Kommt 96 wieder auf Kurs?

Sven Grabbe aus Lehrte gewinnt die Sitzplatz-Tickets gegen 1860

REGION. Bei Hannover 96 lagen die Nerven spätestens nach dem blutleeren 0:2-Auftritt beim Tabellensechszehnten Karlsruher SC blank. Noch in der Nacht auf der Rückfahrt im Bus beschwerte sich der Mannschaftsrat bei Trainer Daniel Stendel über zu hartes Training, menschliches Versagen und taktische Fehler. Nur wenige Stunden später zog der Aufsichtsrat im Großburgwedeler Kokenhof die „Reißleine“: Doch statt der zu erwarteten Trennung von Coach Stendel „schassten“ die Verantwortlichen den Geschäftsführer Sport, Martin Bader, und den sportlichen Leiter Christian Möckel, die in Hannover nie die nötige Akzeptanz fanden und präsentierten gleichzeitig Horst Heldt als neuen, starken Manager des zurzeit krisengeschüttelten Clubs. Und der nahm gleich die Luft aus weiteren Spekulationen um Daniel Stendel: „Der Trainer sitzt auch am Samstag im Heimspiel gegen den TSV 1860 München auf der Bank.“
Für ein vorübergehendes Beruhigungsmittel in Form einer Punkteteilung musste dann im Montagspiel ausgerechnet Erzfeind Eintracht Braunschweig sorgen, der im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart nicht über ein 1:1 (1:1)-Unentschieden hinauskam, was mit an einem verschossenen Foulelfmeter von Braunschweigs Mirko Boland (32.) lag. Durch den verpassten Sieg verbleiben die Löwen aus Braunschweig mit 41 Zählern auf dem für den Aufstieg bedeutungslosen 4. Tabellenplatz stehen, während Hannover 96 als Tabellendritter wenigstens noch einen zum Aufstieg berechtigten Relegationsplatz belegt.
Auf den direkten Aufstiegsplätzen konnten sich der VfB Stuttgart (48 Zähler) und der 1. FC Union Berlin mit 44 Punkten behaupten. Wie es bei Hannover 96 weitergeht, werden bereits die kommenden Spiele belegen, bei denen es die 96er am kommenden Sonnabend um 13 Uhr in der HDI-Arena mit dem Tabellenvierzehnten TSV München 1860 zu tun haben. Danach geht es am Sonnabend, 18. März, um 13 Uhr zum wieder erstarkten Tabellenfünfzehnten FC St. Pauli Hamburg.
Nach einer Länderspielpause trifft Hannover 96 in einem gemeinsames Benefiz-Testspiel am Donnerstag, 23. März 2017, ab 18.30 Uhr in der HDI-Arena auf den Bundesligisten FC Schalke 04. Am Sonnabend, 1. April, folgt dann ab 13 Uhr im Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin die Probe aufs Exempel, da es die 96er dann mit dem neuen Tabellenzweiten mit einer echten Spitzenmannschaft zu tun haben.
Ob Trainer Daniel Stendel beim Tabellendritten dann noch als Chefcoach eine Zukunft hat, erscheint unabhängig von den künftigen Ergebnissen, mehr als fraglich. Zwar erklärte der neue 96-Manager Horst Heldt, der als ehemaliger Sportdirektor vom VfB Stuttgart und FC Schalke 04 über exzellente Kontakte verfügt, dass er sich noch mit dem Mannschaftsrat zusammen setzen wolle, um sich ein Bild zu verschaffen. Doch ist die Frage berechtigt, was das bewirken soll, wenn ein leitender Manager, wie es bei Horst Heldt der Fall ist, seine angestellten Spieler befragt, wie sie mit der Arbeit ihres leitenden Angestellten, sprich Trainers, zufrieden sind.
Auch ist die Frage erlaubt, welche Aufgabe in Zukunft Martin Andermatt als Aufsichtsratsmitglied wahrnehmen wird, der als Kontrollperson für die Verpflichtung von Spielern gedacht war, die Martin Bader und Christian Möckel verpflichten wollten. Muss Horst Heldt in Zukunft seine geplanten Neuzugänge von Martin Andermatt absegnen lassen. Eine interessante Frage ist auch die Rolle, die der Aufsichtsrat mit seinem dominanten Vorsitzenden, dem Altkanzler Gerhard Schröder, einnehmen wird, der in der Personalie Bader und Möckel bereits eine entscheidende Rolle spielte. Für genügend Gesprächsstoff ist in den nächsten Tagen bereits gesorgt.
Nun richtet sich der Fokus aber erstmal auf das kommende „Schicksalspiel“ von Trainer Stendel gegen den TSV 1860 München am kommenden Samstag. Mit dabei ist Sven Grabbe aus Lehrte, der als Einziger(!) die 0:2-Klatsche der „Roten“ in Karlsruhe richtig tippte und somit die beiden Sitzplatz-Tickets gewonnen hat. Klaus Depenau