„Nur in Europa-League wird Geld verdient“

96-Boss Martin Kind im Interview mit Sport 1 und dem Kicker. (Foto: Oliver Krebs)

96-Boss Martin Kind setzt auf regionale Investoren

REGION HANNOVER (ok). „Nur in der Europa-League kann richtig Geld verdient werden, aber wenn wir sie in diesem Jahr nicht erreichen, geht die Welt auch nicht unter“. Vereinspräsident Martin Kind sprach beim Neujahrsempfang des Bundesligisten Hannover 96 in Großburgwedel wie so oft Klartext und zeigte vor allen Dingen die wirtschaftliche Entwicklung und die Rahmenbedingungen der Erstligakicker auf. So hätten die Auftritte auf europäischer Ebene etwa 80 Millionen Euro in die Kassen des Vereins gespült. Das Sportliche streifte er nach dem spektakulären 4:5 auf Schalke nur am Rande, sagte, dass der Mannschaft die Konstanz noch fehle, das Duo Slomka und Schmadtke aber für sportliche Kontinuität und Verantwortung stehe.
Das „Premium-Produkt“ 1. Mannschaft stehe für Erfolg und Nicht-Erfolg des gesamten Vereins. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg der vergangenen beiden Jahre sei er „voll umfänglich“ zufrieden, aber in der Bundesliga könne in Hannover kein Geld verdient werden. „Die Wirtschaftskraft in der Region ist einfach zu gering, um Umsätze zu erzielen“, so Kind mit einem Blick auf den HSV in der finanzstarken Hansestadt. Aber Hannover 96 sei jetzt zumindest an einem Punkt angekommen, an dem die Zukunft aus eigenen wirtschaftlichen Ressourcen entwickelt werden könne, zumindest teilweise. Kind setzt auf regionale Investoren, 40 Prozent des Haushaltes eines Bundesligisten werden seiner Ansicht nach durch Sponsoren gedeckt. Deshalb verfolge er auch auf längere Sicht das Ziel, die Kommanditgesellschaft Hannover 96 zu einer „nationalen Marke“ zu entwickeln; die Gestaltungsmöglichkeiten müssten dem Verein wie allen anderen auch dabei offen gelassen werden, so der vehemente Gegner der so genannten „50+1-Regel“. Die erlaubt es Kapitalanleger nicht, die Mehrheiten in ausgelagerten Profimannschaften zu übernehmen, die als Kapitalgesellschaften am Markt auftreten.
Stichwort Fankultur: Die Fans müssten sich noch mehr mit dem Verein identifizieren, auch wenn ein Zuschauerschnitt von 43.000 bis 44.000 pro Spiel recht zufriedenstellend sei.
Zum Thema Fankrawalle sagte Kind, dass ein Dialog eine Zweibahnstraße sei, die Fans in der Verantwortung stünden und Selbstkontrolle üben müssten. Die fünf Euro Preiserhöhung in den zwei Ultrablocks beim nächsten Euro-Spiel seien eher symbolisch zu sehen; die 70.000 Euro Strafe deckten sie keineswegs.
Eine riesige Baustelle ist für den Unternehmer das Nachwuchsleistungszentrum an der Clausewitzstraße, das diesen Namen nicht verdiene. Hannover 96 liege damit in der Bundesliga auf einem der letzten beiden Plätze. Das Thema sei aber bereits angepackt worden, Gespräche mit der Stadt Hannover liefen.