Recken erlebten deklassierende Rückrunde

Der im Sommer zur TSV gekommene Fabian Böhm spielte eine gute Saison und gehörte zu den Leistungsträgern im Team. (Foto: st)

16 Spiele ohne Sieg kosteten Trainer Bürkle den Job

BURGDORF (st). Was war das für eine Saison der TSV Hannover-Burgdorf? Eine grandiose Hinrunde bis zum letzten Spiel im Jahr 2016 und das Erreichen des 5.Platzes machten Hoffnungen auf den Europapokal. Aber eine beispiellose Niederlagenserie ließ die Recken soweit zurückfallen, dass kurzfristig sogar Abstiegsgefahr drohte. Letztlich konnte die Mannschaft um Trainer Jens Bürkle noch den 11. Platz sichern, aber diese Rückrunde wird die TSV Hannover-Burgdorf nicht vergessen.
Die Monate Februar bis Juni 2017 werden in die Geschichte der TSV Hannover-Burgdorf eingehen. In dieser Zeit konnte das Bundesligateam kein einziges Spiel gewinnen und verließ bei zwei zwischenzeitlichen Unentschieden vierzehnmal als Verlierer den Platz. Eine Serie, die seinesgleichen sucht und die alle Verantwortlichen in Ratlosigkeit zurückließ. Das darf einer Mannschaft, die sich nachhaltig unter den Top-10-Teams der DKB Handball-Bundesliga etablieren will, nicht passieren.
Dabei fing die Spielzeit 2016/2017 vielversprechend an. Gleich am ersten Spieltag gelang den Recken mit dem hohen 34:23-Sieg beim ambitionierten Team FrischAuf! Göppingen ein erstklassiger Start. Die Beibehaltung des alten Kaders und nur die Verstärkung durch Rückraumspieler Fabian Böhm, sowie eine intensive Vorbereitung, schienen Früchte zu tragen. Leider verletzte sich Csaba Szücs kurz vor Saisonstart und konnte auch die gesamte Spielzeit nicht mehr eingesetzt werden. Ein herber Verlust, wie sich später herausstellen sollte.
Nach vier Spieltagen hatte die Mannschaft um Bürkle 6:2-Punkte erreicht und erst dann sollten kleine Rückschläge folgen. Die herbe 20:30-Pleite beim TVB 1898 Stuttgart, eine knappe Heimniederlage gegen die Füchse Berlin (29:30) und die bittere Auswärtsniederlage bei HBW Balingen-Weilstetten (27:30) warfen das Team aber nur kurzfristig zurück.
Die Recken zeigten Charakter und schafften aus den folgenden sechs Begegnungen 10:2-Punkte. Die knappe 26:27-Niederlage beim THW Kiel fühlte sich dabei fast wie ein Sieg an und der geschichtsträchtige 37:22-Erfolg beim SC Magdeburg war eine Demonstration der hannoverschen Qualität.
Im Dezember letzten Jahres lief es nicht mehr ganz so rund. Neben der bitteren Pokalniederlage im Viertelfinal beim SC DHfK Leipzig gab es Licht und Schatten. Immerhin konnten die wichtigen Partien beim TBV Lemgo (31:26), gegen VfL Gummersbach (29:26) und das erste Spiel der Rückrunde gegen FrischAuf! Göppingen (31:23) siegreich gestaltet werden. Die TSV Hannover-Burgdorf kämpfte sich mit 22:14-Punkten auf den 5.Platz des Zwischenklassements vor und hatte die Chance, um die Europapokalplätze mitzuspielen.
Was dann nach der EM-Pause ab Februar 2017 passierte, ist auch heute noch nicht zu erklären. Die knappe Startniederlage mit 26:27-Toren bei HC Erlangen und die darauffolgenden Pleiten gegen den späteren Meister Rhein-Neckar Löwen (26:30) und das Topteam der SG Flensburg/Handewitt (25:30) waren erklärlich. Leider manövrierten sich die Recken dann aber in eine Abwärtsspirale, aus der sie bis zum Saisonende nicht mehr herauskamen. Die Bilanz aus den letzten 16 Spielen waren 14 Niederlagen und 2 Unentschieden und damit nur zwei Pluspunkte und kein Sieg.
