Michael Frontzeck ist neuer Chefrainer bei Hannover 96

Jürgen Vasterling aus Burgdorf gewinnt die beiden Sitzplatz-Tickets gegen TSG 1899 Hoffenheim

HANNOVER (kd). Über Hohn und Spott der Fans im Netz brauchten sich die Spieler von Hannover 96 nach der blutarmen Vorstellung bei ihrer 0:4 (0:2)-Niederlage vor 29.482 Zuschauern in der Leverkusener Bay-Arena nicht zu beklagen. „Was für eine geile Liga. Hamburger SV, Hannover 96, Eintracht Braunschweig und Arminia Bielefeld - alles Traditionsvereine, die nur wenige Kilometer voneinander trennen. Das sind Derbys, die elektrisieren und auf die wir gewartet haben, hieß es in den Internetforen.“ Nur fehlte der Zusatz, dass es sich in der kommenden Saison dann um Partien in der 2. Bundesliga handeln würde.
Wer die völlig überforderten Profis aus Hannover bei ihrer Niederlage in Leverkusen gesehen hat, der müsste eigentlich zu der Erkenntnis gelangen, dass ein Abstieg eher einer Erlösung für eine 96-Mannschaft gleichkäme. Beim Tabellendritten kassierten die 96er durch Tore von Ömer Toprak mit einem Kopfball nach Ecke von Hakan Calhanoglu (20.), Julian Brandt nach Zuspiel von Stefan Kießling (40.), Kyriakos Papadopoulos mit einem Volleyschuss (49.), wiederum nach Zuspiel von Stefan Kießling, sowie Stefan Kießling selber (70.), allerdings aus einer Abseitsposition von Lars Bender heraus, eine in der Höhe noch schmeichelhafte 0:4 (0:2)-Niederlage.
Auch die Begleiterscheinungen während des Spiels und nach der Partie lassen wenig Hoffnungen auf eine Besserung zu. Was soll man von von einer 96-Mannschaft halten, die während der gesamten Spielzeit lediglich einen torgefährlichen Schuss von Hiroshi Kiyotake in der 84. Minute fertig brachte, der beim Stande von 4:0 für den Gegner nur knapp das linke Toreck verfehlte. 11:0-Ecken und 25:5-Torschüsse sind ein weiterer Beleg für die Dominanz der Werkself. Über den Auftritt der „Roten“ gibt es auch ansonsten nichts Positives zu berichten. Da zoffte sich der erst in der 68. Minute für Ceyhun Gülselam eingewechselte Manuel Schmiedebach nach dem Abpfiff vor den treuen Fans noch auf dem Spielfeld mit seinen Mannschaftskameraden Leon Andreasen. Großes Vertrauen scheint auch Präsident Martin Kind nicht mehr in seine Kicker zu setzen, wenn man den Presseberichten Glauben schenken darf, dass der am 28. April vor seinem 71. Geburtstag stehende 96-Chef bereits nach dem 4:0 vorzeitig die Bay-Arena verließ, um den Heimweg anzutreten.
Die Treuebekenntnisse von Martin Kind für seinen Trainer Tayfun Korkut, wenigstens bis zum Saisonende weiter als Trainer bei Hannover 96 arbeiten zu können, erledigten sich am Montagmorgen. So wurde das von Tayfun Korkut für 10 Uhr angesetzte Training abgesagt und eine Laufeinheit absolviert. Gleichzeitig gab der Klub die sofortige Trennung von seinem Cheftrainer bekannt.
Das Amt des Cheftrainers wird Michael Frontzeck übernehmen. Der 51 Jahre alte Fußballlehrer und Ex-Nationalspieler erhält einen Vertrag bis zum Ende der laufenden
Saison. „Michael Frontzeck hat als neuer Cheftrainer unser volles Vertrauen, die Mannschaft zum Klassenerhalt zu führen. Es geht in den verbleibenden Spielen ausschließlich um das Ziel, dass Hannover 96 in der Bundesliga bleibt", erklärt 96-Präsident Martin Kind.
