Kann sich Hannover 96 noch aus dem Abstiegsstrudel retten?

HSV ist nach schwacher Rückrunde noch längst nicht gerettet

HANNOVER (kd). Die Anhänger von Hannover 96 sollten am Sonnabend die Gelegenheit nutzen, die HDI-Arena aufzusuchen, wenn sie noch einmal einen Hauch von Bundesliga genießen wollen. Nur noch sieben Spiele bleiben Hannover 96. Dann ist nach 14 Jahren Schluss mit der Bundesliga bei den „Roten“.
Den „Blattschuss“ bekam die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf vor zehn Tagen durch die 0:1-Niederlage bei Eintracht Frankfurt versetzt. 10 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz und das mit Abstand schlechteste Torverhältnis aller Abstiegskandidaten lassen selbst bei den Edelfans der Roten keine Hoffnung mehr aufkommen, dass es noch etwas mit dem Wunder von der Leine wird, wobei die 96-Anhänger sich nur all zu gerne an den letzten Spieltag der abgelaufenen Saison erinnerten, als ihre Mannschaft gerade noch im letzten Moment durch einen 2:1-Sieg über den SC Freiburg das rettende Ufer erreichte und stattdessen die Breisgauer in die 2. Liga schickten.
Nun müssen sich die 96er mit dem Abstieg vertraut machen, doch will man davon weder vom Manager noch vom Trainer etwas hören, obwohl die Planungen für einen Neuaufbau längst laufen müssten. Bis vergangenen Montag sollte spätestens die Entscheidung fallen, ob Trainer Thomas Schaaf im Falle des Abstiegs die 96-Mannschaft auch in der 2. Liga trainieren würde. Doch blieb der 54-jährige frühere Bremer Meistermacher die Antwort bisher schuldig. Um so unverständlicher, dass man sich bei den Verantwortlichen aus Hannover noch immer in Gelassenheit übt. Wohl immer noch darauf hoffend, dass zu Hause der berühmte Knoten bald platzen wird und die Spiele gegen Mitabstiegskonkurrenten, wie am Sonnabend um 15.30 Uhr in der HDI-Arena gegen den Hamburger SV und danach gegen FC Ingolstadt 04 (A) und TSG Hoffenheim (H) gewonnen werden und aus den Spielen gegen Gegner mit Ambitionen auf die Champions-League oder Europa League, wie Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, FC Schalke 04 und FC Bayern München, mindestens auch noch zwei oder drei Spiele gewonnen werden.
Da ist schon eher die Antwort auf die Frage interessant, welche von nunmehr zehn abstiegsgefährdeten Mannschaften, wie 1. FC Köln (33 Punkte), FC Ingolstadt 04 (33 Punkte), VfB Stuttgart (32 Zähler), Hamburger SV (31 Punkte), SV Darmstadt 98 (28 Punkte), Werder Bremen (28 Zähler), FC Augsburg (27 Punkte), TSG Hoffenheim (27 Zähler) und Eintracht Frankfurt (27 Punkte), die Elf von Hannover 96 (17 Punkte) auf dem Weg in die 2. Liga begleiten werden.
Interessant, dass auch mit dem Hamburger SV erneut ein Verein in den Fokus der Abstiegskandidaten gerückt ist, von dem man noch vor Monaten glaubte, dass die Hamburger aus den Fehlern der Vergangenheit ihre Lehren gezogen hätten. So gehört der HSV neben Eintracht Frankfurt und Hannover 96 zu den schwächsten Rückrundenmannschaften. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia trennte bereits elf Punkte vom gefürchteten 16. Rang und damit einem Relegationsplatz, auf dem die Rothosen in den vergangenen beiden Jahren landeten. Doch nur zwei Siege aus den dann folgenden 13 Spielen verdeutlichen eindeutig die Abwärtstendenz bei den Hamburgern. Auch die Rückrundenbilanz mit nur neun Punkten entspricht in etwa die der von Hannover 96 und damit einem potenziellen Abstiegskandidaten.
Der HSV-Mannschaft ist das Bemühen zwar nicht abzusprechen. Doch fehlt die Qualität im Abschluss. Weder die zuletzt vom HSV-Trainer eingesetzten Artjoms Rudnevs, noch Ivo Ilicevic, erwiesen sich als Torgaranten. Da auch der mit 6 Saisontreffern nach Mittelfeldspieler Nicolai Müller (7 Tore) erfolgreichste HSV-Torjäger Pierre-Michael Lasogga derzeit nur auf der Bank schmort und höchstens in den Schlussminuten als Einwechselspieler Berücksichtigung findet, rumort es beim HSV wieder einmal kräftig, obwohl mit dem in der Winterpause von Borussia Mönchengladbach ausgeliehenen Josip Drmic aufgrund eines Knorpelschadens ein Angreifer längerfristig ausfällt und dadurch der Konkurrenzkampf um freie Plätze im Angriff nicht vorhanden ist und somit eigentlich Ruhe herrschen sollte. Das ist aber nicht der Fall, was am Sonnabend im Nordderby für den Tabellenletzten aus Hannover sprechen könnte. So haben die „Roten“ plötzlich Gefallen am Toreschießen gefunden. Zwar nur in Freundschaftsspielen, wie beim 9:4- Sieg über den Heeßeler SV und dem 4:1-Sieg unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Barsinghausen gegen den FC St. Pauli. Daraus lässt sich eines schließen. Was in Testspielen möglich ist, könnte auch in Bundesligaspielen zur Realität werden. Am besten bereits am Sonnabend in der HDI-Arena gegen den Hamburger SV.