Kann Hannover 96 Union Berlin vom Thron zu stoßen?

Schwere Aufgaben in den kommenden zwei Heimspielen

HANNOVER (kd). Noch hängt bei Hannover 96 nach dem Trainerwechsel von Daniel Stendel zu Andrè Breitenreiter der Himmel voller Geigen. Dabei hat der neue 96-Coach mit seiner Mannschaft noch gar kein Pflichtspiel absolviert. Doch ist es jetzt der Flachs, der blüht. Oder es sind Kleinigkeiten, die für eine gute Stimmung im Umfeld der „Roten“ vor dem Doppelspieltag mit den beiden Heimspielen in der HDI-Arena am Sonnabend, 1. April, um 13 Uhr gegen den Tabellenführer 1. FC Union Berlin und am Dienstag, 4. April, um 17.30 Uhr gegen den 1. FC Nürnberg sorgen.
„Ich habe gute Kombinationen gesehen bei unserem 3:1-Sieg im Testspiel gegen Schalke 04. Das hat mir gefallen, auch in der Spieleröffnung“, sagte Horst Heldt, der zusammen mit seinem neuen Trainer darauf hofft, dass in den für den Aufstieg entscheidenden letzten neun Spielen die Leichtigkeit bei den „Roten“ wieder zurückkehrt, die der Mannschaft offensichtlich zuletzt verloren gegangen war.
Nicht so allerdings beim Testspielsieg gegen Schalke 04, was Horst Heldt zum Anlass nahm, vor den beiden Heimspielen für gute Laune bei seinen Spielern und auch den Fans zu sorgen. „Wir haben immerhin einen Viertelfinalisten im Europapokal geschlagen“, freute sich der neue 96-Manager, um sich dann wieder ganz auf die kommenden schweren Aufgaben zu konzentrieren. „Doch Spaß beiseite. Es waren Kleinigkeiten, die mir gefallen haben. Zum Beispiel, dass beide Stürmer getroffen haben. Das gibt Selbstbewusstsein, das wir für den Endspurt brauchen.“
Und da kommt es für Hannover 96 in den noch ausstehenden Spielen knüppeldick. Zumal die aktuelle Tabelle noch gegen die Mannschaft von Trainer Andrè Breitenreiter spricht. Mit 46 Punkten belegen die 96er derzeit einen für den Aufstieg bedeutungslosen 4. Tabellenplatz. Einen Punkt mehr weist Eintracht Braunschweig mit 47 Punkten als Tabellendritter auf, was wenigstens zu einem Relegationsspiel um den Aufstieg berechtigen würde. Die beiden direkten Aufstiegsplätze nehmen der Tabellenzweite VfB Stuttgart mit 49 Zählern und der Spitzenreiter 1. FC Union Berlin ein, der am Sonnabend ab 13 Uhr in der HDI-Arena nicht nur seinen 2:1-Hinspielsieg wiederholen möchte, sondern auch seine Rückrundenbilanz als beste Mannschaft der 2. Liga mit 22 Punkten aus acht Spielen weiter auszubauen möchte.
Auf der anderen Seite dürfen sich die Roten in den kommenden Spielen keinen Punktverlust erlauben, um nicht noch weiter ins Hintertreffen zu geraten. Die „Eisernen“ von Union Berlin werden bereits am Sonnabend ein mehr als echter Prüfstein für die 96er sein.
Der Aufschwung bei den Berlinern ist in erster Linie ein Verdienst von Jens Keller. Der 46-jährige Fußballlehrer übernahm eineinhalb Jahre nach seinem Rausschmiss auf Schalke den Trainerposten in Berlin und führte das Team bis an die Spitze der Zweiten Liga. „Union Berlin ist eine große Familie“, lobte Jens Keller das Umfeld bei den Berlinern. Nun hoffen alle, dass es für die Eisernen auch mit dem Aufstieg in die Bundesliga klappt. „Wir haben so viel investiert, jetzt wollen wir auch mit aller Macht aufsteigen“, unterstreicht Keller die Aufstiegsambitionen seines Vereins. Das gilt auch für Hannover 96 mit seinem neuen Trainer Andrè Breitenreiter, der ebenfalls eine Schalker Vergangenheit als Trainer hat. So gesehen befinden sich zumindest die beiden Trainer auf Augenhöhe. Wie es auf dem Spielfeld aussieht, wird sich am Sonnabend zeigen.
Nur drei Tage später ist die HDI-Arena erneut Austragungsstätte eines Duells von zwei Traditionsmannschaften. Kein Geringerer als der 1. FC Nürnberg ist am Dienstag, 4. April, von 17.30 Uhr an zum Rückspiel zu Gast, nachdem die Clubberer das Hinspiel mit 2:0 gewinnen konnten. Bei den finanziell arg angeschlagenen Franken, die aus finanziellen Gründen ihren Zweitligatorjäger Guido Burgstaller in der Winterpause an den FC Schalke 04 abgeben mussten, hat sich einiges getan.
So nehmen die Nürnberger derzeit mit 32 Punkten einen 10. Tabellenplatz ein, der weder mit dem Aufstieg noch aller Voraussicht nach mit dem Abstieg etwas zu tun haben dürfte. Dennoch entschlossen sich die Club-Verantwortlichen um ihren Manager Andreas Bornemann, ihren Coach Alois Schwartz am 7. März nach der 0:1-Derbypleite gegen die SpVgg Fürth von seinen Aufgaben als Cheftrainer zu entbinden und mit Michael Köllner den bisherigen Nürnberger U-21 Trainer als seinen Nachfolger zu benennen.
Keine guten Voraussetzungen für die Roten, da „neue Besen bekanntlich immer gut kehren sollen°, wie der Volksmund sagt. Doch wird sich auch Hannover 96 auf dieses alte Sprichwort berufen. Hat doch mit André Breitenreiter seit dem 20. März eine neuer Trainer bei Hannover 96 das Sagen, der am Sonnabend vor den eigenen Zuschauern seine Punktspielpremiere bei den „Roten“ mit einem Dreier gegen die „Eisernen“ von Union Berlin feiern möchte. Klaus Depenau