Neuer Fußballverein Grün-Weiß Burgdorf - Heeßel kommt jetzt doch nicht zu Stande

Ein Beitrag von Klaus Depenau - Bereits nach dem Kennenlernen erfolgte schon wieder die Trennung vor der Fußball-Ehe . . .

BURGDORF/HEESSEL. Als Heeßels 1. Vorsitzender Rüdiger Zach und sein Burgdorfer Vorstandskollege Markus Wzietek mit dem Votum ihrer Mitglieder vom Heeßeler SV und der Fußball-Abteilung der TSV Burgdorf vor einem Jahr die Kooperation beider Fußball-Herrenbereiche zum neuen Burgdorfer Fußballverein Grün-Weiß Burgdorf-Heeßel in die Wege leiteten und den neuen Klub am 3. Juli mit der Eintragung ins Vereinsregister besiegelten, da schien die Welt noch in Ordnung.
Die beiden Vorsitzenden mögen sich dabei an die Worte von Willy Brandt, dem populären Alt-Kanzler der 70er Jahre erinnert haben, der anlässlich des Mauerfalls vom 9. November 1989 die bereits legendären Worte aussprach: "Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört."
Groß waren die Erwartungen, die nicht nur die Mitglieder beider Vereine, sondern auch die beide Vorsitzenden in die geplante Kooperation setzten. Von der Bündelung der Kräfte, bis hin zu der Förderung des Leistungssports sowie der Gewinnung von neuen Sponsoren war die Rede.
"Das ist eine historische Stunde", fand auch Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann in seinen Grußworten bei der entscheidenden Versammlung des Heeßeler SV über die Bedeutung dieses Schrittes.
Als dann auch noch 96-Präsident Martin Kind vor einem Jahr beim Dreikönigstag anlässlich des Neujahrsempfang 2015 der Burgdorfer CDU als Ehrengast in seinem Festvortrag den Fußballern des Heeßeler SV und der TSV Burgdorf ein Lob zur angestrebten Fusion aussprach, um so ihre vorhandenen Stärken unter einem gemeinsamen Dach zusammenzuführen, da war der Jubel groß.
Nun konnte dem Anschein nach nichts mehr schief gehen, um ab der Saison 2016/2017 als neuer Fußballverein Grün-Weiß Burgdorf-Heeßel den geplanten Aufstieg in die Oberliga ins Visier zu nehmen. "Wir waren auf einem sehr guten Weg. Die Gespräche zwischen beiden Vereinen verliefen in positiver und angenehmer Atmosphäre", bestätigte Markus Wzietek.
Nie und nimmer hätte Burgdorfs Fußballchef daran gedacht, dass noch etwas schief gehen könnte mit der geplanten Fusion. Bevor es aber zur Heirat kam, platzte bereits die Verlobung.
"Mein Kollege Rüdiger Zach hat mich darüber informiert. dass die geplante Fusion nicht zu Stande kommen würde," sagte Markus Wzietek auf Anfrage des MARKTSPIEGEL. Eine Stellungnahme von Heeßels 1. Vorsitzenden Rüdiger Zach kam trotz mehrfacher Bitte des MARKTSPIEGEL leider nicht zu Stande.
Dem Vernehmen nach soll sich Heeßels 1. Vorsitzender darüber geärgert haben, dass in einem anonymen Brief Niklas Mohs als künftiger Trainer des Fusionsvereines Grün-Weiß Burgdorf-Heeßel aufs das übelste diffamiert worden war. Dass Markus Wzietek das Pamphlet, das übrigens auch dem MARKTSPIEGEL vorliegt, an seine Burgdorfer Vorstandskollegen weiterleitete, habe ihn geärgert und zu einem starken Vertrauensverlust geführt", sagte Rüdiger Zach in einem Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
So wurde dann kurzfristig die geplante Vereinshochzeit abgesagt, so dass man sich die Scheidungskosten sparte. Den beiden Vorsitzenden und den handelnden Personen nun aufgrund der gescheiterten Fusion Vorwürfe zu machen, wäre zu einfach. Außer der Tatsache, dass sie wohl etwas zu blauäugig an die Sache herangegangen waren.
Von vornherein waren die Bedenken gegen die so unterschiedlich strukturierten Vereinen bei vielen Mitgliedern sehr groß. Doch hätten sich die Bedenkengeber spätestens in den Mitgliederversammlungen offenbaren müssen und sich nicht in Schweigen hüllen sollen oder sogar ihre Zustimmung zum neuen Verein zu geben.
Noch schlimmer waren die Heckenschützen oder gar der anonyme Briefschreiber, der in Selbstmitleid zerfloss, dass er als Mitglied beider Vereine seine Identität nicht preisgeben dürfe, doch leider Recht hatte, als er bereits am 12. Dezember die Chancen auf eine Fusion auf weniger als ein (!) Prozent betitelte.
Der Imageschaden für beide Vereine lässt sich nicht verleugnen. Doch hat Burgdorfs Urgestein Walter Eckhoff recht, wenn er sagt: "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Ende ohne Schrecken. Bereits meine Großmutter hat gesagt: 'Wenn eine Tür zugeht, geht eben eine andere Tür auf'. Unser ganzes Augenmerk muss nun ab sofort darauf liegen, dass es im Herrenbereich bei der TSV Burgdorf weiter aufwärts geht. Bei unserer Jugend haben wir den Umschwung bereits geschafft. Die Jugendabteilung boomt. Der Zulauf ist enorm."
Zuversicht macht sich auch beim Heeßeler SV trotz der geplatzten Fusion breit, wo der Spielbetrieb in Zukunft aber ohne ihren Obmann Helmut Eysser auskommen muss, der sein Amt als Spielausschussobmann mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat. "In Zukunft werden wir wieder auf unserer vertrauten eigenen Anlage in Heeßel unsere Punktspiele austragen.
Die Aufgaben als Spielausschussobmann werde ich ab sofort zusätzlich neben meiner Trainertätigkeit beim Heeßeler SV wahrnehmen", verriet Niklas Mohs gegenüber dem MARKTSPIEGEL.