„Michael Frontzeck kann sofort einsteigen, um die Mannschaft auf das wichtige Heimspiel am Samstag gegen Hoffenheim vorzubereiten. Er kennt die Bundesliga und verfügt über vielfältige Erfahrungen. Ich bin davon überzeugt, dass er mit der Mannschaft die Saison erfolgreich beendet", so 96-Sportdirektor Dirk Dufner.
Frontzeck arbeitete bereits in der Saison 2004/05 als Co-Trainer von Chefcoach Ewald Lienen für Hannover 96. Anschließend war er als verantwortlicher Cheftrainer für Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld, Borussia Mönchengladbach sowie den FC St. Pauli tätig. Als Profi bestritt Frontzeck 19 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft sowie 436 Bundesligaspiele (37 Tore) für Borussia Mönchengladbach, den VfB Stuttgart, den VfL Bochum und den SC Freiburg. In der englischen Premier League war er für Manchester City aktiv.
Auf Frontzeck kommt eine Herkulesaufgabe zu. So blieb Hannover 96 in nun 13 aufeinanderfolgenden Spielen im Jahr 2015 bereits ohne einen Sieg und ist auch von der Punktausbeute das mit Abstand schwächste Rückrundenteam. Glück im Unglück für die 96er, dass die Mitbewerber im Kampf um den Klassenerhalt, wie der Hamburger SV, VfB Stuttgart, SC Paderborn 07 und der SC Freiburg, am Wochenende ebenfalls ihre Spiele verloren, so dass sich zum Glück für die „Roten“ an der Tabellenlage nichts geändert hat.
Allerdings ist es am Sonnabend (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim an der Zeit, endlich einmal als Sieger die HDI-Arena zu verlassen. Selbst ein Punktgewinn wäre zu wenig, da von den weiteren Abstiegsaspiranten zumindest der VfB Stuttgart oder der SC Freiburg punkten werden, die am Sonnabend in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena aufeinandertreffen. Von Vorteil für Hannover 96 könnte sich am Samstag im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim die Tatsache erweisen, dass die Gäste nicht erst seit ihrer jüngsten 0:2-Niederlage gegen den FC Bayern München nun schon seit vier Spielen auf einen Sieg warten. Für die Hoffenheimer zählt als derzeitiger Tabellenachter mit 37 Punkten daher in Hannover nur ein Sieg, um den begehrten Qualifikationsplatz für die Europa League zu erreichen. Allerdings fehlen der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol, die das Hinspiel mit 4:3 (2:1) gewann, mit Kevin Volland und Andreas Beck zwei wichtige Spieler wegen ihrer fünften gelben Karte. Bei den 96ern müssen Ceyhun Gülselam und Hiroki Sakai aus dem gleichen Grund zuschauen. Auch Leonardo Bittencourt wird mit einem Muskelfaserriss verletzungsbedingt fehlen. Zum Glück ist Salif Sanè nach seiner Gelb-Sperre wieder dabei.
Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für das fünftletzte Saisonspiel für Hannover 96, bei denen auch die Ultras ihre Rückkehr in die HDI-Arena ankündigten, um ihre „Roten“ im Kampf um den Klassenerhalt die nötige Unterstützung zukommen zu lassen.
Live dabei beim 1. Abstiegs-Endspiel der „Roten“ gegen die TSG 1899 Hoffenheim am Sonnabend in der (ausverkauften?) HDI-Arena ist auch Jürgen Vasterling aus Burgdorf. Er hatte wie neun andere Teilnehmer/innen bei unserem Ergebnis-Tipp-Gewinnspiel die 0:4-Pleite der 96er in Leverkusen richtig vorhergesagt und per Zufallsgenerator die beiden Sitzplatz-Tickets gewonnen.