Teilweise machten die Spieler um Casper Mortensen gute Spiele und kämpferisch war das Team bis vier Spieltage vor dem Saisonabschluss ebenfalls bemüht, aber es sollte kein Erfolg mehr gelingen. Die ernüchternde Bilanz nach einer starken Hinrunde ist in der Endabrechnung Platz 11 mit nur zwei Punkten Abstand zu einem Abstiegsplatz. 24:44-Punkte und ein Torverhältnis von 935:954-Tore reichten letztlich für den Klassenerhalt, mehr aber auch nicht.
Die einzige Statistik in der die Recken gut waren, war die der Zuschauerzahlen. Mit durchschnittlich 5116 Besuchern waren die Swiss Life Hall und die TUI-Arena gut ausgelastet und die TSV hatte den sechstbesten Schnitt der Ligateams. Zudem konnte Kai Häfner mit 166 Feldtoren einen vorderen Platz in der Torschützenliste der Feldtorschützen einnehmen. Rund um die Rückrundenbilanz, bei den Gegentoren, Zeitstrafen und weiteren Bilanzen belegten die recken nur hintere Plätze. Kein Wunder bei der schwachen Rückrunde.
Vor einem der letzten Partien der Recken in der zu Ende gegangenen Spielzeit sagte Kapitän Torge Johannsen zur Unterstützung der Recken-Fans von den Tribünen: „Wir wollen am Ende dastehen und sagen können: Wir haben es geschafft, uns bei den Fans zu bedanken, für das, was sie uns in den letzten Spielen und in der ganzen Saison gegeben haben. Das war einmalig. Wir können es schaffen, mit den Fans einen Sieg zu feiern – wofür sie wieder und wieder in die Halle gekommen sind. Das hat Prio eins!“ Diese Aussage sagte viel über den Gemütszustand der Mannschaft nach der langen Misserfolgsserie und zeigt auch, welche Enttäuschung nach den letzten beiden Pleiten gegen TBV Lemgo und dem Bergischen HC vom Team und dem Umfeld zu verkraften war.
Die Absetzung vom akribischen Arbeiter und starken Sportwissenschaftler Bürkle war nicht mehr zu vermeiden. Damit die Mannschaft in der Mitte Juli beginnenden Vorbereitung einen neuen Anfang machen kann, war das alternativlos. Es musste eine Veränderung geschaffen werden, auch wenn sie vielen wehgetan hat und Bürkle sicherlich mit erhobenem Haupt Hannover verlassen kann.
Für die neue Saison, die Ende August beginnen wird, hat sich die TSV mit drei etablierten Spielern verstärkt. Nach dem Abgang der Kreisläufer Erik Schmidt und Joakim Hykkerud sowie Csaba Szücs werden mit Evgeni Pevnov vom VfL Gummersbach und Ilija Brozovic vom THW Kiel zwei Kreisspieler die Abgänge ersetzen. Mit Pavel Atmann vom Champions-League-Teilnehmer Meshkow Brest hat die TSV einen starken Spielmacher verpflichtet. Alle drei Akteure können das Team verstärken.
Die alte Saison ist Geschichte, die Vorbereitungen auf die neue Serie hat in vollem Umfang begonnen. Die Spieler der Mannschaft haben jetzt zunächst bis zum 13. Juli Pause. In der Geschäftsstelle der TSV wird aber noch eifrig gearbeitet, denn die Dauerkartenbestellungen laufen, die Planung des neuen Spielplanes und alle Maßnahmen außerhalb der Spielfläche für tolle Handball-Events müssen in die Wege geleitet werden.