zwei verlorenen Prozessen war unsere letzte Chance, ein Revisionsverfahren vor dem Obersten Verbandssportgericht zu erreichen. In dieser schwierigen Situation war sich Winfried Hanschke – damals noch nicht oberster Sportrichter – nicht zu schade, einem sportlichen Kontrahenten zur Seite zu stehen. Wie selbstverständlich half er mir dabei, den Berufungstext zu formulieren.
Diese Einstellung hat er immer beibehalten: Der Verstorbene machte sich in seiner Tätigkeit als Sportrichter einen Namen, indem er alle Seiten sehr genau abwägte. Trotz seiner eigenen Karriere als Schiedsrichter versetzte er sich immer auch in die Rolle der Spieler und brachte auch Verständnis für diejenigen auf, die des Feldes verwiesen worden waren.
Winfried Hanschke engagierte sich – mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehefrau Sigrid im Rücken – auf vielfältige Art und Weise. Dafür wurde er nicht nur zum Ehrenmitglied des Fußball-Verbandes ernannt, sondern auch vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Auch nach seiner Pensionierung blieb Winfried Hanschke aktiv. Bis zu seinem 80. Geburtstag vor vier Jahren leitete er noch als Geschäftsführer die Geschicke der Wohnungsgenossenschaft Burgdorf.