Hannover 96 will „Pizza“ den Geburtstag verderben

Achim Kirk aus Isernhagen gewinnt Sitzplatz-Tickets gegen Werder

HANNOVER (kd). Die gute Nachricht vorab. Hannover 96 lebt noch! Was angesichts der Heimstärke des bis dato zu Hause noch verlustpunktfreien deutschen Vizemeisters und Pokalsiegers VfL Wolfsburg wohl nur die größten Optimisten erhofft hatten, wurde am vergangenen Sonnabend Wirklichkeit. Hannover 96 kehrte nach dem 1:1 (1:0)-Unentschieden beim Champions-League-Teilnehmer mit einem Punkt aus der Volkswagenstadt nach Hause zurück.
Mehr als nur ein Achtungserfolg für die 96er, die aber trotz des Punktgewinns mit nur zwei Punkten weiterhin den letzten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga einnehmen. Wie prekär die Lage für die Roten weiterhin ist, beweist ein Blick auf die Tabelle. Selbst bei einem Heimsieg am Sonnabend, 3. Oktober, ab 15.30 Uhr zu Hause in der HDI-Arena über Werder Bremen würde die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck höchstens auf einen Relegationsplatz klettern können.
Nur gut, dass sich Hannover 96 nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge in Wolfsburg als eine Einheit präsentierte und sich nach dem 0:1-Rückstand durch das Kopfballtor von Bas Dost in der 40. Minute nach Flanke von Daniel Caligiuri vor 29.236 Zuschauern energisch gegen die drohende Niederlage stemmte. In der 57. Minute wurden die Bemühungen der sehr defensiv eingestellten Gäste aus der Landeshauptstadt von Erfolg gekrönt. Eine Maßflanke von Manuel Schmiedebach beförderte der überragenden Hiroshi Kiyotake mit einem Seitfallrückzieher in Weltklassemanier zum 1:1-Ausgleich ins Netz.
Durch den Ausgleich lieferten die 96-Spieler auch ein Bekenntnis zu ihrem in die Kritik geratenen Trainer ab, der nach dem erhofften Vertrauensbeweis spontan entschied, auf ein bewährtes Mittel der abgelaufenen Saison zurückzugreifen. Vom heutigen Mittwoch an wird die Mannschaft ein Kurztrainingslager im Hotel Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld (Westfalen) beziehen, um sich in Ruhe für den Abstiegskampf vorzubereiten, der am Sonnabend im Heimspiel gegen Werder Bremen eine Fortsetzung finden wird. Im Trainingslager in der Klosterpforte wird sich der 96-Mannschaft auch der ehemalige Nürnberger Martin Bader als neuer Geschäftsführer von Hannover 96 vorstellen, der am 1. Oktober offiziell seine Arbeit bei Hannover 96 aufnehmen wird.
Dass beim Schlusslicht der Bundesliga inzwischen auch der Aberglaube eingezogen ist und eine Rolle spielt, ist der Äußerung von Martin Kind zu entnehmen, der den in Wolfsburg neben ihm sitzenden neuen Geschäftsführer bereits als Glücksbringer ausmachte. „Martin Bader hat uns Glück gebracht“, behauptete der 96-Chef, was dann nach dem Punktgewinn den gut gelaunten Michael Frontzeck zu der Aussage ermutigte: „Kaum ist er da, schon sind wir ungeschlagen.“ Der Flachs blüht also wieder bei Hannover 96, so dass man annehmen könnte, dass nach der Inthronisierung des neuen, starken Geschäftsführers nun alles im Lot sei. Doch weit gefehlt. Die trügerische Ruhe könnte bereits am Sonnabend vorbei sein, sofern den 96ern nicht gegen Werder Bremen ein Befreiungsschlag mit dem ersten Saisonsieg gelingen sollte. Es herrscht also angesichts der prekären Lage weiterhin Alarmstufe 1 bei Hannover 96. Trotz allen Beteuerungen steht auch der 96-Trainer weiterhin unter starkem Druck. Zwar sprach 96-Präsident Martin Kind seinem Coach weiterhin das Vertrauen aus, doch werden alle Beteuerungen schnell zur Makulatur, sofern die Ergebnisse ausbleiben sollten.
Nur gut, dass sich am Sonnabend mit Werder Bremen eine Mannschaft in der HDI-Arena vorstellt, die nicht nur zu den Lieblingsgegnern der Hannoveraner gehört, sondern derzeit in einer Krise steckt. Drei Niederlagen in der englischen Woche ließen selbst bei Werder Trainer Viktor Skripnik den Glauben an seine Mannschaft zweifeln. Dabei verlief der Saisonstart der Bremer mit fünf Punkten aus den ersten vier Spielen durchaus erfolgversprechend. Zumal auch die Bemühungen des Werder Vorstandes mit Hilfe von Sponsoren von Erfolg gekrönt wurden, mit Claudio Pizarro einen der größten Sympathieträger an die Weser zurück zu holen, den all zu viele nach dem Abschied vom FC Bayern München auch lieber im 96-Dress gesehen hätten. Am Sonnabend wird sich der peruanische Nationalspieler auch der Ovationen der 96-Anhänger sicher sein. Feiert „Pizza“, wie ihn seine Fans nennen, doch am Spieltag seinen 37. Geburtstag.
Allerdings warten die Werder-Anhänger noch immer auf das ersten Tor ihres Lieblingsstürmers, der nach seiner Rückkehr nach Bremen etwas vollmundig angekündigt hatte, dass nun die Möglichkeit da wäre, mit Werder sogar in die Champions League zu kommen. Inzwischen ist aber klar, dass diese Äußerung eher Leichtsinn war. Nun ist die Mannschaft von Hannover 96 gefordert, mit einem Sieg über Werder Bremen den Beweis anzutreten, dass das erhoffte Fußballmärchen von Claudio Pizarro ein jähes Ende gefunden hat und sie in Zukunft mit Werder Bremen einen Mitbewerber im Abstiegskampf der Bundesliga gefunden haben.
Live dabei beim Nordderby ist Achim Kirk aus Isernhagen, der als einzigster (!) bei unserem Ergebnis-Tipp-Gewinnspiel das überraschende 1:1-Remis der „Roten“ in Wolfsburg richtig tippte und damit die beiden Sitzplatz-Tickets gewonnen hat.